Geißler hörte diesem Bericht mit der größten Gleichgültigkeit zu. Er zog einige Dokumente aus der Tasche, die er aufmerksam durchsah, aber es waren keine Karten, und Gott weiß, ob sie überhaupt den Kupferberg betrafen. — Es ist nur nicht tief genug gebohrt worden, sagte er, als ob er das aus seinen Papieren entnehme. Das gaben die Herren sofort zu; aber der Ingenieur fragte, wie Geißler das wissen könne, er habe ja überhaupt gar nicht gebohrt. — Da lächelte Geißler, als ob er mindestens ein paar hundert Meter tief in den Erdball hineingebohrt, aber dann die Bohrlöcher unkenntlich gemacht habe.
Bis Mittag redeten sie hin und her, dann schauten die Herren auf ihre Uhren. Geißler war mit seinen Ansprüchen bis auf eine Viertelmillion heruntergegangen, aber weiter herunter ging er nicht um Haaresbreite. Nein, sie mußten ihn ernstlich verletzt haben, sie gingen von der Anschauung aus, daß er gerne verkaufen würde, daß er genötigt sei zu verkaufen; aber das war er nicht, hoho, konnten sie denn nicht sehen, daß er beinahe ebenso vornehm und großartig war wie sie? — Fünfzehn- bis zwanzigtausend seien auch eine schöne Summe, meinten die Herren. — Geißler sagte: Dagegen sei nichts einzuwenden, wenn man das Geld gerade nötig habe, aber zweihundertundfünfzigtausend seien mehr. — Da sagte einer von den Herren, und er sagte das, um Geißler gleichsam niederzudrücken: Eben fällt mir ein, wir sollen Sie von Frau Geißlers Verwandten in Schweden grüßen. — Danke! sagte Geißler. — Apropos! sagte der andere Herr, da dies nichts genützt hatte. Eine Viertelmillion! Es ist doch aber kein Gold, sondern Kupferkies. — Geißler nickte. Ja, es ist Kupferkies.
Da wurden die Herren alle miteinander ungeduldig, fünf Uhrendeckel sprangen auf und klappten wieder zu, und jetzt war keine Zeit mehr zum Scherzen, jetzt war Mittag. Die Herren verlangten kein Essen auf Sellanraa, sie ritten zurück zu den Gruben und speisten dort ihr eigenes Essen.
So verlief diese Zusammenkunft.
Geißler blieb allein zurück.
Was waren das wohl für Überlegungen, die ihn bewegten? Vielleicht gar keine, vielleicht war es ihm gleichgültig, und er überlegte gar nicht. O nein, er überlegte, aber er ließ keinerlei Unruhe merken. Nach dem Mittagessen sagte er zu Isak: Ich wollte eigentlich einen weiten Gang über meinen Berg machen und hätte wie das letztemal Sivert gerne mitgenommen. — Isak sagte augenblicklich zu. — Nein, er hat anderes zu tun, erklärte Geißler. — Er soll sofort mit Euch gehen, sagte Isak und rief Sivert von seiner Maurerarbeit ab. — Aber Geißler hob die Hand und sagte kurz: Nein!
Er trieb sich auf dem ganzen Hof herum, kam auch mehrere Male wieder bei den Maurern vorbei und unterhielt sich da lebhaft mit ihnen. Daß er das konnte, wo ihn doch eben erst so etwas Wichtiges in Anspruch genommen hatte! Oh, vielleicht hatte er solange in unsicheren Verhältnissen gelebt, daß eigentlich für ihn gar nichts mehr auf dem Spiele zu stehen schien, einen schwindelnden Sturz würde er auf keinen Fall tun.
Hier stand er nun vor einem reinen Glücksfall. Nachdem er das kleine Grubenstück an die Verwandten seiner Frau verkauft hatte, ging er stracks hin und kaufte den ganzen übrigen Berg; warum hatte er das getan? Wollte er die jetzigen Eigentümer dadurch ärgern, daß er ihr nächster Nachbar wurde? Ursprünglich hatte er wohl nur auf der Südseite des Wassers, da, wohin die Grubenstadt kommen mußte, wenn je ein Bergwerk errichtet wurde, einen Streifen haben wollen; Eigentümer des ganzen Berges aber wurde er, weil ihn dies beinahe nichts kostete, und weil er sich die Mühe einer weitläufigen Grenzabsperrung sparen wollte. Er wurde Bergkönig aus Gleichgültigkeit, ein kleiner Bauplatz für Baracken und Maschinenschuppen wurde zu einem Reiche, das bis hinunter ans Meer ging.