Plötzlich sah ich zwei der Kinder unten in der Straße auffahren und raufen, zwei kleine Buben; den einen kannte ich, er war der Sohn meiner Wirtin. Um zu hören, was sie einander sagen, öffne ich mein Fenster, und sofort sammelt sich eine Schar Kinder unter diesem Fenster an und sieht sehnsuchtsvoll herauf. Worauf warteten sie? Daß ich ihnen etwas hinunterwerfen würde? Getrocknete Blumen, einen Knochen, Zigarrenstumpen, irgend etwas, das sie sich in den Mund stopfen oder mit dem sie sich belustigen könnten? Mit blaugefrorenen Gesichtern, mit unendlich langen Augen sahen sie zu meinem Fenster herauf. Unterdessen zanken sich die zwei Feinde immer noch herum. Worte, wie große, feuchte Ungeheuer, wimmeln aus diesen Kindermündern, schreckliche Schimpfnamen, Dirnenausdrücke, Matrosenflüche, die sie vielleicht unten am Hafen gelernt hatten. Und beide sind so davon in Anspruch genommen, daß sie gar nicht bemerken, wie meine Wirtin zu ihnen hinausläuft, um zu hören, was los ist.
Ja, erklärt ihr Sohn, er packte mich an der Gurgel; ich bekam lange keine Luft mehr! Und indem er sich an den kleinen Übeltäter wendet, der ihn boshaft angrinst, wird er vollkommen rasend und ruft:
Fahr zur Hölle, du chaldäisches Vieh, das du bist! So ein lausiger Hurenbalg packt einen an der Kehle! Ich werde dich, so wahr Gott....
Und die Mutter, dieses schwangere Weib, die die ganze enge Gasse mit ihrem Bauch beherrscht, antwortet dem zehnjährigen Kind, während sie es am Arm ergreift und mit sich ziehen will:
Scht! halt deinen Schnabel! Ich meine gar, du fluchst! Du gebrauchst ja das Maul, als wenn du jahrelang im Hurenhaus gewesen wärest! Jetzt hinein mit dir!
Nein, das tue ich nicht!
Doch, das tust du!
Nein, ich tue es nicht!
Ich stehe oben am Fenster und sehe, wie der Zorn der Mutter zunimmt, diese widerliche Szene erregt mich stark, ich halte es nicht mehr aus, ich rufe zu dem Buben hinunter, daß er einen Augenblick zu mir heraufkommen soll. Ich rufe zweimal, nur um sie zu stören, um diesen Auftritt zu beenden; das zweite Mal rufe ich sehr laut, und die Mutter wendet sich verblüfft um und sieht zu mir herauf. Und augenblicklich gewinnt sie die Fassung wieder, sieht mich frech an, richtig überlegen sieht sie mich an, und zieht sich mit einer vorwurfsvollen Bemerkung gegen ihren Sohn zurück. Sie spricht laut, so daß ich es hören kann und sagt zu ihm:
Pfui, schämen solltest du dich, die Leute sehen zu lassen, wie schlimm du bist!