Er hatte durchaus nicht oft frei, seine Krankheit fesselte ihn ans Land, fesselte ihn ans Haus. Petra zeigte ja wieder leichten Widerwillen gegen den Kaffee, und jetzt war Oliver beinahe ganz erschöpft von seiner Wachsamkeit. War er nicht monatelang in Winkeln und Gassen auf der Lauer gestanden, hatte spioniert und gehorcht! Er war schlecht gekleidet und schlecht ernährt, aber die Eifersucht hielt ihn stundenlang auf seinem Posten fest; er stand da mit klopfenden Pulsen und litt wahre Höllenqualen, der Wind zerrte an seinem Hosenbein wie an einer Flagge, die sich um eine Stange gewickelt hat. Er hatte ja eigentlich niemals frei, er war bei Nacht nicht sicherer als am Tage, er machte Überstunden, er schindete sich ab. Wenn ihn das wenigstens aufs Krankenlager gebracht und getötet hätte, aber nein! Ein Frauenzimmer ausspionieren! Warum sie nicht lieber laufen lassen und das Haus zuschließen! Was war bei dieser Frechheit zu tun, eine Frechheit, die ganz unschuldige Augen hat und des Lügens überdrüssig wird? Er konnte sie von der einen Seite her erwarten, und dann kam sie von einer andern, wo war sie da gewesen? Sie konnte, ein Liedchen trällernd, daherkommen, da war gar nichts, was sie bedrückte; was für Gedanken hatte sie wohl, warum schmunzelte sie vor sich hin und wiegte sich in den Hüften?

„Was stehst du hier und lauerst?” sagt Petra nur und versinkt durchaus nicht in den Boden.

„Woher kommst du? Jetzt ist es Nacht.”

„Bin ich nicht beim Konsul gewesen? Was hast du da in der Hand; das Messer?”

„Das siehst du wohl.”

„Das Fischmesser! Warum stehst du mit dem Messer da?”

„Ich hab' es am Bollwerk gebraucht.”

„Nein, aber du meinst, du könnest mir Angst machen.”

„Schweig!”

„Ach, gib dir keine Mühe!”