Die Teilnehmer der Karawane schauen einander an; aber der Führer, der schlaue Kerl Andresen, hat den Mut augenscheinlich noch nicht verloren. — Kehrt nur wieder um! rät Aronsen. — Das tun wir nicht, sagt Andresen und packt den Kaffeekessel ein. — Aronsen starrt alle drei einen nach dem andern an. Ihr seid verrückt! sagt er.
Seht, der Ladendiener Andresen kümmert sich nicht sehr um seinen früheren Herrn, jetzt ist er selbst Herr, er hat diesen Zug in ferne Gaue ausgerüstet, er würde an Ansehen einbüßen, wenn er hier auf dem Berge umkehrte. — Aber wo wollt ihr denn hin? fragt Aronsen erbittert. — Das weiß ich nicht, sagt Andresen. Aber er hat doch wohl seine Absicht, er denkt vielleicht an die Eingeborenen: daß er hier drei Mann stark mit Glasperlen und Fingerringen herkommt. — Kommt, wir wollen gehen! sagt er zu seinen Kameraden.
Nun hatte sich Aronsen eigentlich diesen Morgen länger draußen aufhalten wollen; da er einmal unterwegs war, wollte er vielleicht nachsehen, ob wirklich alle Gruben verlassen seien, ob es wahr sei, daß alle Menschen fort waren. Aber da diese Hausierer so eigensinnig sind und weiter wollen, wird er eigentlich an seinem Vorhaben gehindert, er muß ihnen immer und immer wieder von ihrem Weitermarsch abreden. Aronsen ist rasend, er geht vor der Karawane her den Berg hinunter, er dreht sich immer im Kreise und schreit ihnen zu, hält sie auf, er verteidigt sein Gebiet. So kommen sie zu der Barackenstadt hinunter.
Da sieht es leer und trostlos aus. Die wichtigsten Geräte und Maschinen sind unter Dach gebracht, aber Balken, Bretter, zerbrochene Wagen, Kisten und Fässer liegen überall umher. An einigen Häusern prangt ein Plakat, das den Zutritt verbietet.
Da seht ihr! ruft Aronsen. Nirgends ein Mensch! Wo wollt ihr denn hin? Und er droht der Karawane mit großem Unheil und mit dem Lensmann; er selbst wolle sie Schritt für Schritt begleiten und zusehen, ob sie nicht ungesetzliche Waren verkauften. Darauf stehe Zuchthaus und die Galeeren, bom konstant.
Plötzlich wird Sivert von jemand angerufen. Die Stadt ist also doch nicht völlig verlassen, nicht ganz ausgestorben. Ein Mann an einer Hausecke winkt ihnen. Sivert schwankt mit seiner Last auf ihn zu und erkennt sofort, wer es ist: Es ist Geißler.
Ein merkwürdiges Zusammentreffen! sagt Geißler. Er hat ein blühend rosiges Gesicht, aber seine Augen scheinen in der hellen Frühlingssonne Schaden gelitten zu haben, denn er trägt einen grauen Zwicker. Er spricht lebhaft wie immer. Ein glückliches Zusammentreffen! sagt er. Das spart mir den Weg nach Sellanraa, ich habe so viel zu besorgen. Wie viele Ansiedlungen sind jetzt dort auf der Allmende? — Zehn. — Zehn Ansiedlungen? Das gefällt mir, da bin ich zufrieden. Zweiunddreißigtausend solche Männer wie dein Vater sollten im Lande sein, ich hab' es ausgerechnet! sagt er und nickt dazu.
Kommst du, Sivert? ruft die Karawane. — Geißler horcht auf und antwortet rasch: Nein! — Ich komme nach! ruft Sivert und legt seine Last ab.
Die beiden setzen sich und reden zusammen; über Geißler ist der Geist gekommen, und er schweigt nur, sooft Sivert eine kurze Antwort gibt, dann legt er wieder los: Ein ganz einzigartiges Zusammentreffen! Ich komme gar nicht davon weg! Meine ganze Reise ist so ausgezeichnet verlaufen, und nun treffe ich dich auch noch hier und kann mir den Umweg über Sellanraa sparen! Wie geht's zu Hause? — Dank der Nachfrage. — Habt ihr schon den Heuboden auf dem steinernen Stallgebäude aufgeschlagen? — Ja. — Ja, ich bin sehr überlastet, die Geschäfte wachsen mir allmählich über den Kopf. Sieh dir doch einmal an, wo wir jetzt sitzen, lieber Sivert! Auf der Ruine einer Stadt. Die haben nun die Menschen ihrem eigenen Vorteil gerade entgegen aufgebaut. Eigentlich bin ich die Ursache von dem allem, das heißt, ich bin einer der Vermittler in einem kleinen Komödienspiel des Schicksals. Es hat damit angefangen, daß dein Vater im Gebirge einige Steine fand und dich damit spielen ließ, als du noch ein Kind warst. Damit hat es angefangen. Ich wußte es ganz genau, daß diese Steine nur den Wert hatten, den die Menschen ihnen beilegten; gut, ich setzte einen Preis dafür fest und kaufte sie. Von da an gingen die Steine von Hand zu Hand und plünderten die Leute aus. Die Zeit verging. Vor einigen Tagen bin ich hier heraufgekommen, und weißt du, was ich hier will? Die Steine wieder zurückkaufen!