Nadler.
Nur dieses Wort: Nadler. Nicht mehr. Ich sehe ihn sehr starr an, während ich das sage, ich fühlte, daß ich ihn fürchterlich anstarrte; es war als ob ich ihn aus einer anderen Welt anschaute. Und ich bleibe eine kleine Weile stehen, als ich dieses Wort gesagt habe. Dann schleiche ich wieder zum Bahnhofsplatz zurück. Der Mann gab keinen Laut von sich. Er behielt mich nur im Auge.
Nadler? Ich stand plötzlich still. Ja, hatte ich nicht schon sofort das Gefühl gehabt: ich hätte den Krüppel schon früher einmal getroffen. Oben in Graensen, an einem lichten Morgen; ich hatte meine Weste versetzt. Es schien mir eine Ewigkeit vergangen zu sein seit diesem Tag.
Während ich dastehe und darüber nachdenke — ich stütze mich gegen eine Hauswand an der Ecke des Marktplatzes an der Hafenstraße — fahre ich plötzlich zusammen und versuche wegzuschleichen. Da mir dies nicht gelingt, starre ich verstockt geradeaus und beiße aller Scham den Kopf ab, es war nichts mehr zu machen, — ich stehe Antlitz in Antlitz mit dem „Kommandeur”.
Ich werde rücksichtslos frech, trete sogar einen Schritt von der Wand weg, um ihn auf mich aufmerksam zu machen. Ich tue das nicht, um Mitleid zu erwecken, sondern um mich selbst zu verhöhnen, mich an den Pranger zu stellen; ich hätte mich auf der Straße wälzen und den Kommandeur bitten mögen, über mich hinwegzugehen, mir ins Gesicht zu treten. Ich sagte nicht einmal Guten Abend.
Der „Kommandeur” ahnte vielleicht, daß bei mir irgend etwas nicht richtig war, er verlangsamte seinen Schritt ein wenig, und ich sage, um ihn zum Stehen zu bringen:
Ich hätte Ihnen schon etwas gebracht, aber es ist noch nichts Rechtes geworden.
Ja? antwortet er fragend. Haben Sie es noch nicht fertig?
Nein, ich habe es noch nicht fertigbekommen.
Aber bei der Freundlichkeit des „Kommandeurs” stehen meine Augen plötzlich voll Wasser, und ich räuspere mich und huste erbittert, um mich stark zu machen. Der „Kommandeur” stößt einmal die Luft durch die Nase; er sieht mich an.