Vor einem Speisekeller in der Storstraße blieb ich stehen und überlegte kalt und ruhig, ob ich mich erdreisten sollte, sogleich eine kleine Mahlzeit zu genießen. Ich hörte das Klirren von Tellern und Messern, hörte, wie Fleisch geklopft wurde. Die Versuchung war zu stark, ich trat ein.
Ein Beefsteak! sage ich.
Ein Beefsteak! rief die Kellnerin durch die Luke. Ich ließ mich an einem kleinen Tisch nieder, ganz allein für mich, gleich bei der Türe und wartete. Es war ein wenig dunkel, wo ich saß, ich fühlte mich gut versteckt und fing an zu denken. Ab und zu sah die Kellnerin mit neugierigen Augen zu mir her.
Meine erste eigentliche Unehrlichkeit war begangen, mein erster Diebstahl, gegen den alle meine früheren Streiche nicht zu zählen waren; mein erster kleiner, großer Fall.... Und wenn auch! Daran war nichts zu ändern. Übrigens stand es mir frei, es mit dem Krämer wieder zu ordnen, späterhin, wenn ich besser Gelegenheit dazu hatte. Es brauchte nicht weiter abwärts mit mir zu gehen; außerdem hatte ich mich nicht verpflichtet, ehrlicher zu leben als alle anderen Menschen, das war keine Abmachung....
Glauben Sie, daß das Beefsteak bald fertig ist?
Ja, gleich. Die Kellnerin öffnet die Luke und sieht in die Küche hinein.
Aber wenn nun die Sache eines Tages aufkäme? Wenn der Gehilfe Mißtrauen faßte, über den Vorgang mit dem Brot nachzudenken begänne, über die fünf Kronen, auf die die Frau herausbekommen hatte? Es war nicht unmöglich, daß er eines Tages daraufkommen würde, vielleicht das nächste Mal, wenn ich hineinging. Na ja, Herrgott!.... Ich zuckte verstohlen mit den Schultern.
Bitte schön! sagt die Kellnerin freundlich und stellt das Beefsteak auf den Tisch. Aber wollen Sie nicht lieber in ein anderes Zimmer gehen? Hier ist es so dunkel.
Nein, danke, lassen Sie mich nur hierbleiben, antworte ich. Ihre Freundlichkeit macht mich mit einem Mal bewegt, ich bezahle das Beefsteak sofort, gebe ihr aufs Geratewohl, was ich in der Tasche zwischen die Finger bekomme, und drücke ihr die Hand zu. Sie lächelt, und ich sage im Scherz, mit nassen Augen: Für den Rest kaufen Sie sich ein Haus.... Wohl bekomm's!
Ich begann zu essen, wurde immer gieriger und schluckte große Stücke hinunter, ohne sie zu kauen. Wie ein Menschenfresser riß ich an dem Fleisch.