Barbro hat auch nicht die Fassung verloren, sie spielt mit ihrem silbernen Ring an der einen Hand und mit dem goldenen an der andern — ja, sie hatte wahrhaftig jetzt auch den goldenen Ring bekommen —, und sie hat eine Schürze an, die vom Hals bis zu den Füßen geht, so sieht man ihr wenigstens ihre Rundlichkeit nicht an. Und nachdem sie den Kaffee gekocht hat und während die Gäste ihn trinken, näht sie erst ein bißchen an einem weißen Tuch und häkelt dann ein bißchen an einem Kragen und betreibt allerlei jungfrauenhafte Arbeiten. Barbro ist nicht in Verlegenheit über den Besuch, und das ist gut, dadurch wird der Ton natürlich, und Eleseus kann wieder so obenhin und einnehmend tun.
Wo ist denn Axel? fragt Sivert.
Wo er ist? Irgendwo, antwortet Barbro und richtet sich auf. Ja, jetzt kommst du wohl nie wieder heim aufs Land? fragt sie Eleseus. — Das ist höchst unwahrscheinlich, erwidert er. — Hier ist nicht der rechte Ort für jemand, der an die Stadt gewöhnt ist. Ich wäre froh, wenn ich mit dir reisen könnte. — Ach, das ist dir nicht Ernst. — Nicht, meinst du? Oh, ich habe es erfahren, wie es ist, wenn man in der Stadt wohnt, und wie es auf dem Lande ist. Ich bin in einer größeren Stadt gewesen als du. Da ist es kein Wunder, wenn es mir hier nicht gefällt. — Gewiß, so habe ich es nicht gemeint, du bist ja sogar in Bergen gewesen, beeilte er sich zu sagen. Es war ja schrecklich, wie hochfahrend sie war! — Ja, wenn ich die Zeitung nicht hätte, so liefe ich sofort davon, sagte Barbro. — Aber der Axel und alles miteinander, das habe ich gemeint. — Ach, der Axel, das ginge mich nichts an. Und du selbst, hast du nicht vielleicht jemand in der Stadt, der auf dich wartet? — Nun konnte Eleseus nicht anders, er mußte sich ein wenig aufspielen, er kniff die Augen zu und ließ es auf der Zunge zerschmelzen: daß er allerdings doch vielleicht jemand in der Stadt habe, der auf ihn warte. Ach ja, aber er hätte das alles noch ganz anders ausnützen können, wenn Sivert nicht dabeigesessen hätte; so konnte er nur sagen: Ach, Unsinn! — Na, sagte sie verletzt, und es war eigentlich eine Schande, wie übellaunig sie war: Unsinn! Ja, du kannst von den Leuten auf Maaneland nicht mehr erwarten, wir sind nicht so großartig.
Aber Eleseus kümmerte sich den Henker um sie, sie war recht fleckig im Gesicht geworden, und ihr Zustand war jetzt sogar seinen Kinderaugen aufgegangen. — Willst du nicht ein wenig Gitarre spielen? fragte er. — Nein, erwiderte sie kurz angebunden. Was ich sagen wollte, Sivert, kannst du nicht kommen und Axel ein paar Tage beim Aufrichten des neuen Hauses helfen? Wie wär's, wenn du gleich morgen dabliebst, wenn du vom Dorf zurückkommst? — Sivert überlegte: Ja, aber ich habe keinen Arbeitsanzug da, sagte er. — Ich will heut abend hinlaufen und deine Werktagskleider holen, daß du sie hast, wenn du zurückkommst. — Na ja, sagte Sivert, ich will mir's überlegen. — Barbro wurde unnötig eifrig. Du mußt es aber gern tun! Der Sommer vergeht, und das Wohnhaus sollte noch vor den Herbsttagen aufgerichtet und gedeckt sein. Axel hat dich schon oft darum bitten wollen, aber er kommt immer nicht dazu. Nein, du mußt uns diese Handreichung gern tun. — Wenn ich etwas helfen kann, dann tu ich es auch gern, erwiderte Sivert.
Das war also abgemacht.
Aber nun ist Eleseus wirklich berechtigt, sich beleidigt zu fühlen. Er sieht ja ein, daß es von Barbro recht klug ist, wenn sie um ihrer selbst und um Axels willen darauf aus ist, Hilfe für den Hausbau zu bekommen; aber sie tut das zu offenkundig. Sie ist noch nicht die Hausfrau auf dem Hofe, und es ist noch keine Ewigkeit her, seit er selbst sie geküßt hat, dieses Frauenzimmer! Hatte sie denn gar keine Scham im Leibe? — Doch, sagt er darum plötzlich, ich werde wiederkommen und bei dir Gevatter stehen. — Barbro warf ihm einen Blick zu und sagte ärgerlich: Gevatter? Und du willst von Unsinn sprechen! Außerdem werde ich dir Nachricht schicken, wenn ich einmal um einen Gevatter verlegen sein sollte. — Was konnte Eleseus anderes tun, als beschämt lächeln und sich weit weg wünschen! — Besten Dank für den Kaffee, sagte Sivert. — Ja, Dank für den Kaffee, sagte auch Eleseus, aber er stand nicht auf und verbeugte sich auch nicht, nein, zum Henker; sie schwoll ja vor Gift und Galle!
Laß doch einmal sehen, sagte Barbro. Ja, die Kontorherren, bei denen ich war, die hatten auch silberne Schildchen in den Röcken, noch viel größere, sagte sie. Nun, also du kommst zurück und bleibst hier über Nacht, Sivert? Ich hole deine Kleider.
Das war der Abschied.
Die Brüder gingen weiter, Eleseus hatte zwei große Banknoten in der Brusttasche, und die Barbro konnte seinetwegen der Kuckuck holen. Die Brüder hüteten sich wohl, auf irgendeinen rührenden Gesprächsstoff zu kommen, auf des Vaters sonderbaren Abschied und der Mutter Tränen, sie machten einen Umweg um Breidablick herum, um dort nicht angehalten zu werden, und führten scherzhafte Reden über diesen Streich. Als sie so weit hinuntergekommen waren, daß sie das Dorf sehen konnten, wo Sivert umdrehen sollte, übermannte es sie beide doch ein wenig. Sivert sagte: Es kann wohl sein, daß es jetzt ohne dich ein wenig einförmig wird. — Da fing Eleseus an zu pfeifen und seine Schuhe zu untersuchen, und er sah, daß er einen Spreißel im Finger hatte, und suchte in seinen Taschen — nach Papieren, sagte er —, oh, wie schlau! Aber es wäre dennoch schlimm gegangen, wenn nicht Sivert sie beide gerettet hätte: Den Letzten! rief er, gab dem Bruder einen Schlag auf den Rücken und lief davon. Das half, sie riefen einander noch einige Abschiedsworte zu, und dann zog jeder seines Weges.