Ein paar Schritte von mir entfernt steht ein Schutzmann und beobachtet mich; er steht mitten auf der Straße und sieht nichts anderes als nur mich. Als ich den Kopf zurückwerfe, treffen sich unsere Augen, er hatte vielleicht schon längere Zeit dort gestanden und nur mich angesehen. Ich nehme meinen Hut, setze ihn auf und gehe zu dem Manne hin.

Wissen Sie, wieviel Uhr es ist? frage ich.

Er wartet eine Weile, ehe er seine Uhr hervorzieht, und wendet seine Augen unterdessen nicht von mir ab.

Gleich vier Uhr, antwortet er.

Ganz richtig! sage ich; gleich vier Uhr, vollkommen richtig! Sie können Ihre Sache, wie ich höre, und ich werde an Sie denken.

Damit verließ ich ihn. Er war aufs Äußerste über mich erstaunt, stand da, sah mir mit offenem Mund nach und hielt noch die Uhr in der Hand. Als ich vor das Royal gekommen war, drehte ich mich um und sah zurück: er stand noch in der gleichen Stellung da und folgte mir mit den Augen.

Hehe, so mußte man die Tiere behandeln! Mit der ausgesuchtesten Unverschämtheit! Das imponierte den Tieren, versetzte die Tiere in Schrecken.... Ich war mit mir überaus zufrieden und begann wieder ein Bruchstück zu singen. Von Erregung angespannt, ohne noch einen Schmerz zu fühlen, sogar ohne irgendwelches Unbehagen, ging ich, leicht wie eine Feder, über den ganzen Markt, kehrte bei den Basaren um und ließ mich auf einer Bank vor der Erlöserkirche nieder.

War es denn nicht auch ziemlich gleichgültig, ob ich die zehn Kronen zurücksandte oder nicht! Hatte ich sie erhalten, so waren sie mein, und dort, woher sie kamen, war gewiß keine Not. Ich mußte sie doch annehmen, wenn sie mir ausdrücklich gesandt wurden; ich konnte sie doch nicht dem Dienstmann lassen. Ebensowenig ging es an, einen ganz anderen Zehnkronenschein als den, den ich bekommen hatte, zurückzusenden. Daran war also nichts mehr zu ändern.

Ich versuchte, das Getriebe rings auf dem Markt vor mir zu beobachten und meine Gedanken mit gleichgültigen Dingen zu beschäftigen; aber es glückte mir nicht, ich befaßte mich beständig mit den zehn Kronen. Zuletzt ballte ich die Hände und wurde zornig. Es müßte sie verletzen, sagte ich, wenn ich das Geld zurücksenden würde; warum sollte ich es dann tun? Ich wollte mich stets für zu gut zu allem möglichen halten, hochmütig den Kopf schütteln und ‚nein, danke’ sagen. Nun sah ich selbst, wohin das führte; jetzt stand ich wieder auf der Straße. Selbst wenn ich die beste Gelegenheit dazu hatte, behielt ich nicht mein gutes warmes Logis, ich wurde stolz, sprang beim ersten Wort auf und warf den Kopf in den Nacken, bezahlte zehn Kronen nach rechts und nach links und lief auf und davon.... Ich ging scharf ins Gericht mit mir, weil ich mein Obdach verlassen und mich wieder in Verlegenheit gebracht hatte.

Im übrigen spuckte ich auf das Ganze! Ich hatte nicht um die zehn Kronen gebeten, und ich hatte sie kaum zwischen den Händen gehalten, sondern sie sofort weggegeben, sie an wildfremde Menschen, die ich nie wiedersehen würde, ausbezahlt. So war ich, bezahlte bis auf den letzten Heller, wenn es galt. Kannte ich Ylajali richtig, dann bereute sie nicht, daß sie mir das Geld gesandt hatte, was saß ich dann da und zankte mit mir herum? Es war geradezu das mindeste, was sie tun konnte, mir ab und zu zehn Kronen zu senden. Das arme Mädchen war doch in mich verliebt, he, vielleicht sogar sterblich in mich verliebt.... Und bei diesem Gedanken blähte ich mich richtig auf. Kein Zweifel, sie war in mich verliebt, das arme Mädchen!....