Sie gehen bis zur Mittagszeit, essen zu Mittag und wandern dann weiter, bis es Abend wird. Dann machen sie ein Feuer an, lagern sich und schlafen eine Weile. Sivert schläft sitzend auf einem Stein, den er seinen Polsterstuhl nennt. Ja, Sivert versteht sich auf das Leben im Ödland, die Sonne hat den ganzen Tag auf den Stein gebrannt, und es ist gut darauf zu sitzen und zu schlafen. Seine Kameraden sind nicht so erfahren und nehmen auch keinen guten Rat an, sie legen sich ins Heidekraut und wachen frierend und niesend auf. Dann frühstücken sie und gehen weiter.
Jetzt fangen sie an, die Ohren zu spitzen, ob sie keine Schüsse hören, und sie hoffen, im Laufe des Tages auf Leute zu stoßen und an die Gruben zu kommen. Die Arbeit kann inzwischen wohl von der See her weit in der Richtung auf Sellanraa zu vorgerückt sein. Sie hören keinen Schuß. Sie gehen bis zur Mittagszeit und begegnen keinem Menschen, aber sie kommen von Zeit zu Zeit an großen Löchern in der Erde vorbei, die die Leute zur Probe gegraben haben. Wie hängt das zusammen? Es muß wohl so sein, daß das Erz auf dieser Seite des Berges ganz überaus reich ist; es wird also im reinen, schweren Kupfer gearbeitet, und die Arbeiter rücken von der See her kaum vor.
Nachmittags stoßen sie auf noch mehr Gruben, aber immer noch keine Menschen; sie gehen weiter bis zum Abend und erblicken schon das Meer unter sich, sie wandern durch ein Ödland von verlassenen Gruben und vernehmen keinen einzigen Schuß. Das ist doch gar zu merkwürdig, aber sie müssen noch einmal ein Feuer machen und sich wieder für die Nacht lagern. Sie beraten: Ist die Arbeit hier zu Ende? Sollen sie mit ihren Lasten wieder umkehren? Kein Gedanke! sagt der Ladendiener Andresen.
Am nächsten Morgen kommt ein Mann an ihr Lager, ein blasser und vergrämter Mann, der die Brauen runzelt, die Leute betrachtet, sie mustert. Bist du das, Andresen? fragt er. Es ist Aronsen, der Kaufmann Aronsen; er hat nichts dagegen, von der Karawane Kaffee und etwas zu essen zu bekommen, und läßt sich bei den Männern nieder. Ich hab' euern Rauch gesehen und wollte ergründen, was das sei, erklärt er. Ich dachte: du wirst sehen, sie nehmen Vernunft an und beginnen wieder mit der Arbeit! Und nun seid nur ihr es! Wo wollt ihr hin? — Wir wollen hierher. — Was habt ihr in euren Säcken? — Waren! — Waren? schreit Aronsen. Wollt ihr hier Waren verkaufen? Hier wohnt niemand. Sie sind am Samstag abgezogen. — Wer ist abgezogen? — Alle miteinander. Hier ist alles leer und verlassen. Und außerdem hab' ich Waren genug; den ganzen Laden voll. Ihr könnt bei mir kaufen.
Ach, nun ist der Kaufmann Aronsen wieder übel daran, mit dem Grubenbetrieb ist es zu Ende!
Sie beruhigen ihn mit noch etwas mehr Kaffee und fragen ihn dann aus.
Aronsen schüttelt ganz zerschmettert den Kopf: Es ist nicht zu sagen, es ist ganz unbegreiflich! sagt er. Alles war sehr gut gegangen, er hatte Waren verkauft und viel Geld eingenommen, das ganze Kirchspiel rund umher blühte und konnte sich weiße Grütze, ein neues Schulhaus und Lampen mit Prismen dran und städtisches Schuhwerk leisten. Da fanden die Herren plötzlich, daß es sich nicht mehr lohne, und sie machten Schluß. Lohnte es sich wirklich nicht mehr? Es hatte sich doch seither gelohnt, nicht wahr? Kam denn nicht das Kupfererz bei jeder Sprengung zutage? Das war einfach Betrug. Und sie bedenken nicht, daß sie damit einen Mann wie mich in die größten Ungelegenheiten bringen, sagte Aronsen. Aber es ist wohl so, wie behauptet wird, daß der Geißler wieder an allem schuld ist. Er ist genau in dem Augenblick gekommen, als die Arbeit stillgelegt wurde; es ist gerade, als ob er es gerochen hätte!
Ist Geißler hier?
Ob er hier ist! Er gehört erschossen! Er kam eines Tages mit dem Postschiff an und fragte den Ingenieur: Nun, wie geht's? — Gut, soviel ich weiß, antwortet der Ingenieur. Aber der Geißler fragte nun noch einmal: So, es geht also gut? — Ja, könnte nicht besser gehen, soviel ich weiß! erwiderte der Ingenieur. Na, ich danke! Als die Post geöffnet wurde, war ein Brief und ein Telegramm an den Ingenieur dabei, daß sich die Arbeit nicht mehr lohne, er solle Schluß machen.