Vor Freude darüber, daß er sie dann auf jeden Fall noch nicht abgelehnt hat, antworte ich:
Nein, mein Lieber, das verstehe ich gut. Es eilt ja auch nicht so. In ein paar Tagen vielleicht. Oder....?
Ja, ich will sehen. Im übrigen habe ich ja Ihre Adresse.
Und ich vergaß, ihn darüber aufzuklären, daß ich keine Adresse mehr hatte.
Die Audienz ist vorbei, ich trete, mich verbeugend, zurück und gehe. Die Hoffnung glüht wieder in mir auf, noch war nichts verloren, im Gegenteil, ich konnte noch alles gewinnen. Und mein Gehirn begann von einem großen Rat im Himmel zu fabeln, von dem eben beschlossen worden war, daß ich gewinnen solle, ganze zehn Kronen gewinnen, für ein Feuilleton....
Wenn ich jetzt nur eine Zuflucht für die Nacht wüßte! Ich überlege, wo ich mich am besten verkriechen könnte, werde so stark von dieser Frage in Anspruch genommen, daß ich mitten in der Straße stillstehe. Ich vergesse, wo ich bin, stehe da wie ein einzelnes Seezeichen mitten im Meer, während die Wasser rings strömen und lärmen. Ein Zeitungsjunge reicht mir den „Wiking”: Der ist lustig! — da! Ich sehe auf und fahre zusammen — ich bin wieder vor dem Laden von Semb.
Schnell mache ich kehrt, verdecke das Paket mit meinem Körper und eile die Kirchenstraße hinunter, flau und ängstlich davor, daß man mich von den Fenstern aus gesehen haben könnte. Ich passiere Ingebret und das Theater, drehe bei der Loge ab und gehe zum Fjord und zur Festung hinunter. Wieder setze ich mich auf eine Bank und fange von neuem an zu spekulieren.
Wie in aller Welt sollte ich heute nacht ein Obdach finden? Gab es denn kein Loch, in das ich schlüpfen und in dem ich mich verstecken konnte, bis es Morgen wurde? Mein Stolz verbot mir, in mein Zimmer zurückzukehren; es konnte mir niemals einfallen, von meinen Worten abzugehen, ich wies diesen Gedanken mit Ingrimm zurück und lächelte im stillen überlegen über den kleinen roten Schaukelstuhl. Durch Ideenassoziationen befand ich mich plötzlich in einem großen zweifenstrigen Zimmer auf Haegdehaugen, in dem ich einmal gewohnt hatte; ich sah ein Brett auf dem Tisch, beladen mit einer Menge von Butterbroten, sie wechselten das Aussehen, sie wurden zu einem Beefsteak, einem verführerischen Beefsteak, einer schneeweißen Serviette, Brot in Masse, Silberbesteck. Und die Türe ging auf: meine Hausfrau kam und bot mir noch einmal Tee an....
Gesichte und Träume! Ich sagte mir: bekäme ich jetzt Essen, würde mein Kopf wieder verstört werden, ich würde das gleiche Fieber im Gehirn wieder bekommen und viele wahnsinnige Einfälle, mit denen ich kämpfen müßte. Ich vertrug kein Essen, ich war nicht so eingerichtet; es war dies eine Sonderbarkeit an mir, eine Eigenheit.
Vielleicht fand sich Rat für ein Obdach, wenn es auf den Abend zuging. Es hatte keine Eile; im schlimmsten Fall konnte ich im Wald draußen einen Platz suchen, ich hatte die ganze Umgebung der Stadt zur Verfügung, und es gab noch keine Kältegrade.