Wie schön Sie jetzt sind!

Mehr sagte ich nicht. Ich trat zurück, stieß die Türe auf und ging rückwärts hinaus. Und sie blieb drinnen stehen.


Vierter Abschnitt

Der Winter war gekommen, ein rauher und nasser Winter, beinahe ohne Schnee, eine neblige und dunkle, ewige Nacht, ohne einen einzigen frischen Windstoß während der ganzen Woche. In den Straßen brannte das Gas fast den ganzen Tag, und die Menschen stießen trotzdem im Nebel aneinander. Alle Töne, der Klang der Kirchenglocken, die Schellen der Droschkenpferde, die Stimmen der Menschen, der Hufschlag, alles zusammen klang in dieser dicken Luft dumpf und begraben. Woche auf Woche verging und das Wetter war und blieb das gleiche.

Und ich hielt mich beständig unten in Vaterland auf.

Immer fester wurde ich mit diesem Wirtshaus, diesem Logis für Reisende verbunden, in dem ich trotz meiner Verkommenheit Wohnung gefunden hatte. Mein Geld war seit langem verbraucht, und doch kam und ging ich hier immer noch, als hätte ich ein Recht dazu und sei hier daheim. Die Wirtin hatte noch nichts gesagt; aber trotzdem quälte es mich, daß ich nicht bezahlen konnte. So verliefen drei Wochen.

Vor vielen Tagen schon hatte ich meine Schreiberei wieder aufgenommen, aber es wollte mir nicht gelingen, etwas zustande zu bringen, mit dem ich zufrieden war. Ich hatte gar kein Glück mehr, obwohl ich fleißiger war als je und es früh und spät versuchte. Was ich auch unternahm, es nützte nichts, das Glück hatte mich verlassen.

Ich saß in einem Zimmer im ersten Stock, im besten Fremdenzimmer, und machte diese Versuche. Seit dem ersten Abend, als ich Geld hatte und für mich bürgen konnte, war ich hier oben ungestört geblieben. Ich hatte auch die ganze Zeit die Hoffnung, endlich irgendeinen Artikel zustande zu bringen, so daß ich mein Zimmer bezahlen konnte und was ich sonst noch schuldig war; deshalb arbeitete ich so fleißig. Ich hatte insbesondere ein bestimmtes Stück angefangen, von dem ich mir sehr viel erwartete, eine Allegorie über einen Brand in einem Buchladen, ein tiefsinniger Gedanke, den ich mit allem Fleiß ausarbeiten und dem „Kommandeur” zur Abzahlung bringen wollte. Der „Kommandeur” sollte doch erfahren, daß er dieses Mal wirklich einem Talent geholfen hatte. Ich hatte keinen Zweifel, daß er das erfahren würde; es galt nur zu warten, bis der Geist über mich kam. Und warum sollte der Geist nicht schon im nächsten Augenblick über mich kommen? Es war gar nichts im Weg; ich bekam von meiner Wirtin jeden Tag ein wenig zu essen, morgens und abends einige Butterbrote, und meine Nervosität war beinahe verschwunden. Ich brauchte mir keine Lumpen mehr um die Hände zu binden, wenn ich schrieb, und ich konnte von meinen Fenstern im ersten Stock auf die Straße heruntersehen ohne schwindlig zu werden. Es ging mir in jeder Beziehung viel besser, und es wunderte mich geradezu, daß ich meine Allegorie noch nicht fertig hatte. Ich verstand nicht, wie das zusammenhing.

Endlich sollte ich eines Tages eine Ahnung davon bekommen, wie schwach ich eigentlich geworden war, wie schlaff und untauglich mein Gehirn arbeitete. An diesem Tag kam nämlich meine Wirtin mit einer Rechnung zu mir herauf und bat mich, sie durchzusehen. Es müsse etwas falsch sein an der Rechnung, sagte sie, sie stimme nicht mit ihrem eigenen Buch überein; aber sie habe den Fehler nicht herausfinden können.