Mir entging nichts, nicht einmal irgendeine kleine Nebensache von allem, was ich auf diese Weise beobachtete. Meine Aufmerksamkeit war äußerst wachsam, ich atmete empfindlich jeden kleinen Umstand ein und machte mir meine Gedanken über diese Dinge, wie sie der Reihe nach verliefen. Es konnte also unmöglich mit meinem Verstand etwas nicht in Ordnung sein. Wie sollte auch jetzt etwas nicht in Ordnung sein?

Höre, weißt du was, sagte ich plötzlich, nun bist du lange genug herumgegangen und hast dich mit deinem Verstand befaßt und dir in dieser Hinsicht Kummer gemacht; nun müssen diese Narrenstreiche aufhören! Ist das ein Zeichen von Verrücktheit: alle Dinge so genau zu beobachten und aufzufassen, wie du es tust? Du machst mich beinahe über dich lachen, versichere ich dir, dies entbehrt nicht des Humors, soviel mir scheint. Kurz und gut, das passiert allen Menschen, daß sie sich einmal verrennen, und zwar gerade bei der einfachsten Frage. Das hat nichts zu sagen, das ist nur Zufall. Wie gesagt, ich muß bei einem Haar über dich lachen. Was diese Krämerrechnung betrifft, diese lumpigen fünf Sechzehntel Armeleutekäse, so möchte ich ihn beinahe nennen, — hehe, ein Käse mit Nelken und Pfeffer darin — was diesen lächerlichen Käse betrifft, da hätte auch der Klügste dumm davor dastehen können; schon bloß der Geruch dieses Käses könnte einen aus der Fassung bringen.... Und ich verhöhnte den Kräuterkäse nach allen Richtungen.... Nein, gebt mir etwas Eßbares! gebt mir meinetwegen fünf Sechzehntel guter Butter! Das wäre etwas anderes!

Ich lachte hektisch über meine eigenen Witze und fand sie höchst lustig. Mir fehlte wirklich nichts mehr, ich war ganz in Ordnung.

Meine Munterkeit stieg, je mehr ich im Zimmer umherging und mit mir sprach; ich lachte laut und fühlte mich überaus froh. Es war auch wirklich so, als hätte ich nur dieser kurzen fröhlichen Weile, dieses Augenblickes richtig heller Entzückung ohne Sorgen nach irgendwelcher Seite hin bedurft, um meinen Kopf in arbeitstüchtige Verfassung zu bringen. Ich setzte mich an den Tisch und fing an, mich mit meiner Allegorie zu beschäftigen. Und es ging sehr gut, besser denn seit langer Zeit. Es ging nicht schnell; aber ich fand, das wenige, das ich zustande brachte, war ganz ausgezeichnet. Auch arbeitete ich eine Stunde lang, ohne müde zu werden.

Schließlich bin ich an einem sehr wichtigen Punkt in dieser Allegorie über einen Brand in einem Buchladen angelangt. Er kam mir so wichtig vor, daß alles übrige, was ich geschrieben hatte, nicht der Rede wert war im Vergleich zu diesem Punkt. Ich wollte gerade den Gedanken, daß es nicht Bücher seien, die verbrannten, sondern Gehirne, menschliche Gehirne, recht tiefsinnig formen, und ich wollte aus diesen brennenden Gehirnen eine ganze Bartholomäusnacht gestalten. Da wurde plötzlich meine Türe mit großer Hast geöffnet, und meine Wirtin kam hereingesegelt. Sie kam bis mitten ins Zimmer, sie blieb nicht einmal auf der Schwelle stehen.

Ich stieß einen kleinen heiseren Schrei aus; es war, als hätte ich einen Schlag bekommen.

Wie? fragte sie. Mir schien, Sie sagten etwas? Wir haben einen Reisenden bekommen und wir müssen dieses Zimmer für ihn haben. Sie können heute nacht bei uns unten schlafen; ja, Sie sollen auch dort ein eigenes Bett bekommen. Und noch bevor sie meine Antwort erhalten hatte, begann sie ohne weiteres meine Papiere auf dem Tisch zu sammeln und sie in Unordnung zu bringen.

Meine frohe Stimmung war wie weggeweht, ich wurde zornig und verzweifelt und stand sofort auf. Ich ließ sie auf dem Tisch zusammenräumen und sagte nichts; ich sprach kein Wort. Und sie gab mir alle Papiere in die Hand.

Ich konnte nichts anderes tun, ich mußte das Zimmer verlassen. Auch dieser kostbare Augenblick war nun verdorben! Schon auf der Treppe begegnete ich dem neuen Reisenden, einem jungen Mann mit großen blauen Ankerzeichnungen auf den Handrücken; ein Träger mit einer Schiffskiste auf der Schulter folgte ihm. Der Fremde war sicher ein Seemann, also nur ein zufälliger Reisender für eine Nacht; er würde mein Zimmer kaum längere Zeit in Anspruch nehmen. Ich konnte ja vielleicht auch morgen, wenn der Mann abgereist war, wieder einen meiner glücklichen Augenblicke haben; es fehlten mir nur noch fünf Minuten der Inspiration, dann war mein Werk über den Brand fertig. Ich mußte mich also in das Schicksal ergeben....

Ich war noch nie in der Wohnung der Familie gewesen, dieser einzigen Stube, in der sich alle zusammen, Mann, Frau, der Vater der Frau und vier Kinder, Tag und Nacht aufhielten. Das Mädchen wohnte in der Küche, in der es auch schlief. Mit großem Widerwillen näherte ich mich der Türe und klopfte an; niemand antwortete, aber ich hörte drinnen sprechen.