Inger schließt die Haustür und geht zu ihrer Arbeit zurück. Da rief der Mann ihr etwas nach, sie tat jedoch, als höre sie es nicht, und ging nur weiter, aber sie hatte es gut gehört. Ist es richtig, daß du Hasen kaufst?

Das war nicht mißzuverstehen. Der Lappe hatte vielleicht in gutem Glauben gefragt, vielleicht hatte es ihm jemand weisgemacht, vielleicht fragte er auch aus Bosheit, aber Inger hatte jedenfalls eine Warnung erhalten. Das Schicksal meldete sich ...

Die Tage vergingen. Die Ansiedler waren gesunde Menschen, was kommen sollte, mochte kommen, sie taten ihre Arbeit und warteten. Sie lebten dicht beieinander wie Tiere im Walde, sie schliefen und aßen, die Jahreszeit war schon so vorgeschritten, daß sie die neuen Kartoffeln versuchten; sie waren groß und mehlig. Der Schlag — warum fiel der Schlag nicht? Jetzt war es schon Ende August, bald kam der September, sollten sie den Winter über verschont bleiben? Sie waren beständig auf der Wacht, jeden Abend krochen sie in ihrer Höhle zusammen, froh darüber, daß der Tag ohne etwas Schlimmes vergangen war. So verstrich die Zeit bis zum Oktober, da erschien der Lensmann mit einem Mann und einer Aktenmappe bei ihnen. Das Gesetz schritt zur Tür herein.

Die Nachforschungen brauchten Zeit, Inger wurde unter vier Augen verhört. Sie leugnete nichts; das Grab im Walde wurde geöffnet und geleert und die kleine Leiche zur Untersuchung eingeschickt. Die kleine Leiche war in Eleseus' Taufkleid gehüllt und hatte die Mütze mit den Perlen auf dem Köpfchen.

Da fand Isak gleichsam seine Sprache wieder. Ja, ja, jetzt steht es so schlimm für uns, als es nur kann, sagte er. Ich sage eben auch jetzt noch dasselbe, du hättest es nicht tun sollen. — Nein, gibt Inger zu. — Wie hast du es gemacht? — Inger gab keine Antwort. — Und daß du es übers Herz hast bringen können! — Sie war genau so wie ich. Da legte ich sie aufs Gesicht. Isak schüttelte den Kopf. — Und dann starb sie, fuhr Inger fort und brach in lautes Weinen aus. Isak schwieg eine Weile. Ja, ja, jetzt ist es zu spät zum Weinen, sagte er dann. — Sie hatte braunes Haar im Nacken, schluchzte Inger.

Damit war die Angelegenheit wieder zu Ende.

Und wieder vergingen die Tage. Inger wurde nicht festgenommen, die Obrigkeit ließ Milde walten. Lensmann Heyerdahl fragte sie aus, wie er jeden anderen Menschen ausgefragt hätte, und sagte nur: Es ist traurig, daß so etwas vorkommt! Als Inger fragte, wer sie angezeigt habe, antwortete der Lensmann, niemand, es seien ihm von verschiedenen Seiten Andeutungen über die Sache gemacht worden. Ob sie sich nicht selbst teilweise bei einigen Lappen verraten habe? — Inger antwortete: Ja, sie habe einigen Lappen von Os-Anders erzählt, der mitten im Sommer mit einem Hasen zu ihr gekommen sei, und davon habe das Kind unter ihrem Herzen eine Hasenscharte bekommen. Und Oline habe doch sicher den Hasen geschickt! — Davon wußte der Lensmann nichts. Aber wie es auch sein mochte, solche Unwissenheit und solchen Aberglauben würde er nicht einmal in sein Protokoll aufnehmen. — Meine Mutter bekam einen Hasen zu sehen, als sie mich unter dem Herzen trug, sagte Inger ...

Die Scheune war fertig, es war eine geräumige Hütte mit einem Heuverschlag auf beiden Seiten und einer Tenne in der Mitte. Das Vorratshaus und die anderen vorläufigen Aufbewahrungsorte wurden geräumt und das Heu in die Scheune geschafft. Das Korn wurde geschnitten, auf Heinzen getrocknet und dann eingefahren. Inger grub die Karotten und Rüben heraus. Nun war alles unter Dach. Jetzt wäre alles gut gewesen, Wohlstand herrschte auf der Ansiedlung, Isak rodete wieder Neuland, bevor der Frost kam, und vergrößerte den Kornacker, und er war ein wirklicher Roder, das war er. Aber im November sagte Inger: Jetzt wäre sie ein halbes Jahr alt und hätte uns alle gekannt! — Da ist nichts mehr daran zu ändern, sagte Isak.

Im Winter drosch Isak auf der neuen Scheunentenne Korn, Inger half ihm viele Stunden lang und führte ihren Dreschflegel so gut wie er, während die Kinder im Heu spielten. Die Ähren gaben große dicke Körner. Gegen Neujahr war eine gute Schlittenbahn, und Isak fing an Klafterholz fürs Dorf zu richten; er hatte jetzt feste Käufer, und sein im Sommer getrocknetes Holz wurde gut bezahlt.

Eines Tages kam er mit Inger überein, das fette Kalb, das von Goldhorn stammte, mitzunehmen und es zu Madam Geißler zu bringen nebst einem Ziegenkäse. Die Madam war entzückt und fragte ihn, was die Sachen kosteten. — Nichts, sagte Isak, der Lensmann hat es schon bezahlt. — Gott segne ihn, hat er das getan? sagte Frau Geißler gerührt. Sie gab Isak für Eleseus und Sivert Bilderbücher und Kuchen und Spielsachen mit. Als Isak heimkam und Inger die Sachen sah, wendete sie sich ab und begann zu weinen. Was hast du denn? fragte Isak. — Nichts, antwortete Inger. Aber gerade jetzt wäre sie ein Jahr alt gewesen und hätte alles dieses sehen können. — Jawohl, aber du weißt doch, wie sie gewesen ist, erwiderte Isak, um Inger zu trösten. Und außerdem ist es möglich, daß es nicht so schlimm ausfällt. Ich habe mich erkundigt, wo Geißler sich aufhält. — Inger horchte auf. Ja, kann er uns denn helfen? fragte sie. — Das weiß ich nicht.