Der Mann saß still und dachte. Weshalb trug er auch seine Zeitung nicht wie jeder andere Mensch eine Zeitung trägt, mit dem Titel nach außen? Was war das für eine Hinterlistigkeit? Er sah nicht so aus, als wolle er sein Paket aus der Hand lassen, nicht um alles in der Welt, er wagte vielleicht nicht einmal es seiner eigenen Tasche anzuvertrauen. Ich hätte mein Leben verwetten mögen, daß da etwas dahintersteckte.
Ich sah in die Luft. Gerade dies, daß es so unmöglich war, in diese mystische Sache einzudringen, machte mich vor Neugierde ganz verstört. Ich kramte in meinen Taschen nach irgend etwas, das ich dem Mann hätte geben können, um ins Gespräch mit ihm zu kommen und erwischte mein Barbierabonnement, steckte es aber wieder ein. Plötzlich kam es mir in den Sinn, äußerst frech zu sein, ich schlug mir auf meine leere Brusttasche und sagte:
Darf ich Ihnen eine Zigarette anbieten?
Danke, der Mann rauchte nicht, er hatte damit aufhören müssen, um seine Augen zu schonen, er war beinahe blind. Übrigens vielen Dank!
Ob es lange her sei, daß seine Augen Schaden gelitten hatten? Dann könne er vielleicht auch nicht lesen? Nicht einmal Zeitungen?
Nicht einmal Zeitungen, leider!
Der Mann sah mich an. Die kranken Augen hatten beide ein dünnes Häutchen, das ihnen ein glasartiges Aussehen gab, sein Blick wurde weiß und machte einen widerlichen Eindruck.
Sie sind fremd hier? sagte er.
Ja. — Ob er nicht einmal den Titel der Zeitung lesen könne, die er in der Hand halte?
Kaum. — Übrigens hätte er sofort gehört, daß ich fremd sei; es sei etwas in meinem Tonfall, das ihm das sage. Dazu brauche es wenig, er höre so gut; in der Nacht, wenn alle schliefen, könne er die Menschen im Nebenzimmer atmen hören.... Was ich sagen wollte, wo wohnen Sie?