Sie knurrte zornig, weigerte sich hartnäckig, etwas auszuliefern, wand mir sogar ein Stück Kuchen aus der Hand und legte es auf seinen Platz zurück. Ich wurde wütend, schlug auf den Tisch und drohte mit der Polizei. Ich wolle gnädig gegen sie sein, sagte ich; wenn ich alles nähme, was mein sei, so würde ich ihr ganzes Geschäft ruinieren, denn es sei eine furchtbare Menge Geldes gewesen, die ich ihr seinerzeit gegeben hätte. Soviel würde ich aber nicht nehmen, ich wolle in Wirklichkeit nur die halbe Valuta haben. Und ich würde obendrein nicht mehr wiederkommen. Davor möge Gott mich bewahren, da sie eine solche Person sei.

Endlich legte sie einige Kuchen für einen unverschämten Preis hin, vier, fünf Stücke, die sie so hoch einschätzte, wie es ihr überhaupt möglich war, und hieß mich, sie zu nehmen und meines Weges zu gehen. Ich stritt mich immer noch mit ihr herum, behauptete, daß sie mich um mindestens eine Krone prelle und mich außerdem mit ihren blutigen Preisen aussauge. Wissen Sie, daß auf solche Spitzbubenstreiche Strafe steht? sagte ich. Gott bewahre Sie, Sie könnten auf Lebenszeit ins Zuchthaus kommen, Sie altes Wrack! — Sie warf mir noch einen Kuchen hin und bat mich beinahe zähneknirschend, zu gehen.

Und ich verließ sie.

He, ein unzuverlässigeres Kuchenweib hatte ich noch nie gesehen! Während ich über den Markt ging und meine Kuchen verschlang, sprach ich die ganze Zeit laut über diese Frau und ihre Unverschämtheit, wiederholte mir selbst, was wir beide einander gesagt hatten und fand, daß ich ihr weit überlegen gewesen war. Vor aller Augen verschlang ich meine Kuchen und sprach dabei vor mich hin.

Und die Kuchen verschwanden einer nach dem anderen; es verschlug nichts, wieviel ich auch zu mir nahm, ich war hungrig bis auf den Grund. Herrgott auch, daß es nichts verschlagen wollte! Ich war so gierig, daß ich mich sogar beinahe an dem letzten Kuchen vergriffen hätte, den ich von Anfang an für den Kleinen unten in der Vognmandsstraße aufzusparen gedacht hatte, für den Knaben, dem der rotbärtige Mann auf den Kopf gespuckt hatte. Ich mußte beständig an ihn denken, konnte seine Miene nicht vergessen, da er aufsprang und weinte und fluchte. Er hatte sich gegen mein Fenster gewendet, als der Mann auf ihn herunterspuckte, und er hatte gleichsam sehen wollen, ob auch ich darüber lachen würde. Gott weiß, ob ich ihn jetzt traf, wenn ich da hinunterkam! Ich strengte mich sehr an, um rasch in die Vognmandsstraße zu gelangen, kam an der Stelle vorbei, an der ich mein Drama zerrissen hatte, und wo noch einige Papierfetzen lagen, umging den Schutzmann, den ich vor kurzem durch mein Betragen in Erstaunen gesetzt hatte, und stand zuletzt an der Treppe, auf der der Junge gesessen hatte.

Er war nicht da. Die Straße war beinahe leer. Die Dunkelheit nahm zu, und ich konnte den Knaben nicht gewahren; er war wohl schon ins Haus gegangen. Vorsichtig legte ich den Kuchen hin, lehnte ihn gegen die Türe, klopfte hart an und lief sofort weiter. Er findet ihn schon! sagte ich zu mir; findet ihn gleich, wenn er herauskommt! Und meine Augen wurden naß vor blöder Freude darüber, daß der Kleine den Kuchen finden würde.

Ich kam wieder zum Eisenbahnkai.

Jetzt hungerte mich nicht mehr, aber die Süßigkeiten, die ich genossen hatte, verursachten mir Übelkeit. Von neuem tobten die wildesten Gedanken in meinem Kopf: Wie, wenn ich heimlich die Trosse eines dieser Schiffe zerschnitte? Wenn ich plötzlich anfinge, Feuer zu rufen? Ich gehe weiter auf den Kai hinaus, setze mich auf eine Kiste, falte die Hände und fühle, daß mein Kopf immer verwirrter wird. Und ich rühre mich nicht und tue gar nichts mehr, um mich aufrecht zu erhalten.

Ich sitze da und starre auf den „Copégoro”, die Barke mit der russischen Flagge. Ich sehe einen Mann an der Reling; die roten Laternen auf Backbord beleuchten seinen Kopf, und ich stehe auf und spreche zu ihm hinüber. Ich verfolgte keine Absicht mit dem, was ich sagte, erwartete auch keine Antwort. Ich fragte:

Segeln Sie heute abend ab, Kapitän?