„Sie wollte ein seidenes Kleid haben,” antwortete Frau Johnsen, „und außerdem waren genug billige Kleider da. Haben Sie gesehen, wie Heibergs ihre Alice herausgeputzt hatten?”

Eine andere sagte: „Eine hatte eine schwere Uhrkette an.”

„Das war eine von Konsul Olsens Töchtern.”

„Ja ja, das arme Kind, Grütze-Olsens sind nun eben etwas für sich,” gab Frau Johnsen nachsichtig zu. Nein, niemals konnte sie Grütze-Olsens verzeihen, daß auch sie ein Konsulat hatten und reiche Leute waren. War denn das nicht erfreulich? Es hätte doch eine große Annehmlichkeit für Frau Johnsen sein müssen, daß sie mit immer mehr Damen von ihrem eigenen Rang zusammenkommen konnte, aber nein, das ertrug sie nicht. Und woher hatte sie denn ihre gelbe Gesichtsfarbe? Diese war sehr gelb, Frau Johnsen hatte wohl einen empfindlichen Magen.

„Um von einem aufs andere zu kommen,” sagte Rechtsanwalt Fredriksen, der Volksredner, und hielt die ganze Gesellschaft auf. Er redete so laut an dem stillen Abend, es war wie wenn ein Matrose in einer Weinstube proletet. — „Ja, um von einem aufs andere zu kommen. Sind Ihre Dampfschiffe jetzt auf dem Heimweg, Herr Konsul?”

Es war Konsul Johnsen nicht unlieb, hier antworten zu können: „Ja, jetzt kommt die Fia heim. Sie ist lange nicht dagewesen.”

„Hätte ich jetzt das Geld, das sie verdient hat!” wünschte Henriksen auf der Werft. „Das waren keine Kleinigkeiten, o nein!” Wie das Konsul Johnsen wohltat! Aber er sagte: „Ich antworte darauf, weil Schweigen mißverstanden werden könnte. Fia hat in Wirklichkeit nicht so sehr viel verdient. Ich war sehr oft froh, daß ich's aushalten und sie über Wasser halten konnte. Aber jetzt, in den letzten Jahren natürlich —”

„Oho!” rief Henriksen und schüttelte den Kopf.

„Die Gesellschaftsmoral hat ganz gewiß einen unverdient schlechten Ruf,” sagt der Doktor plötzlich.

„Wieso?”