Aber es ist viel verborgen in der Natur, so auch in Oliver. Diesmal begründete er also seinen Abfall vom Fleiß auf eine ganz aparte Weise. Natürlich war er faul, aber hatte er etwa keinen Grund dazu?

Eines Morgens fällt ihm auf, daß Petra beim Kaffeekochen der helle Schweiß auf der Stirne steht. „Bist du unpäßlich?” fragt er. — „Ja,” antwortet sie. Er sagt nichts mehr, er ißt sein Frühstück, rudert zum Fischen hinaus und kommt erst gegen Abend zurück. Petra ist unleidlich; es ist, als habe sie Zahnschmerzen, Oliver sieht, wie vorsichtig sie kaut, sie will keinen Kaffee, kann ihn weder sehen noch riechen, sie geht umher und spuckt in den Ecken aus. „Ist dir noch so schlecht?” fragt er. — „Ja, du hast es ja gehört!” antwortet sie gereizt.

Darauf sieht er sie in höchst zweideutiger Art an, sieht langsam an ihr herunter, nicht heimlich, sondern ganz offen und gerade, er will, daß sie es merkt. Als er es getan hat, schlägt sie die Augen nieder und seufzt.

O, Petra hatte Augen im Kopf, sie hatte verstanden. „Willst du noch Kaffee haben?” fragt sie und schenkt ihm ein.

Er gibt keine Antwort, er scheint wirklich ganz in tiefe Gedanken versunken zu sein, er sieht nicht, er hört nicht. Hat er sie mit seinem Seufzer gerührt? Sie gab sich jedenfalls Mühe, recht still zu sein, während sie im Zimmer aufräumt. „Trink nun deinen Kaffee, ehe er kalt wird,” sagt sie.

Da kommt Oliver wie aus weiter Ferne wieder zu sich, o, vielleicht aus dem Lande der Apfelsinen oder vielleicht aus der Unterwelt; er steht auf.

Nun hätte alles so ernst und tief verlaufen können, aber ein Zufall verdarb es wieder. „Ja ja, Frank, jetzt geh' ich,” sagte er zu dem schlafenden Kinde. Soweit ging alles gut. Doch nun fing er an, sich über die Hüften zu streichen, fand aber das Gesuchte nicht. „Und dann komm' ich heut abend wieder zu dir, Frank,” sagte er. Er sucht etwas auf einem Wandbrett, er öffnet eine Kommodenschublade und findet es nicht. Dann findet er es endlich in der Wiege — das Schnitzmesser, dieses Ungeheuer, dieses Schwert, das er immer auf den Fischmarkt am Bollwerk mitnahm. Er hatte es am vorhergehenden Abend dem Kinde zum Spielen gegeben und es dann vergessen. O, das war unglaublich; erst schlug Petra entsetzt die Hände zusammen, dann brach sie in lautes Gelächter aus. Olivers Seufzer ging vollständig verloren, wie ein geschlagener Mann schlich er hinaus an seine Arbeit.

Aber warum dieser ganze Auftritt? Ein gleichgültiges Spiel! Dürfte nicht eine verheiratete Frau einmal unpäßlich sein und den Kaffee verabscheuen? Ach, wie das Oliver auf einmal unüberwindlich vorkam, wie schwer und verzweifelt kam es ihm vor, Gott hatte ihn nicht verständiger gemacht. Er strich die Segel. Nicht, daß er von diesem Tag an jemand seine eigene Faulheit zur Last gelegt hätte, er beklagte sich auch nicht bei andern, nein, das tat er nicht, aber er schob das Kind vor. So hatte er einen Grund, sich von der Arbeit frei zu machen.

Der Winter verging.

Und es verging mehr als ein Winter — in Müßiggang und häuslichem Streit, mit schlechtem Essen, in Lumpen, in Dunkelheit.