Hat er Kunde erhalten, daß jetzt auf dem Kupferberg etwas vor sich ging, und wollte er die Sache untersuchen? Gut, hier war er. Er sieht hell wach aus, mustert Häuser und Felder, indem er den Kopf sachte hin und her dreht und die Blicke wandern läßt; er sieht große Veränderungen, der Markgraf hat seine Herrschaft erweitert. Geißler nickt befriedigt.
Was schleppst du denn da herbei? fragte er Isak. Das ist ja eine ganze Pferdelast! sagt er. — Eine Schmiedeesse, erklärt Isak. Die wird mir hier auf der Ansiedlung manches liebe Mal zugute kommen, sagt er und heißt Sellanraa immer noch eine Ansiedlung. — Wo hast du sie her? — Der Ingenieur droben auf dem Berg hat sie mir geschenkt. — Ist auf dem Berg ein Ingenieur? fragt Geißler, wie wenn er es nicht wüßte.
Sollte Geißler hinter dem Ingenieur auf dem Berg zurückstehen? Ich habe gehört, daß du dir eine Mähmaschine gekauft hast, jetzt habe ich dir dazu einen Heurechen mitgebracht, sagt er und deutet auf den Wagen. Da stand die Maschine, rot und blau, ein unmäßig großer Kamm, ein Heurechen, der von einem Pferd gezogen wurde. Sie hoben die Maschine vom Wagen und betrachteten sie, Isak spannte sich vor und versuchte sie auf der nackten Erde. Der Mund stand ihm offen vor Verwunderung. Ein Wunder nach dem andern war nach Sellanraa gekommen.
Sie sprachen über den Kupferberg, über das Bergwerk. Sie haben dort eifrig nach Euch gefragt, sagt Isak. — Wer hat gefragt? — Der Ingenieur und alle die Herren. Sie müßten Euch unbedingt auffinden, sagten sie. Ach, Isak machte sicher zuviel aus der Sache, Geißler vertrug das vielleicht nicht, er machte einen steifen Nacken und sagte: Da bin ich, wenn sie etwas von mir wollen.
Den Tag darauf kamen die beiden Stafetten aus Schweden zurück, und mit ihnen kamen zwei von den Eigentümern des Bergwerks; sie waren zu Pferd, vornehme, dicke Herren und allem Anschein nach steinreich. Sie hielten auf Sellanraa fast nicht an, sondern erkundigten sich nur vom Pferd aus nach dem Wege und ritten weiter nach dem Berge zu. Sie taten, als ob sie Geißler gar nicht sähen, obgleich er ganz in der Nähe stand. Die Stafetten mit den beladenen Packpferden ruhten eine Stunde aus, unterhielten sich mit den Maurern, die am Stall arbeiteten, erfuhren, daß der alte Herr mit der weißen Weste und der goldenen Kette Geißler sei, und dann zogen auch sie weiter. Aber die eine der Stafetten kam noch am selben Abend wieder auf den Hof herunter mit der mündlichen Botschaft, Geißler solle zu den Herren hinaufkommen. Hier bin ich, wenn sie etwas von mir wollen, ließ Geißler antworten.
Geißler war großartig geworden, er dachte vielleicht, er habe die ganze Welt in der Tasche, oder fand er eine mündliche Botschaft gar zu nachlässig? Aber wie ging es zu, daß er gerade in dem Augenblick nach Sellanraa kam, wo man ihn brauchte? War er denn allwissend? Na, als die Herren auf dem Berge diese Antwort bekamen, mußten sie sich wohl oder übel nach Sellanraa herabbemühen. Der Ingenieur und die beiden Sachverständigen kamen mit.
Aber es waren noch allerlei Wendungen und Winkelzüge notwendig, ehe die Zusammenkunft zustande kam. Das versprach nicht viel Gutes, Geißler tat ungeheuer großartig.
Die Herren waren jetzt recht höflich, sie baten Geißler, zu entschuldigen, daß sie gestern nach ihm geschickt hätten, sie seien von der Reise sehr ermüdet gewesen. Geißler war auch wieder höflich, er erwiderte, auch er sei von seiner Reise ermüdet gewesen, sonst wäre er hinaufgekommen. Ja, aber nun zur Sache: Ob er den Berg auf der Südseite des Wassers verkaufen wolle? — Sind die Herren selbst Käufer oder spreche ich mit Zwischenhändlern? — Das war die reine Bosheit von Geißlers Seite, er mußte doch sehen, daß diese vornehmen und dicken Herren keine Zwischenhändler sein konnten. Dann ging es weiter: Der Preis? fragten sie. — Ja, der Preis! sagte auch Geißler und überlegte. Zwei Millionen, sagte er dann. — Ach so, sagten die Herren und lächelten. — Aber Geißler lächelte nicht.
Der Ingenieur und die Sachverständigen hatten so obenhin den Berg untersucht, hatten einige Löcher gebohrt und gesprengt, und das Ergebnis lautete also: Das Vorkommen des Kupfers war auf Eruptionen zurückzuführen, die Kupferfunde waren sehr ungleich verteilt, nach der vorläufigen Untersuchung waren sie am mächtigsten an der Grenze zwischen dem Eigentum der Gesellschaft und dem von Geißler, weiterhin nahmen sie wieder ab. Auf der letzten halben Meile kam kein abbauwürdiger Kupferkies mehr vor.