Die Herren überlegten wirklich, die Herren fingen an, leise miteinander darüber zu reden, sie stiegen wieder von den Pferden. Da mischte sich der Ingenieur in die Sache, sie kam ihm wohl zu erbärmlich vor, und er schien auch die Macht und die Gewalt dazu zu haben. Jetzt stand ja der ganze Hof voll von Leuten, die alle zuhörten. — Wir verkaufen nicht! erklärte er bestimmt. — Nicht? fragten die Herren. — Nein!
Sie flüsterten ein Weilchen zusammen, dann stiegen sie wirklich im Ernst zu Pferd. — Fünfundzwanzigtausend! rief einer der Herren. — Geißler gab keine Antwort, er drehte sich um und ging wieder zu den Maurern.
Und so verlief die letzte Zusammenkunft.
Geißler tat den Folgen gegenüber ganz gleichgültig, er ging hin und her und sprach von dem und jenem, jetzt war er ganz davon hingenommen, daß die Maurer eben gewaltig große Deckenbalken über den ganzen Stall legten. Sie wollten noch in dieser Woche mit dem Stall fertig werden, es sollte nur ein Notdach errichtet werden, später würde man noch einen Heuboden auf den Stall aufsetzen.
Isak hielt Sivert von der Arbeit am Stall zurück und ließ ihn nichts tun, damit Geißler zu jeder Zeit den jungen Mann zu einem Gang in die Berge bereit finde. Das war eine unnütze Vorsorge, Geißler hatte seine Absicht aufgegeben oder sie vielleicht auch vergessen. Nachdem er von Inger etwas Mundvorrat bekommen hatte, schlug er gegen Abend den Weg nach dem Dorf hinunter ein und blieb über das Abendessen fort.
Er kam an den beiden neuen Ansiedlungen unterhalb Sellanraa vorbei und sprach mit den Leuten dort, er kam bis nach Maaneland und wollte sehen, was Ström in den letzten Jahren ausgerichtet hatte. Es war mit ihm nicht so sehr vorwärtsgegangen, aber er hatte doch viel Land urbar gemacht. Geißler interessierte sich auch für diese Ansiedlung und fragt: Hast du ein Pferd? — Ja. — Unten, weiter südlich, habe ich eine Mähmaschine und einen Reolpflug stehen, neue Sachen, die will ich dir schicken. — Was! rief Axel und konnte sich eine solche Freigebigkeit gar nicht vorstellen; er dachte an Abzahlung. — Ich will dir die Geräte schenken, sagte Geißler. — Das ist doch nicht möglich! meinte Axel. — Aber du mußt deinen beiden Nachbarn helfen und ihnen ein Stück Neuland umbrechen, verlangte Geißler. — Das soll nicht fehlen, versprach Axel, aber er konnte den ganzen Geißler nicht verstehen. So, dann habt Ihr also Grundbesitz und Maschinen im Süden? fragte er. — Geißler antwortete: Ach, ich habe gar vielerlei. — Seht, das hatte Geißler vielleicht gar nicht, er hatte nicht vielerlei Geschäfte, aber er tat oft so. Diese Mähmaschine und diesen Reolpflug brauchte er ja nur in irgendeiner Stadt zu kaufen und heraufzuschicken.
Er hatte ein langes Gespräch mit Axel Ström über die andern Ansiedler in der Gegend, über das Handelshaus Storborg, über Axels Bruder, einen jung verheirateten Mann, der jetzt nach Breidablick gekommen war und angefangen hatte, die Moore zu entwässern. Axel beklagte sich darüber, daß keine weibliche Hilfe zu bekommen sei, er habe nur eine alte Frau namens Oline, sie sei nicht viel nütze, aber er müsse doch froh sein, solange er sie halten könne. Im Sommer habe er eine Zeitlang Tag und Nacht arbeiten müssen. Er hätte vielleicht eine weibliche Hilfe aus seinem Heimatort, aus Helgeland, bekommen können, aber dann hätte er ihr außer dem Lohn auch noch das Reisegeld bezahlen müssen. Er habe Ausgaben nach allen Seiten. Axel erzählte weiter, daß er die Aufsicht über die Telegraphenlinie übernommen habe, aber das reue ihn einigermaßen. — Das ist etwas für Leute wie Brede, sagte Geißler. — Ja, das ist sehr richtig gesagt, gab Axel zu. Aber es war wegen des Geldes. — Wie viele Kühe hast du? fragte Geißler. — Vier. Und einen jungen Stier. Es ist sehr weit bis nach Sellanraa zum Stier.
Aber eine viel wichtigere Sache, die er mit Geißler besprechen wollte, lag Axel Ström auf dem Herzen. Es war jetzt eine Untersuchung im Gang gegen Barbro. Ja, natürlich war die Sache herausgekommen. Barbro war guter Hoffnung gewesen, aber sie war frank und frei und ohne Kind von hier abgereist. Wie hing das zusammen? Als Geißler vernahm, um was es sich handelte, sagte er kurz und gut: Komm mit! und führte Axel weit von den Gebäuden weg. Dann setzte er eine äußerst wichtige Miene auf und benahm sich wie eine Art Obrigkeit. Sie ließen sich am Waldessaum nieder, und Geißler sagte: So, nun laß mich hören!
Natürlich war die Sache herausgekommen, wie hätte es auch anders gehen können! Die Gegend war nicht mehr menschenleer, und außerdem war Oline gekommen. Was hatte Oline mit der Sache zu tun? Oh, die! Und außerdem hatte sich Brede mit ihr verkracht. Jetzt war an Oline nicht mehr länger vorbeizukommen, sie wohnte an Ort und Stelle und konnte Axel selbst allmählich ausforschen; sie lebte ja für verdächtige Sachen, ja sie lebte zum Teil davon, da war also wieder etwas mit der richtigen Witterung! Eigentlich war Oline jetzt zu alt, um Haus und Vieh auf Maaneland zu versorgen, sie hätte es aufgeben sollen, aber konnte sie das? Hätte sie einen Ort, wo ein so großes Geheimnis verborgen lag, ruhig verlassen können? Sie brachte die Winterarbeit fertig, ja sie schindete sich auch noch den Sommer hindurch, es kostete sie große Anstrengung, und sie hielt sich nur durch die Aussicht aufrecht, einer Tochter von Brede etwas nachweisen zu können. Kaum fing im Frühjahr der Schnee an zu schmelzen, so schnupperte Oline bereits in der Gegend umher, sie fand den kleinen Hügel am Bach und erkannte sofort, daß der Rasen in Stücken aufgelegt war; sie hatte auch eines Tages das Glück gehabt, Axel zu treffen, wie er das kleine Grab festtrat und es ebnete. Axel wußte also auch von der Sache. Oline nickte mit ihrem grauen Kopf, jetzt war ihre Zeit gekommen.