Inger? Sie war in die Beeren gegangen, war in den Beeren gewesen, seit Isak auf den Berg gestiegen war, sie mit Gustaf, dem Schweden. Das alte Ding, sie war so toll und verliebt; es ging zwar dem Herbst und dem Winter zu, aber sie fühlte wieder Sommerhitze in sich, ihr Herz blühte! Komm und zeig mir, wo Multebeeren wachsen, sagte Gustaf. Wer hätte da widerstehen können! Sie lief in ihre Kammer und war einige Minuten lang ernst und fromm; aber er stand draußen und wartete, die Welt war ihr dicht auf den Fersen; sie ordnete ihre Haare, beschaute sich nach allen Seiten im Spiegel und ging dann wieder hinaus. Was weiter, wer hätte das auch nicht getan! Die Frauen können den einen Mann nicht von dem andern unterscheiden, nicht immer, nicht oft. —

Sie gehen also in die Beeren und pflücken, pflücken Multebeeren auf dem Moor, sie steigen von einem Erdhaufen auf den andern, sie hebt ihre Röcke in die Höhe und läßt ihre schönen Waden sehen. Rundum ist es still, das Schneehuhn hat schon große Junge und zischt nicht mehr, es gibt weiche Plätzchen im Gebüsch auf dem Moor. Sie sind noch nicht eine Stunde gegangen, und schon ruhen sie aus. Inger sagt: Bist du so einer! Ach, sie ist so schwach ihm gegenüber, sie lächelt verlegen, denn sie ist sehr verliebt; ach, wie ist doch Verliebtsein süß und bitter zugleich! Schick und Brauch verlangen wohl, sich zu wehren. Ja, um endlich doch nachzugeben. Inger ist sehr verliebt, sterblich und ohne Gnade verliebt, sie will ihm wohl und ist nur gut und herzlich gegen ihn.

Das alte Ding!

Wenn der Stall fertig ist, dann gehst du fort, sagt sie. — Nein, er gehe nicht fort. Natürlich müsse er einmal fortgehen, aber nicht schon in einer Woche. — Wollen wir nicht heimgehen? fragt sie. — Nein.

Sie pflücken Beeren, und nach einer Weile finden sie wieder weiche Plätzchen im Gebüsch, und Inger sagt: Du bist verrückt, Gustaf! Die Stunden vergehen, jetzt sind sie wohl im Gebüsch eingeschlafen. Sind sie eingeschlafen? Das ist ausgezeichnet, mitten im Ödland, in Eden. Da setzt sich Inger auf und horcht und sagt: Ich meine, ich höre weit drüben auf dem Weg einen Wagen fahren.

Die Sonne sinkt; während sie heimgehen, werden die Heidehügel im Schatten dunkler. Sie kommen noch an vielen geschützten Stellen vorbei, Gustaf sieht sie, und Inger sieht sie wohl auch, aber sie meint die ganze Zeit, es fahre jemand vor ihnen her. Aber sich auf dem ganzen Heimweg gegen einen närrischen hübschen Jungen wehren müssen? Inger ist sehr schwach, sie lächelt nur und sagt: Nein, so einen wie dich hab' ich doch noch nie gesehen!

Inger kommt allein nach Hause. Es ist gut, daß sie jetzt kommt, großartig ist es, eine Minute später wäre nicht so gut gewesen. Isak ist gerade mit seiner Schmiede und mit Aronsen in den Hof getreten, und ein Pferd mit einem Wagen hält auch eben vor der Tür.

Guten Tag! sagt Geißler und begrüßt dann auch Inger.

Da stehen diese Menschen und schauen einander an. Es könnte nicht besser passen.

Geißler ist wiedergekommen. Er ist einige Jahre weggewesen, aber jetzt ist er wieder da, etwas älter und grauer, aber lebhaft wie immer, und jetzt ist er fein gekleidet, trägt eine weiße Weste und eine goldene Kette. Der Teufel versteht diesen Mann!