Aber ja, Inger hatte wohl etwas gewußt. Sie hatte vielleicht auch durch irgend jemand Oline Nachricht zukommen lassen. Als Isak von Schweden heimkam, war Inger abgeholt worden, und Oline war bei den beiden Kindern geblieben.

Das war eine traurige Nachricht für Isak bei seiner Heimkehr, als er mit lauter Stimme nach Inger rief und keine Antwort bekam. Ist sie fort? fragte er. — Ja, antwortete Oline. — An welchem Tag war es? — Am Tag, nachdem du weggegangen warst. — Jetzt erriet Isak, daß Inger bei der Entscheidung wieder allein hatte sein wollen und sie ihn deshalb auch gebeten hatte, alles Geld mitzunehmen. Ach, Inger hätte gern ein paar Groschen für die große Reise haben können!

Aber die kleinen Jungen waren gleich ganz in Anspruch genommen von dem netten gelben Ferkelchen, das Isak mitgebracht hatte. Das war übrigens auch das einzige, was er mitbrachte. Geißlers Adresse war veraltet. Geißler war nicht mehr in Schweden, er war in Drontheim. Aber das Ferkelchen hatte Isak auf seinen Armen von Schweden herübergetragen, er hatte es mit Milch aus seiner Flasche geatzt und im Gebirge mit ihm auf der Brust geschlafen. Er hatte Inger eine Freude machen wollen, jetzt spielten Eleseus und Sivert damit und hatten großen Spaß daran. Das zerstreute Isak ein wenig. Dazu kam noch, daß Oline vom Lensmann grüßen konnte und ausrichtete, der Staat sei endlich auf den Verkauf von Sellanraa eingegangen, und Isak solle nur in die Amtsstube des Lensmanns hinunterkommen und bezahlen. Das war eine gute Nachricht, und sie riß Isak aus seiner tiefsten Niedergeschlagenheit heraus. Obgleich er noch recht müde und steifbeinig von seiner Reise war, packte er neuen Mundvorrat zusammen und wanderte gleich ins Dorf hinunter. Er hatte wohl eine leise Hoffnung, Inger noch dort zu treffen.

Aber diese Hoffnung ging nicht in Erfüllung, Inger war fort, für acht Jahre. Isak wurde es öde und düster zumute, und er verstand nur das eine und andere von dem, was der Lensmann sagte. Es sei traurig, daß so etwas vorkommen könne. Er hoffe, es werde Inger eine Lehre sein, daß sie sich bekehre und ein besserer Mensch werde und ihre Kinder nicht mehr umbringe.

Lensmann Heyerdahl war seit dem vorigen Jahr verheiratet. Seine Frau wollte nicht Mutter werden und wollte keine Kinder haben — sie bedankte sich dafür. Und sie hatte auch keine.

Endlich kann ich auch die Sache Sellanraa abschließen, sagte der Lensmann dann. Das Königliche Ministerium ist einigermaßen nach meinen Vorschlägen auf den Verkauf eingegangen. — So, sagte Isak. — Es hat lang gedauert, aber ich habe die Befriedigung, daß meine Arbeit nicht vergeblich gewesen ist! Was ich geschrieben habe, ist beinahe Punkt für Punkt durchgegangen. — Punkt für Punkt, wiederholte Isak und nickte. — Hier ist die Urkunde. Du kannst sie beim nächsten Thing verlesen lassen. — Ja, sagte Isak. Was muß ich bezahlen? — Zehn Taler jährlich. Hier hat das Ministerium allerdings eine kleine Veränderung vorgenommen, anstatt fünf Taler jährlich zehn. Ich weiß nicht, wie du das aufnimmst? — Wenn ich es nur leisten kann, antwortete Isak. — Und zehn Jahre lang. — Isak sah erschrocken auf. — Ja, das Ministerium will auf nichts anderes eingehen, sagte der Lensmann. — Und das ist auch gar keine Bezahlung für ein so großes Grundstück, urbar gemacht und so angebaut, wie es nun dasteht.

Isak hatte die zehn Taler für dieses Jahr, er hatte sie für Klafterholz und die Ziegenkäse bekommen, die Inger zusammengespart hatte. Er bezahlte, und es blieb ihm noch ein Rest übrig.

Es ist wirklich ein Glück für dich, daß das Ministerium nichts von der Tat deiner Frau erfahren hat, fuhr der Lensmann fort. Sonst hätten sie vielleicht einen anderen Käufer dafür genommen. — So, sagte Isak, und dann fragte er: Und sie ist also nun für volle acht Jahre fort? — Ja, das läßt sich nicht ändern, die Gerechtigkeit muß ihren Lauf haben. Ihre Strafe ist übrigens milder als mild. Das nächste, was du nun zu tun hast, ist, eine deutliche Grenzscheide zwischen dir und dem Staatseigentum auszuhauen. Rode alles mit Stumpf und Stiel aus, in gerader Linie nach den Merkzeichen, die ich angegeben und in mein Protokoll eingetragen habe. Das Holz gehört dir. Ich werde später hinaufkommen und nachsehen.

Isak wanderte heim.