„Man gestaltet sein Dasein so gut wie möglich. Genießt zum Beispiel.”

„Armes Ziel, kurzes Ziel. Dann ist allerdings sehr richtig alles mit einem selbst aus. Aber man kann sich ein weiter gestecktes Ziel denken: Unsere ewige Fortsetzung durch die Nachkommen. Wie denken Sie nun im Ernst darüber? Ich nehme an, daß Sie bis jetzt mit uns gescherzt haben.”

„Durchaus nicht.”

„Nehmen Sie zum Beispiel mich: Ich bin Postmeister hier in der Stadt. Die eine Stellung kann dabei so gut wie die andere sein. Aber mit welcher Hoffnung kann dann der Kinderlose, der selbst nichts Besonderes geworden ist, sterben? Für mich ist es nun keine Befriedigung, selbst noch mehr zu werden, im Gegenteil, jetzt freut es mich, wenn ich selbst nichts Besonderes geworden bin, dann hab' ich meine Gaben für meine Kinder nicht verbraucht. Sehe ich, ehe ich sterbe, Zeichen davon, daß meine Kinder mich in allen Dingen überstrahlen werden, dann werde ich, was ganz natürlich ist, der Allmacht gegenüber von tiefer Dankbarkeit erfüllt sein. Etwas vom Traurigsten, was ich erleben kann, das sind demgemäß die Söhne und Töchter großer Männer, die Kinder berühmter Eltern. Das ist ein traurigerer Anblick, als Kinder ohne Eltern. Von mir kann man gottlob annehmen, daß meine Kinder, selbst wenn ich noch einmal so viel geworden wäre, als ich tatsächlich geworden bin, daß meine Kinder mehr werden als ich. Jawohl, und gerade das wird meine Hoffnung sein, wenn ich sterbe; daß ich also durch das Emporkommen meiner Kinder selbst emporgekommen bin. Daß ich nicht Göttersöhne gehabt habe.”

Die Theorie des Postmeisters sagte niemand zu, es war eine Theorie und ein Trost für Leute ohne Erfolg, Leute, die wenig im Leben erreicht hatten, es war nicht für Leute in hohen Stellungen, oho!

„Sie sind ein guter Mann!” sagte der Doktor freundschaftlich. Und der Konsul war ja wahrlich selbst sehr viel und nicht nur der Vater seiner Kinder, ja, er konnte sogar noch mehr werden, als er jetzt war, er stand aufrecht auf freier Bahn, und er hatte etwas im Auge. Aber Konsul Johnsen wollte auch freundschaftlich gegen den Postmeister sein und nicht einmal herablassend, er nickte ihm zu und sagte: „Nach meiner unmaßgeblichen Meinung ist vieles an dem, was Sie sagen, Herr Postmeister.”

„Nach Ihrer Meinung!” wies der Doktor zurück.

Rechtsanwalt Fredriksen, der bis jetzt mit Henriksen von der Werft geplagt worden war, warf ein: „Jawohl, Meinung. Wir Junggesellen und Kinderlose haben doch auch eine Meinung in der Sache.”

Und in demselben Augenblick fürchteten wohl alle, jetzt sei es aus, niemand werde mehr ein Wort vorbringen können. Der Konsul beschleunigte seine Schritte, machte seine Haustür auf und forderte die Gäste auf, einzutreten. „Jedenfalls wollen wir jetzt versuchen, ob wir bei einem Glas Wein einig werden können,” sagte er lächelnd.

In demselben Augenblick, wo die Gesellschaft hineinging, trat der junge Scheldrup durch den Küchenausgang auf die Straße. Er machte sich wohl nichts aus solchen ergebnislosen Diskussionen, wie sie der Postmeister zuwege brachte. Das konnte ihm niemand verdenken, in seinem Alter ist das Leben kein Rätsel, die Sommernacht gehört der Jugend.