Ich blieb zurück, sah ihm nach und weinte ganz leise. Dergleichen habe ich nie erlebt! sagte ich zu mir; er gab mir zehn Kronen! Ich kehrte um und stellte mich dorthin, wo er gestanden hatte, und machte alle seine Bewegungen nach. Und ich hielt den Geldschein an meine nassen Augen, besah ihn von beiden Seiten und begann zu fluchen — ins Blaue hinein zu fluchen, daß es seine Richtigkeit mit dem habe, was ich in der Hand hielt, — es waren zehn Kronen.

Eine Weile danach — vielleicht sehr lange danach, denn es war überall schon ganz still geworden — stand ich merkwürdigerweise vor dem Haus in der Tomtestraße Nummer 11. Und hier hatte ich einen Kutscher betrogen, der mich einmal gefahren hatte, und hier war ich einmal quer durch das Haus gegangen, ohne von jemand gesehen zu werden. Als ich einen Augenblick dagestanden und mich gesammelt und gewundert hatte, ging ich zum zweiten Mal durch das Tor, gerade hinein in „Kost und Logis für Reisende”. Hier bat ich um Obdach und bekam sofort ein Bett.


Dienstag.

Sonnenschein und Stille, ein wunderbarer, heller Tag. Der Schnee war weg; allerorten Leben und Lust und frohe Gesichter, Lächeln und Lachen. Von den Springbrunnen stiegen die Wasserstrahlen im Bogen auf, golden von der Sonne, blau von dem blauen Himmel....

Gegen Mittag trat ich aus meinem Logis in der Tomtestraße, in dem ich immer noch wohnte und es mir für die zehn Kronen des „Kommandeurs” gut gehen ließ, und begab mich in die Stadt. Ich war in der fröhlichsten Stimmung und trieb mich den ganzen Nachmittag in den lebhaftesten Straßen umher und sah den Menschen zu. Noch bevor es sieben Uhr abends wurde, machte ich einen Spaziergang zum St. Olafsplatz und lugte heimlich zu den Fenstern in Nummer 2 hinauf. In einer Stunde sollte ich sie sehen! Ich ging die ganze Zeit in einer leichten, köstlichen Angst umher. Was würde geschehen? Was sollte ich anfangen, wenn sie die Treppe herunterkam? Guten Abend, Fräulein? Oder nur lächeln? Ich entschloß mich, es beim Lächeln zu lassen. Natürlich würde ich sie tief grüßen.

Ich schlich weg, ein wenig beschämt, weil ich so früh daran war, wanderte eine Weile in der Karl Johanstraße auf und ab und behielt die Universitätsuhr im Auge. Als es acht Uhr wurde, ging ich die Universitätsstraße wieder hinauf. Unterwegs fiel es mir ein, daß ich vielleicht ein paar Minuten zu spät kommen könnte, und ich holte aus, so gut ich vermochte. Mein Fuß schmerzte sehr, aber sonst fehlte mir nichts.

Ich nahm meinen Platz beim Springbrunnen ein und verschnaufte. Ich stand ziemlich lange da und sah nach den Fenstern in Nummer 2 hinauf; aber sie kam nicht. Na, ich würde schon warten, ich hatte keine Eile; sie war vielleicht noch verhindert. Und ich wartete weiterhin. Ich hatte das Ganze doch wohl nicht geträumt, die erste Begegnung mit ihr in der Einbildung erlebt, in jener Nacht, in der ich im Fieber lag? Ratlos begann ich nachzudenken und fühlte mich meiner Sache gar nicht sicher.

Hm! sagte es hinter mir.

Ich hörte dieses Räuspern, ich hörte auch leichte Schritte in meiner Nähe; aber ich drehte mich nicht um, starrte nur auf die große Treppe vor mir.