Die Heuernte ging ihren Gang, Isak brachte Heu in Massen heim, denn Waldgras ist leider nicht dasselbe wie Wiesengras, sondern viel geringer. Nun konnte er bloß an Regentagen an seinem Haus bauen, da ging es langsam vorwärts, und im August, als Isak alles Heu unter dem Felsenhang wohlgeborgen hatte, war das neue Haus erst halb gebaut.
Im September sagte Isak zu Inger: So geht es nicht, ich glaube, du mußt hinunter ins Dorf gehen und mir einen Mann zur Hilfe holen. Inger aber war in der letzten Zeit etwas schweratmig geworden und konnte nicht mehr so schnell laufen, doch machte sie sich selbstverständlich fertig, seinen Auftrag auszurichten.
Aber indessen hatte der Mann es sich anders überlegt, er wurde wieder hoffärtig und wollte alles allein machen. Es ist nicht der Mühe wert, die Leute darum anzugehen, sagte er, ich bringe es schon allein fertig. — Nein, du kannst es nicht schaffen, versetzte Inger. — Doch, hilf mir nur mit den Balken.
Als der Oktober herangekommen war, sagte Inger: Ich kann nicht mehr! Das war nun sehr schlimm. Die Dachbalken sollten und mußten aufgesetzt werden, damit das Haus gedeckt wurde, ehe die Herbstregen einsetzten, es war höchste Zeit. Was hatte Inger nur? Sie wurde doch nicht krank?
Wohl bereitete sie ab und zu noch Ziegenkäse, sonst aber leistete sie nichts mehr, als die Kuh Goldhorn auf der Weide viele Male am Tage an einen andern Platz anzubinden. — Bring einen großen Korb oder eine Kiste oder so etwas mit, wenn du wieder ins Dorf gehst, hatte Inger gesagt. — Was willst du damit? fragte Isak. — Ich brauche es, antwortete sie nur.
Isak zog die Dachbalken an Seilen hinauf, und Inger schob mit einer Hand nach; es war, als helfe es schon, wenn sie nur dabei war. Allmählich ging es doch vorwärts; es war ja kein sehr hohes Dach, aber die Balken waren abenteuerlich groß und dick für das kleine Haus.
Das gute Herbstwetter hielt sich einigermaßen, Inger hackte alle Kartoffeln allein heraus, und Isak bekam das Haus unter Dach, ehe der Regen endgültig einsetzte. Die Ziegen waren jetzt schon nachts bei den Menschen in der Hütte drinnen, auch das ging, alles ging. Die Menschen klagten nicht darüber. Isak machte sich wieder zu einem seiner Gänge ins Dorf fertig. Du solltest für mich einen großen Korb oder eine Kiste mitbringen, sagte Inger wieder, und es klang wie ein demütiger Wunsch. — Ich habe mir einige Fenster mit Glasscheiben bestellt, die ich holen muß, erwiderte Isak. Und ich habe auch zwei angestrichene Türen bestellt, fügte er überlegen hinzu. — Nun ja, dann muß der Korb eben warten. — Was willst du mit dem? — Was ich damit will? Ja, hast du denn keine Augen im Kopf?
In tiefe Gedanken versunken, ging Isak seines Wegs dahin, und als er nach zwei Tagen zurückkam, brachte er nicht allein ein Fenster, eine Tür zur Wohnstube und eine Tür zur Schlafkammer mit, sondern über die Brust herunter hing ihm auch die Kiste für Inger, und in der Kiste waren verschiedene Eßwaren.
Inger sagte: Wenn du dich nur nicht eines Tages noch zu Tode abschleppst! — Hoho, zu Tode! Isak war so unendlich weit davon entfernt, sich zu Tode zu schleppen, daß er aus seiner Tasche eine Arzneiflasche mit Naphtha zog und sie Inger mit der Ermahnung übergab, recht tüchtig davon zu trinken, damit sie wieder gesund werde. Und da waren nun die Fenster und die angestrichenen Türen, mit denen er großtun konnte, und er machte sich auch gleich daran, sie einzusetzen. Ach, diese kleinen Türen, und gebraucht waren sie auch schon, aber gemalt waren sie hübsch mit weißen und roten Farben, die schmückten die Stuben wie Bilder an den Wänden.