Es war weder Axel noch Barbro unlieb, daß sie Oline für immer begraben konnten, sie brauchten jetzt nicht mehr so auf der Hut zu sein, sie konnten vergnügt leben. Barbro klagt wieder über Zahnweh, sonst ist alles gut. Aber dieses ewige wollene Tuch um den Mund, das sie immer wegziehen muß, wenn sie ein Wort reden will, ist keine kleine Plage, und Axel kann das viele Zahnweh nicht begreifen. Er hatte wohl die ganze Zeit her ihre vorsichtige Art zu kauen beobachtet, aber es fehlte ihr doch kein Zahn im Mund. — Hast du dir denn keine neuen Zähne machen lassen? fragt er. — Doch. — Ja, tun die denn auch weh? — Spotte nicht so! erwidert Barbro erzürnt, obgleich er wirklich in gutem Glauben gefragt hatte. Und in ihrer Bitterkeit kommt sie dazu, bessere Auskunft zu geben: Du siehst doch, wie es mit mir steht.
Wie es mit ihr stand? Axel sieht etwas näher zu und bemerkt, daß sie bereits anfängt einen dicken Leib zu bekommen. — Du bist doch nicht in der Hoffnung? fragt er. — Doch, das weißt du wohl, erwidert sie. — Etwas vor den Kopf geschlagen starrt er sie an. In all seiner Langsamkeit sitzt er da und rechnet eine Weile: eine Woche, zwei Wochen, in der dritten Woche. — Weiß ich das? sagt er. — Barbro ist sehr gereizt durch dieses Zwiegespräch und fängt an laut hinauszuweinen, ja gekränkt zu weinen. Du kannst mich nur auch gleich in die Erde graben, dann bist du mich los! ruft sie.
Merkwürdig, was die Weiberleute für Gründe zum Weinen finden können!
Nein, Axel will Barbro durchaus nicht in die Erde graben, er ist ein handfester Mann, der auf den Nutzen sieht; in einem Blumenflor zu waten, dazu hat er keine Lust. — Dann kannst du im Sommer nicht auf dem Feld arbeiten? fragt er. — Was, nicht auf dem Feld arbeiten? erwidert sie entsetzt. Und lieber Gott, worüber ein Frauenzimmer doch plötzlich wieder lächeln kann! Als es Axel auf diese Weise nahm, rieselte ein hysterisches Glücksgefühl durch Barbros Körper, und sie rief: Für zwei werde ich arbeiten! Du wirst sehen, Axel, daß ich alles arbeite, wobei du mich anstellst, und noch viel mehr. Ich will mich abrackern und noch vergnügt dabei sein, wenn du nur zufrieden bist!
Es gab noch mehr Tränen und Lächeln und Zärtlichkeiten. Die beiden waren allein im Ödland, niemand war zu fürchten, offene Türen, Sommerwärme, Fliegengesumm. Sie war so willfährig und hingebend, alles wollte sie genau so wie er.
Nach Sonnenuntergang ist Axel damit beschäftigt, seine Mähmaschine anzuspannen, er will noch ein kleines Stück abmähen für den nächsten Morgen. Barbro kommt hastig herausgelaufen, als ob sie etwas Wichtiges zu besorgen hätte, und sagt: Du, Axel, wie hast du überhaupt daran denken können, dir jemand aus Amerika kommen zu lassen? Sie wäre ja erst bis zum Winter hier gewesen, und was hättest du da noch mit ihr angefangen? — Seht, auf diesen Gedanken war Barbro verfallen, und nun kam sie damit angelaufen, wie wenn das notwendig wäre!
Aber es war keineswegs notwendig, Axel hatte von der ersten Stunde an eingesehen, daß er eine weibliche Hilfe für ein ganzes Jahr gewann, wenn er Barbro wieder zu sich nahm. Dieser Mann schwankt nicht, und er träumt sich nicht zu den Sternen hinauf. Nun hat er die eigene Frau im Hause und kann auch die Telegraphenlinie noch eine Zeitlang behalten. Im Jahre macht das doch viel Geld aus, und das ist ihm sehr willkommen, solange er nicht viel vom Ertrag des Hofes verkaufen kann. Alles geht und fügt sich ineinander, er ist mitten in der Wirklichkeit. Und von Brede, der jetzt sein Schwiegervater ist, erwartet er auf der Telegraphenlinie keinen Überfall mehr.
Das Glück fängt an, Axel mit seinen Gaben zu überschütten.