Ich weiß nicht, warum ich log. Meine Gedanken flatterten aufgelöst umher und gaben mir mehr Einfälle, als ich verwenden konnte; ich erfand diesen ferne liegenden Namen im Nu und schleuderte ihn ohne jede Berechnung heraus. Ich log ohne Notwendigkeit.
Beruf?
Dies hieß mir den Stuhl vor die Türe setzen. Hm. Ich dachte zuerst, mich zum Spengler zu machen, wagte es aber nicht; ich hatte mir einen Namen gegeben, den nicht jeder Spengler hat, außerdem trug ich eine Brille auf der Nase. Da fiel es mir ein, dummdreist zu sein, ich trat einen Schritt vor und sagte fest und feierlich:
Journalist.
Der Wachthabende gab sich einen Ruck, ehe er schrieb, und großartig, wie ein obdachloser Staatsrat, stand ich vor der Schranke. Ich erregte kein Mißtrauen; der Wachthabende konnte es wohl verstehen, daß ich mit meiner Antwort gezögert hatte. Wie sah dies auch aus, ein Journalist auf dem Rathaus, ohne Dach über dem Kopf!
Bei welchem Blatt, Herr Tangen?
Beim „Morgenblatt”, sagte ich. Leider bin ich heute abend ein wenig zu lang aus gewesen....
Ja, davon wollen wir nicht sprechen! unterbrach er mich, und er fügte mit einem Lächeln hinzu: Wenn die Jugend bummelt, dann.... Wir verstehen. Zu einem Schutzmann gewendet sagte er, indem er sich erhob und sich höflich vor mir verbeugte: Führen Sie den Herrn in die reservierte Abteilung hinauf. Gute Nacht.
Ich fühlte es bei meiner eigenen Dreistigkeit kalt über den Rücken hinunterlaufen, und um mir Mut zu machen, ballte ich im Gehen die Hände.
Das Gas brennt zehn Minuten lang, sagte der Schutzmann noch in der Türe.