Die See wiegte sich da draußen in schwerer Ruhe, Schiffe und plumpe, breitnasige Prahme wühlten Furchen auf in ihrer bleiartigen Fläche, sprengten Streifen nach rechts und links aus und glitten weiter, während der Rauch sich wie Daunenbetten aus den Schornsteinen wälzte und der Kolbenschlag der Maschinen matt durch die feuchtkalte Luft drang. Es war keine Sonne und kein Wind, die Bäume hinter mir standen naß, und die Bank, auf der ich saß, war kalt und feucht. Die Zeit ging; ich wurde schlaftrunken, wurde müde und fror ein wenig über den Rücken hinab; eine Weile später fühlte ich, daß meine Augen zufallen wollten. Und ich ließ sie fallen....

Als ich erwachte, war es dunkel um mich herum, ich sprang betäubt und fröstelnd auf, ergriff mein Paket und begann zu gehen. Ich ging schneller und schneller, um warm zu werden, schlug mit den Armen, strich an den Beinen hinunter, die ich beinahe nicht mehr fühlte und kam zur Brandwache hinauf. Es war neun Uhr; ich hatte mehrere Stunden geschlafen.

Was jedoch sollte ich mit mir anfangen? Irgendwo mußte ich doch sein. Ich stehe da und glotze an der Brandwache empor und denke darüber nach, ob es nicht glücken könnte, in einen der Gänge zu gelangen, — einen Augenblick abzupassen, da die Patrouille den Rücken wendet. Ich gehe die Treppe hinauf und will mich ins Gespräch mit dem Mann einlassen, er hebt sofort seine Axt zur Ehrenbezeugung und wartet darauf, was ich sagen werde. Diese erhobene Axt, die mir die Schneide zuwendet, fährt mir wie ein kalter Hieb durch die Nerven, ich werde angesichts dieses bewaffneten Mannes stumm vor Schrecken und ziehe mich unwillkürlich zurück. Ich sage nichts, gleite nur mehr und mehr von ihm weg; um den Schein zu wahren, fahre ich mir mit der Hand über die Stirne, als hätte ich das eine oder andere vergessen, und schleiche dann fort. Als ich mich wieder auf dem Gehsteig befand, fühlte ich mich so erlöst, als sei ich eben einer großen Gefahr entronnen. Und ich beeilte mich wegzukommen.

Kalt und hungrig und immer verstörter trieb ich die Karl Johanstraße hinauf; ich begann ganz laut zu fluchen und kümmerte mich nicht darum, daß jemand es hören könnte. Unten beim Storting, gleich beim ersten Löwen, erinnere ich mich plötzlich durch eine neue Ideenassoziation eines Malers, den ich kannte, eines jungen Menschen, den ich einmal vor einer Ohrfeige im Tivoli gerettet hatte, und bei dem ich später einmal zu Besuch gewesen war. Ich knipse mit den Fingern und begebe mich in die Tordenskjoldstraße hinunter, finde eine Türe, an der C. Zacharias Bartel auf einer Karte steht, und klopfe an.

Er kam selbst heraus; er roch nach Bier und Tabak, daß es ein Graus war.

Guten Abend! sagte ich.

Guten Abend! Sind Sie es? Nein, warum zum Teufel, kommen Sie so spät? Es nimmt sich bei Lampenlicht gar nicht gut aus. Ich habe seit dem letztenmal einen Heuschober dazu gesetzt und ein paar Veränderungen vorgenommen. Sie müssen es bei Tag sehen, jetzt hat es keinen Sinn.

Lassen Sie es mich trotzdem jetzt sehen! sagte ich; übrigens wußte ich nicht, von welchem Bild er da sprach.

Ganz ausgeschlossen! antwortete er. Es würde alles gelb! Und dann ist auch noch etwas anderes im Weg — er kam flüsternd näher — ich habe heute abend ein kleines Mädchen bei mir, so daß es sich rein nicht machen läßt.

Ja, wenn es sich so verhält, dann kann ja keine Rede davon sein.