Axel sprach nicht mit ihr. Er bemerkte aber, daß ihre Haut fein und blaß war und daß sie schöne Zähne bekommen hatte. Seine Ringe trug sie nicht an den Fingern.
Und nun schreitet Axel also wieder durchs Ödland hinauf. Es stürmt und regnet zwar, aber er ist seelenvergnügt, er hat die Mähmaschine und den Reolpflug am Landungsplatz gesehen. Ach, dieser Geißler! Kein Wort hat er in der Stadt von dieser Sendung verlauten lassen. Er war ein merkwürdiger Herr.
8
Axel hatte daheim keine lange Ruhezeit; mit den Herbststürmen begann eine persönliche Mühe und ein großer Verdruß, den er sich selbst zugezogen hatte: Der Telegraph an seiner Wand meldete, daß die Linie in Unordnung sei.
Ach, er war zu gierig nach dem baren Geld gewesen, als er diesen Posten übernommen hatte! Alles war von Anfang an unangenehm gewesen, Brede Olsen hatte ihm gewissermaßen gedroht, als er die Telegraphensachen und das Werkzeug bei ihm abholte; er hatte gesagt: Du denkst wohl nicht mehr daran, daß ich dir im Winter das Leben gerettet habe? — Oline hat mir das Leben gerettet, erwiderte Axel. — So, habe ich dich nicht auf meinem eigenen armen Rücken nach Hause getragen? Und außerdem hast du im Sommer nur darauf gepaßt, mir meinen Hof abzukaufen und mich für den Winter heimatlos zu machen. Ja, Brede war tief gekränkt, er sagte: Nimm du nur den Telegraphen und das ganze Zeug mit dir. Ich und meine Familie, wir lassen uns im Dorf nieder und fangen etwas an; was es ist, weißt du nicht, aber es ist etwas mit einem Hotel und einem Platz, wo die Leute Kaffee trinken können. Oh, meinst du, wir werden nicht durchkommen? Meine Frau kann alle Arten von Lebensmitteln verkaufen, und ich selbst kann Geschäfte machen und viel mehr dabei verdienen als du. Aber ich will dir nur sagen, Axel, ich könnte dir allerlei Possen spielen, da ich den ganzen Telegraphen sehr gut kenne; ich könnte Stangen umwerfen und Drähte abreißen. Dann müßtest du mitten in der dringendsten Arbeit hinaus. Das will ich dir nur sagen, und du kannst es dir hinter die Ohren schreiben ...
Jetzt aber hätte Axel notwendig die Maschinen vom Landungsplatz heraufholen sollen — ach, jede davon war so schön vergoldet und bunt bemalt wie ein Bild, er hätte sie heute haben und sie besehen und sich genau in ihrem Gebrauch unterrichten können — jetzt mußten sie stehenbleiben. Es war nicht gut, wenn er wegen der Telegraphenlinie wichtige Arbeit versäumen mußte. Aber es brachte doch Geld ein.
Oben auf dem Berg trifft er Aronsen. Der Kaufmann Aronsen steht da und schaut in den Sturm hinaus, ja, er stand da wie eine Erscheinung. Was wollte er da oben? Er hatte wohl keine Ruhe mehr gehabt und war in die Berge gegangen, um selbst die Gruben zu untersuchen. Seht, das tat der Kaufmann Aronsen aus reiner Besorgnis für sich und seine Zukunft. Nun steht er da auf dem verlassenen Berg vor lauter Elend und Zerstörung: verrostete Maschinen, Handwerkszeug, Fuhrwerke, vieles davon unter freiem Himmel, alles ganz trostlos. An verschiedenen Stellen waren an den Wänden der Baracken geschriebene Zettel angeheftet, die verboten, die Gebäude, Gerätschaften und Wagen der Gesellschaft zu beschädigen oder etwas davon mitzunehmen.
Axel fängt ein Gespräch mit dem zornigen Krämer an und fragt: Seid Ihr auf der Jagd? — Ja, wenn ich ihn nur getroffen hätte! antwortete Aronsen. — Wen hättet Ihr denn gerne getroffen? — Wen denn sonst, als den Mann, der mich und alle hier herum ins Verderben bringt? Den Mann, der seinen Berg nicht verkaufen will und weder Bewegung, noch Handel, noch Geld unter die Leute kommen läßt. — Meint Ihr den Geißler? — Ja, gerade den Kerl meine ich. Er müßte erschossen werden! — Axel lacht und sagt: Der Geißler war jetzt vor wenigen Tagen in der Stadt, da hättet Ihr ihn treffen können. Aber nach meiner geringen Meinung glaube ich nicht, daß Ihr den Mann dafür verantwortlich machen solltet. — Warum nicht? fragte Aronsen wütend. — Ich fürchte, er wäre etwas zu unergründlich und zu hochangesehen für Euch. — Sie stritten eine Weile darüber, und Aronsen wurde immer heftiger. Zum Schluß fragte Axel im Scherz: Na, Ihr werdet uns hier im Ödland doch nicht stecken lassen und ganz von hier fortziehen wollen? — Meinst du etwa, ich wolle hier in euren Sümpfen verfaulen und nicht einmal den Tabak für meine Pfeife verdienen? rief Aronsen ärgerlich. Wenn du mir einen Käufer verschaffst, so verkaufe ich auf der Stelle. — Einen Käufer? rief Axel. Auf Eurem Grundstück ist guter Boden, wenn Ihr ihn bebauen wolltet. Bei der Größe des Grundstücks nährt es seinen Mann. — Du hörst doch, daß ich nicht in der Erde graben mag! rief Aronsen wieder in den Sturm hinaus. Ich kann etwas Besseres tun. — Axel meinte, ein Käufer werde wohl zu finden sein, aber Aronsen verhöhnte den bloßen Gedanken daran. Im ganzen Ödland ist kein einziger Mann, der mich auszahlen könnte. — Nein, nicht gerade hier im Ödland. Aber es gibt noch andere. — Ach, hier ist nichts als Armut und Elend! rief Aronsen wütend. — Ja, das mag sein. Aber der Isak auf Sellanraa könnte Euch jeden Tag auszahlen, sagte Axel beleidigt. — Das glaube ich nicht, entgegnete Aronsen. — Es ist mir gleichgültig, was Ihr glaubt, sagte Axel und wollte weitergehen. — Aber Aronsen rief ihm nach: Wart doch einen Augenblick! Meinst du wirklich, Isak könnte mich von Storborg befreien? — Ja, erwidert Axel. Von fünf Storborg, was das Geld und die Mittel anbelangt.