Nein, Petra war sicher; er war feig und widerlich, er war nichts, sie scherte sich den Kuckuck um ihn. Dann geht sie nur an ihm vorbei und hinein, der Mann kommt hinterher. Sie bleibt einen Augenblick im Flur stehen, um ihn zu beschämen, ja, um ihm zu zeigen, daß sie, die Nachtwandlerin, die ordentliche und zuverlässige ist: Seht jetzt nur, ist nicht sie es, die die Haustür hinter sich und ihm zuschließt!
„So, du willst zuschließen,” sagt Oliver. „Abel ist sicher noch nicht daheim.”
„Dann muß er draußen übernachten.”
„Er soll nicht draußen übernachten!” schreit Oliver erregt, er dreht rasch seinen schweren Oberkörper im Kreise herum und schiebt Petra auf die Seite. Sie fährt auf und sagt: „Warum schlägst du mich nicht lieber auf einmal tot!”
Ein heftiger Streit entspinnt sich; sie gehen hinein und werfen sich Schimpfworte an den Kopf. Die Großmutter liegt im Altenteil mit der Kleinen und Frank. Sie richtet sich auf den Ellbogen auf und lauscht, dann legt sie sich wieder nieder, das ist nichts Neues, sie kennt das. Olivers Eifersucht ist für den Augenblick vorbei, und er fühlt sich außerdem befriedigt von seinem Auftreten; leicht wie ein Kind war sie an die Wand geflogen, er ist der Mann, hoho, er wiegt den Oberkörper hin und her.
Das nächtliche Scharmützel zwischen den Eltern kommt dem Eichhörnchen Abel zugute: er schlüpft so leise wie möglich von der Straße herein und hört, als er zu Bett geht, von keiner Seite irgendein böses Wort.
9
Nichts konnte so wild und qualvoll sein, als in dieser Spannung leben zu müssen. Oliver hat seit Tagen ausgeruht, und er treibt sich in den Straßen herum, fühlt aber keine Spur von glücklicher Ruhe. Jetzt sind die Fenster seiner Stube mit Röcken und Schürzen verhangen, und er kann nichts erspähen, deshalb wandert er wie blödsinnig vor dem Hause hin und her.