Diese beiden, der Fischer Jörgen und Oliver haben im Lauf der Jahre manches Gespräch miteinander geführt, und sie waren immer ohne einen Gruß und Gute Nacht auseinandergegangen; aber an diesem Abend sagt Oliver: „Willst du nicht bei uns hereinsehen?”
Jörgen ist langsam und als Geist betrachtet nicht schlagfertig: Was meinte denn der Nachbar, der Mann vom Lagerhaus?
„Ich weiß nicht, ob Petra vielleicht eine Tasse Kaffee und etwas Backwerk hat; wir könnten es ja probieren.”
„Nein, ich danke, aber es ist für heut' abend zu spät,” erwidert Jörgen auf diese Großtuerei.
„Na, ja ja. Nun, dann grüß daheim!”
So etwas hatte Jörgen noch nie gehört: daheim grüßen!
Als er heimkam, mußte er seiner Frau sein Erlebnis erzählen, und Lydia, die Kluge, war nicht faul, alles zu durchschauen. „Sie werden verrückt,” sagt sie. „Dies wäre ja einerlei, den Kaffee bezahlen sie wohl nicht mehr teuer, wenn sie ihn im Lagerhaus finden können; aber Backwaren! Und jetzt ist Petra selbst beim Schulvorsteher gewesen und hat gefragt, ob ihr Frank nicht Pfarrer werden sollte.”
Die tüchtige Lydia, sie war nicht ganz frei von Neid. Na, Petra hatte wahrlich Grund, stolz zu sein — es müßten nur die vielen braunäugigen Kinder sein, haha! Nein, das war wahrlich nicht der Mühe wert! Den grauen Mantel, den sie bekam, ehe sie verheiratet war, den konnte sie jetzt nicht mehr tragen, was man auch nicht erwarten konnte; aber eine verheiratete Frau sollte nicht wieder einen hellen rotbraunen Mantel haben, den sie eben jetzt von Frau Johnsen geschenkt bekommen hatte, das schickte sich nicht, sie machte sich ja lächerlich damit.
Arme Petra, alle waren hinter ihr her, sie war eigentlich ein unglückliches Geschöpf, ein angebundenes Stück Vieh, das die Fessel toll macht. Das schlimmste aber für sie selbst und für andere war, daß sie so ungenügsam und so unzufriedenen Sinnes war. Sie hatte nun ihr Heim und ihr Auskommen, hatte Mann und Kinder, da hatte sie sich doch nicht so schlecht gebettet, oder wie? War sie mehr wert? Hatte sie nicht alle Ursache, mit einem Manne wie Oliver, der zum Vorstand von Konsul Johnsens Lagerhaus emporgestiegen war, glücklich zu sein? —
Oliver tritt in seine Stube und hängt den mächtigen Schlüssel an seinen Nagel am Fensterpfosten. Er hat selbst das Kleingeld für die Kuchen, die beim Bäcker geholt werden sollen, hergegeben; jetzt kommen sie auch auf den Tisch, jawohl, aber nicht viele, nicht ein Haufen für ihn, der der Versorger ist, außerdem benimmt sich Petra nicht im geringsten höflich, sondern legt die Kuchen auf den bloßen Tisch. Um ihr eine Lehre zu geben, nimmt Oliver seine Obertasse weg und legt die Kuchen auf die Untertasse, dann schaut er auf. Aber Petra ist nun verdrießlich und sagt: „Ich wußte nicht, daß du in Gesellschaft bist.” Oliver ist sich seiner Würde bewußt, streiten tut er nicht, wenn er es vermeiden kann; so gibt er den beiden kleinen Mädelchen jedem einen Kuchen, dann hat er noch einen für sich. Jawohl, Oliver ist naschhaft wie ein Frauenzimmer, er genießt sein süßes Kuchenbrot mit Behagen und trinkt Kaffee dazu, danach macht er sich zum Abendbrot tapfer an den Brotlaib und die Margarine.