In Schweden ging der erste kleine Grubenteil von Hand zu Hand, und Geißler hielt sich über dessen Schicksal stets unterrichtet. Natürlich hatten die ersten Besitzer dumm gekauft, verrückt dumm, der Familienrat war nicht sachverständig gewesen, und die Herren hatten sich kein genügend großes Stück des Berges gesichert, sie hatten nur einen gewissen Geißler abfinden und sich ihn vom Halse schaffen wollen. Aber die neuen Besitzer waren nicht weniger komische Leute, sie waren gewaltige Männer, die sich einen Scherz erlauben und nur so zum Vergnügen, etwa bei einem Gelage, kaufen konnten, wer weiß! Aber als es nun zu einem Versuchsbetrieb kam und Ernst aus der Sache wurde, standen sie plötzlich vor einer Mauer: Geißler.

Sie sind Kinder! dachte Geißler vielleicht von seiner Höhe herunter, er war sehr mutig und steifnackig geworden. Die Herren hatten allerdings versucht, ihn mit kaltem Wasser zu begießen, sie hatten geglaubt, vor einem Dürftigen zu stehen und deshalb ein Wörtlein von so fünfzehn bis zwanzigtausend fallen lassen. Sie waren Kinder, sie kannten Geißler nicht. Hier stand er.

Die Herren kamen an diesem Tage nicht mehr vom Berg herunter, sie meinten wohl, klug zu handeln, wenn sie sich nicht gar so eifrig zeigten. Am nächsten Morgen kamen sie indes doch, hatten ihr Packpferd bei sich und waren auf der Heimreise. Aber da war Geißler weggegangen.

War Geißler weggegangen?

Die Herren konnten unter diesen Umständen nichts vom Pferde aus abmachen, sie mußten absteigen und warten. Wohin war Geißler gegangen? Niemand wußte es, er ging überall herum, er interessierte sich für Sellanraa, zuletzt war er bei dem Sägewerk gesehen worden. Die Stafetten wurden ausgesandt, ihn zu suchen, aber er mußte wohl weit weggegangen sein, denn er gab keine Antwort, als er gerufen wurde. Die Herren schauten nach ihren Uhren und waren anfänglich sehr ärgerlich und sagten: Wir werden doch nicht die Narren sein und warten. Wenn Geißler verkaufen will, so soll er auch auf dem Platze sein! O ja, aber der große Ärger der Herren legte sich, sie warteten, ja, sie wurden scherzhaft, das war ja zum Verzweifeln, sie mußten hier an der Grenzscheide des Berges über Nacht bleiben. Das geht ja brillant, sagten sie. Unsere Angehörigen werden dereinst unsere gebleichten Gebeine finden!

Endlich kam Geißler. Er hatte sich auf dem ganzen Gute umgesehen, und jetzt kam er eben vom Sommerstall. Es kommt mir vor, als ob auch der Sommerstall für dich zu klein würde, sagte er zu Isak. Wieviel Stück Vieh hast du denn alles in allem da droben? — So konnte er sprechen, obgleich die Herren mit der Uhr in der Hand dastanden. Geißler hatte eine merkwürdige Röte im Gesicht, als ob er starke Getränke genossen hätte. Puh, ist mir von dem Gang warm geworden! sagte er.

Wir hatten einigermaßen erwartet, Sie würden auf dem Platze sein, sagte einer der Herren. — Darum hatten mich die Herren nicht gebeten, erwiderte Geißler. Sonst wäre ich auf dem Platze gewesen. — Na, und der Handel? Ob Geißler heute ein vernünftiges Gebot annehmen wolle? Es würden ihm doch wohl nicht jeden Tag fünfzehn- bis zwanzigtausend angeboten, oder doch? — Diese neue Andeutung verletzte Geißler bedeutend. War das auch eine Art? Und die Herren hätten sicherlich nicht so gesprochen, wenn sie nicht ärgerlich gewesen wären, und Geißler wäre nicht auf der Stelle blaß geworden, wenn er nicht vorher an einem einsamen Ort gewesen und rot geworden wäre. Jetzt erbleichte er und erwiderte kalt: Ich will nicht andeuten, was den Herren zu bezahlen vielleicht erschwinglich ist, dagegen weiß ich, was ich haben will. Ich will das Kindergeschwätz über den Berg nicht mehr hören. Mein Preis ist derselbe wie gestern. — Eine Viertelmillion Kronen? — Ja. —

Die Herren stiegen zu Pferd.

Jetzt will ich Ihnen etwas sagen, Geißler, begann der eine. Wir wollen bis auf fünfundzwanzigtausend gehen. — Sie sind immer noch scherzhaft aufgelegt, erwiderte Geißler. Ich will Ihnen einen ernsthaft gemeinten Gegenvorschlag machen: Wollen Sie mir Ihr kleines Grubenstückchen verkaufen? — Ja, das lasse sich überlegen, sagten die einigermaßen überrumpelten Herren. — Dann werde ich es kaufen, erklärte Geißler.

Oh, dieser Geißler! Der ganze Hof stand voller Menschen, die ihn reden hörten, alle Leute von Sellanraa und die Maurer und die Herren und die Stafetten; er konnte sich vielleicht überhaupt kein Geld zu einem solchen Geschäft verschaffen, aber Gott weiß, ob er es nicht am Ende doch konnte, wer verstand sich auf ihn! Auf jeden Fall brachte er mit seinen wenigen Worten eine kleine Revolution unter den Herren hervor. Wollte er ihnen ein Schnippchen schlagen? Meinte er, seinen Berg durch dieses Vorgehen wertvoller zu machen?