Inger nimmt Eleseus mit sich hinein, gibt ihm allerlei Sachen, womit er auf dem Boden spielen kann, und legt sich selbst zu Bett. Ihre Stunde war gekommen. Sie ist die ganze Zeit bei vollem Bewußtsein, gibt auf Eleseus acht, läßt ihren Blick über die Wiege hinschweifen und sieht auf die Uhr an der Wand. Sie schreit nicht, bewegt sich kaum; ein Kampf geht in ihren Eingeweiden vor sich, eine Last gleitet plötzlich von ihr ab. Fast im selben Augenblick hört sie ein fremdes Geschrei in ihrem Bett, ein liebes Stimmchen weint. Und jetzt hat Inger keine Ruhe mehr, sie richtet sich auf und schaut an sich hinunter. Was sieht sie? Ihr Gesicht wird im selben Augenblick aschgrau und starr, ohne Ausdruck und Verstand, ein Ächzen wird laut, ein so unnatürliches, so erschütterndes, wie ein Heulen aus ihrem Innersten heraus.

Sie sinkt zurück. Eine Minute vergeht, sie hat keine Ruhe, das Weinen im Bett wird lauter, sie richtet sich wieder auf und schaut — ach Gott, das schlimmste von allem, ohne Gnade, und das Kind ist überdies ein Mädchen!

Isak konnte vielleicht noch nicht eine halbe Meile weit gekommen sein, und es war jetzt kaum eine Stunde vergangen, seit er den Hof verlassen hatte. In zehn Minuten war das Kind geboren und umgebracht ...

Am dritten Tag kehrte Isak zurück; er führte einen mageren, halb verhungerten Stier, der kaum vorwärts kommen konnte, an der Leine, deshalb war er so lange unterwegs gewesen.

Wie ist es gegangen? fragte Inger, und doch war sie selbst recht gedrückt und krank.

Oh, es war ganz leidlich gegangen. Ja, ja, während der letzten halben Meile war der Stier allerdings wild geworden. Isak hatte ihn anbinden und Hilfe aus dem Dorfe holen müssen. Als er zurück kam, hatte der Stier sich losgerissen, und sie hatten ihn lange suchen müssen. Na, es war ja alles noch gut abgelaufen. Der Händler, der Schlachtvieh für die Stadt aufkaufte, hatte gut bezahlt. — Und da ist nun der neue Stier, sagte Isak, bring die Kinder heraus und seht ihn euch an!

Das gleiche Interesse für jedes neue Stück Vieh. Inger betrachtete den Stier, befühlte ihn und fragte nach dem Preis. Klein-Sivert durfte auf seinem Rücken sitzen. — Es tut mir leid um den großen Stier, sagte Inger, er war so glänzend und brav! Wenn sie ihn jetzt nur ordentlich abschlachten!

Die Tage waren mit Frühjahrsarbeit ausgefüllt, die Tiere waren hinausgelassen worden, in dem leeren Stall standen Kisten und Kasten voll Saatkartoffeln. Isak säte in diesem Jahr mehr Korn als sonst und wandte seinen äußersten Fleiß auf, um es gut in die Erde zu bringen, er richtete Beete für Karotten und Rüben, und Inger streute den Samen hinein. Alles ging wie früher.

Eine Zeitlang trug Inger ein Heukissen auf dem Leib, um dick auszusehen. Allmählich verminderte sie das Heu, und schließlich ließ sie den Sack weg. Endlich eines Tages fiel es Isak auf, und er fragte verwundert: Was ist denn das? Ist diesmal nichts daraus geworden? — Nein, sagte sie, diesmal nicht. — So, warum nicht? — Ach, es war eben so. Was glaubst du, Isak, bis wann du alles das umgebrochen haben wirst, das wir da vor uns sehen? — Ist es eine Fehlgeburt gewesen? fragte er. — Ja. — So. Und du hast keinen Schaden davongetragen? — Nein. Du, Isak, ich habe schon sooft gedacht, ob wir uns nicht Schweine aufziehen sollten. — Isak, der sehr bedächtig war, sagte nach einer Weile: Ja, ein Schwein. Ich hab' in jedem Frühjahr daran gedacht. Aber solange wir nicht mehr Eßkartoffeln und auch Futterkartoffeln und etwas mehr Getreide haben, haben wir kein Futter für ein Schwein. Nun, wir wollen in diesem Jahr einmal sehen. — Es wäre sehr schön, wenn wir ein Schwein hätten. — Ja.