Ich begann zu laufen, um mich zu bestrafen, legte springend eine Straße nach der anderen zurück, trieb mich mit verbissenen Zurufen vorwärts und schrie mir innerlich stumm und wütend zu, wenn ich anhalten wollte. Auf diese Weise war ich weit hinauf in den Pilestraede gekommen. Als ich endlich stillstand, beinahe losheulend vor Zorn, weil ich nicht länger laufen konnte, bebte ich am ganzen Körper, und ich warf mich auf eine Treppe hin. Nein, halt! sagte ich. Und um mich richtig zu quälen, stand ich wieder auf und zwang mich stehenzubleiben, und lachte über mich selbst und ergötzte mich an meiner eigenen Verkommenheit. Endlich, nach Verlauf mehrerer Minuten, gab ich mir durch ein Nicken Erlaubnis, mich zu setzen; aber auch da wählte ich mir noch den unbequemsten Platz auf der Treppe.
Herrgott, war es prachtvoll, sich auszuruhen! Ich trocknete den Schweiß von meinem Gesicht und trank große frische Atemzüge. Wie war ich gelaufen! Aber ich bereute es nicht, es war wohlverdient. Warum hatte ich auch eine Krone verlangen wollen? Nun sah ich die Folgen! Und ich fing an, mir sanft zuzusprechen, Ermahnungen zu geben, wie es eine Mutter hätte tun können. Ich wurde immer rührseliger, müde und kraftlos begann ich zu weinen. Ein stilles und innerliches Weinen, ein inwendiges Schluchzen ohne eine Träne.
Eine Viertelstunde oder länger saß ich an der gleichen Stelle. Leute kamen und gingen und niemand belästigte mich. Kleine Kinder spielten ringsum da und dort, ein Vogel sang in einem Baum auf der anderen Seite der Straße.
Ein Schutzmann kam auf mich zu und sagte:
Warum sitzen Sie hier?
Warum ich hier sitze? fragte ich. Weil es mich freut.
Ich habe Euch in der letzten halben Stunde hier beobachtet, sagte er. Ihr habt eine halbe Stunde hier gesessen?
So ungefähr, antwortete ich. Sonst noch etwas? Ich erhob mich zornig und ging.
Am Marktplatz angekommen, blieb ich stehen und sah die Straße hinunter. Weil es mich freut! War das nun auch eine Antwort? Vor Müdigkeit, solltest du gesagt haben, und du solltest deine Stimme weinerlich gemacht haben — du bist ein Vieh, du lernst niemals zu heucheln! — Vor Erschöpfung! Und du solltest geseufzt haben wie ein Pferd.
Als ich zur Brandwache kam, blieb ich wieder stehen, von einem neuen Einfall ergriffen. Ich knipste mit den Fingern, schlug ein lautes Gelächter auf, das die Vorübergehenden erstaunte, und sagte: Nein, nun mußt du wirklich zum Pfarrer Levison hinausgehen. Das mußt du wahrhaftig tun. Doch, nur um es zu versuchen. Was hast du dabei zu versäumen? Es ist ja auch solch herrliches Wetter.