Schicksal oder Glückszufall! Eleseus kehrte trotz allem in die Stadt zurück auf einen Posten, den er nicht mehr innehatte, aber durch dieselbe besondere Fügung bekam Axel Ström einen Arbeiter. Am 21. August fingen sie an das Blockhaus aufzurichten, und zehn Tage später war es unter Dach. Ach, es war kein großartiges Wohnhaus und nur ein paar Balkenlagen hoch, aber es war doch ein Blockhaus und keine Erdhütte, und das Vieh konnte nun in dem Raum, der seither menschliche Wohnung gewesen war, einen herrlichen Winterstall bekommen.

2

Am dritten September verschwand Barbro, das heißt, ganz verschwand sie nicht, sie war nur bei den Gebäuden nirgend zu finden. Axel schreinerte, so gut er konnte, er war dabei, ein Fenster und eine Tür in den Neubau einzusetzen, und war sehr in seine Arbeit vertieft. Als aber die Mittagszeit vorbei war und man ihn immer noch nicht hineinrief, ging er in die Gamme. Niemand war da. Er suchte sich selbst etwas Essen zusammen und schaute sich um, während er aß; Barbros Kleider hingen alle da, sie konnte also nur draußen irgendwo sein. Er ging wieder an seine Arbeit im Neubau und schaffte dort eine Weile, dann schaute er wieder in die Gamme — noch immer niemand da. Sie mußte irgendwo liegengeblieben sein.

Barbro! ruft er. Nichts. Er sucht in der Umgebung der Häuser, geht hinüber zu einigen Gebüschen bei den Feldern, er sucht lange, vielleicht eine Stunde, er ruft — nichts! Endlich findet er sie weit entfernt; sie liegt auf der Erde hinter Gebüsch versteckt, der Bach läuft an ihren Füßen vorbei, sie ist barhäuptig und barfuß, und sie ist bis in den Rücken hinauf tropfnaß.

Hier liegst du? sagt er. Warum hast du keine Antwort gegeben? — Ich konnte nicht, flüsterte sie und war stockheiser. — Was — hast du denn im Wasser gelegen? — Ja, ich bin ausgeglitten. Oh! — Ist dir schlecht? — Ja. Es ist vorbei. — Ist es vorbei? fragt er. — Ja. Jetzt mußt du mir helfen, daß ich nach Hause komme. — Wo ist —? — Was? — Wo ist das Kind? — Es war tot. — War es tot? — Ja.

Axel rührt sich nicht, er bleibt stehen. Wo ist es? fragt er.

Das brauchst du nicht zu wissen, erwidert sie. Hilf mir nach Hause. Es war tot. Ich kann selbst gehen, wenn du mich nur ein wenig unter dem Arme faßt.

Axel trägt sie nach Haus und setzt sie auf einen Stuhl, das Wasser läuft an ihr herab. — Ist es tot gewesen? fragt er. — Du hörst es ja, erwidert sie. — Wo hast du es? — Du willst es wohl ausschnüffeln? Hast du etwas zu essen gefunden, während ich fort war? — Was wolltest du denn dort am Bach? — Was ich am Bach wollte? Ich wollte Wacholder holen. — Wacholder? — Für die Milcheimer. — Dort wächst doch kein Wacholder, sagt er. — So geh doch an deine Arbeit! ruft sie heiser und ungeduldig. Was ich am Bach wollte? Ich wollte mir Besenreis holen. Ob du gegessen hast? frag ich. — Gegessen? wiederholte er. Ist es dir sehr schlecht? — Ach nein! — Ich will den Doktor holen. — Ja, untersteh dich! erwidert sie. Damit steht sie auf und fängt an, sich trockene Kleider zum Umziehen herbeizuholen. Weißt du sonst gar nicht, wie du dein Geld wegwerfen sollst?

Axel geht wieder an seine Arbeit, verrichtet indes nicht viel; aber er klopft ein wenig und hobelt ein wenig, damit ihn Barbro hört; schließlich keilt er das Fenster ein und dichtet es mit Moos.

Am Abend hat Barbro nicht viel Hunger, aber sie arbeitet hier ein wenig und dort ein wenig, sie geht in den Stall und melkt und steigt nur etwas vorsichtiger als sonst über die hohen Schwellen. Wie gewöhnlich, legte sie sich im Heustall schlafen, und die beiden Male, die Axel während der Nacht nach ihr schaute, schlief sie fest. Sie hatte eine gute Nacht.