Ich nannte aus alter Gewohnheit und ohne darüber nachzudenken meine alte Adresse, die kleine Dachstube, die ich verlassen hatte.

Er blieb noch eine Zeitlang stehen.

Habe ich etwas Unrechtes getan? fragte ich ängstlich.

Nein, weit entfernt! antwortete er. Aber Sie sollten jetzt wohl heimgehen, es ist zu kalt, hier zu liegen.

Ja, es ist kühl, das fühle ich.

Und ich sagte gute Nacht und nahm instinktmäßig den Weg hinaus zu meinem alten Zimmer. Wenn ich nur vorsichtig vorginge, könnte ich gewiß hinaufkommen, ohne gehört zu werden; es waren alles in allem acht Treppen, und nur die zwei obersten knackten unter den Tritten.

Unten am Tor nahm ich die Schuhe ab und ging dann hinauf. Es war überall still. Im ersten Stock hörte ich das langsame Ticktack einer Uhr und ein Kind, das ein wenig weinte; dann hörte ich nichts mehr. Ich fand meine Türe, lüpfte sie ein wenig in den Angeln und öffnete sie ohne Schlüssel, wie ich es gewohnt war, ging ins Zimmer und zog die Türe lautlos wieder zu.

Alles war noch so, wie ich es verlassen hatte, die Vorhänge vor den Fenstern waren zur Seite geschlagen und das Bett stand leer. Auf dem Tisch konnte ich ein Papier erkennen, es war vielleicht mein Billett an die Wirtin; sie war also nicht einmal hier oben gewesen, seit ich meiner Wege gegangen. Ich tastete mit der Hand über den weißen Fleck und fühlte zu meiner Verwunderung, daß es ein Brief war. Ein Brief? Ich nehme ihn mit ans Fenster, studiere, so gut es sich in der Dunkelheit machen läßt, diese schlecht geschriebenen Buchstaben und finde endlich meinen eigenen Namen heraus. Aha! dachte ich, Antwort von der Wirtin, ein Verbot mein Zimmer wieder zu betreten, falls ich wieder hierher zurückflüchten sollte!

Und langsam, ganz langsam gehe ich wieder aus dem Zimmer heraus, trage die Schuhe in der einen Hand, den Brief in der anderen und die Decke unterm Arm. Ich mache mich leicht und beiße bei den knarrenden Stufen die Zähne zusammen, komme glücklich und wohlbehalten über alle diese Treppen hinunter und stehe wieder unten im Tor.

Ich ziehe die Schuhe wieder an, lasse mir gut Zeit mit den Riemen, sitze sogar einen Augenblick still, nachdem ich fertig bin; starre gedankenlos vor mich hin und halte den Brief in der Hand.