Einen Augenblick schwiegen wir beide, sowohl die „Jungfer” wie ich.

Nein, Teufel, war das der „Herzog”? Sieht er so aus? sagte er darauf gedankenvoll. Aber wenn sie mit diesem Mann zusammen ist, dann möchte ich nicht für sie einstehen.

Ich schwieg immer noch. Ja, natürlich würde der „Herzog” mit ihr abziehen! Schön und gut! Was ging mich das an? Ich wünschte ihr mitsamt ihren Reizen alles Gute, alles Gute wünschte ich ihr! Und ich versuchte, mich selbst zu trösten, indem ich das Schlechteste von ihr dachte, mir gleichsam eine Freude daraus machte, sie richtig in den Schmutz zu ziehen. Es ärgerte mich nur, daß ich vor diesem Paar den Hut abgenommen hatte, falls ich es wirklich getan hatte. Warum sollte ich vor solchen Menschen den Hut abnehmen? Ich riß mich nicht mehr um sie, durchaus nicht; sie war auch nicht mehr im geringsten schön, sie hatte verloren, pfui Teufel, wie sie verblüht war! Es konnte ja gerne sein, daß sie bloß mich angesehen hatte; das wunderte mich nicht, vielleicht begann die Reue in ihr lebendig zu werden. Aber deshalb brauchte ich ihr nicht zu Füßen zu fallen und wie ein Narr zu grüßen, besonders wenn sie in der letzten Zeit so bedenklich gewelkt war. Der „Herzog” konnte sie gerne behalten, wohl bekomm's! Es könnte der Tag kommen, da es mir einfiele, stolz an ihr vorbeizugehen, ohne nach jener Seite zu sehen, auf der sie sich befand. Es konnte geschehen, daß ich mir dies erlaubte, selbst wenn sie mich steif ansah und obendrein ein blutrotes Kleid trug. Das konnte sehr wohl geschehen! Hehe, würde das ein Triumph werden! Wenn ich mich recht kannte, so war ich imstande, mein Drama im Laufe der Nacht fertig zu bekommen und innerhalb acht Tagen würde ich dann das Fräulein in die Knie gezwungen haben. Mitsamt ihren Reizen, hehe, mitsamt allen ihren Reizen....

Leben Sie wohl! sagte ich kurz.

Doch die „Jungfer” hielt mich zurück. Er fragte:

Aber was treiben Sie nun den Tag über?

Treiben? Ich schreibe natürlich. Was sollte ich sonst treiben? Davon lebe ich ja. Augenblicklich arbeite ich an einem großen Drama, „Das Zeichen des Kreuzes”, Thema aus dem Mittelalter.

Tod und Teufel! sagte die „Jungfer” aufrichtig. Ja, wenn Ihnen das gelingt, dann....

Darüber mache ich mir keine großen Sorgen! antwortete ich. Ich denke, in ungefähr acht Tagen werden Sie von mir hören.

Damit ging ich.