Isak ging auf den Hofplatz hinaus und blieb bei der fremden Kiste stehen. Noch überlegte er, ja, er schob seinen Hut schief und kratzte sich am Kopfe, dabei sah er ganz keck und flott aus, wie ein Spanier sah er aus. Aber dann mußte er ungefähr so gedacht haben: Ach, da stehe ich und bin weit davon entfernt, ein prächtiger, ausgezeichneter Mensch zu sein, ich bin ein Hund! Dann schnürte er den Strick um die Kiste fest zu, hob die Mütze auf und trug beides wieder in die Scheune hinein. Nun war es getan.

Als er wieder aus der Scheune heraustrat und sich nach der Mühle wandte, weg von seinem Hause, weg von allem, da stand Inger nicht am Fenster, nein. Nun wohl, mag sie stehen, wo sie will, übrigens war sie wohl in ihrem Bett, wo hätte sie sonst sein sollen? Aber in den alten Tagen, in den ersten unschuldigen Jahren auf der Ansiedlung, da hatte Inger keine Ruhe gehabt, sondern war aufgeblieben und hatte auf ihn gewartet, wenn er auf dem Heimweg vom Dorfe war. Das war jetzt anders geworden, alles war anders geworden. Auch als er ihr den Ring gab — ach, hätte etwas mehr mißglückt sein können? Isak war übermäßig bescheiden gewesen und weit entfernt, von einem echt goldenen Ring zu sprechen. Es ist nichts Besonderes, hatte er gesagt, steck ihn einmal an den Finger und probier, ob er dir paßt. — Ist das Gold? fragte sie. — Ja, aber er ist nicht sehr breit, versetzte er. — Doch! hätte sie erwidern sollen, sie sagte indes: Nein, aber gerade recht. — Du kannst ihn ja jetzt behalten wie sonst eine Kleinigkeit, sagte er schließlich niedergeschlagen.

Aber Inger war doch dankbar für den Ring, sie trug ihn an der rechten Hand und ließ ihn funkeln, wenn sie nähte; ab und zu durften ihn die Mädchen anprobieren und ihn eine Weile am Finger behalten, wenn sie bei ihr waren und sie wegen eines neuen Kleides um Rat fragten. Begriff denn Isak nicht, daß sie ungeheuer stolz auf den Ring war! ...

Aber es war sehr einsam, da in der Mühle zu sitzen und die ganze lange Nacht dem Brausen des Sturzbaches zuzuhören. Isak hatte nichts Unrechtes getan und brauchte sich nicht zu verstecken, er ging also von der Mühle fort, heimwärts, in sein Haus. —

Und nun wurde Isak ganz beschämt, wahrlich beschämt und froh. Brede Olsen saß da, der Nachbar, niemand anderer, er saß da und trank Kaffee. Ja, Inger war auf, die beiden saßen nur beieinander und tranken Kaffee. Da ist Isak! sagte Inger in freundlichem Ton, indem sie aufstand und ihm auch eine Schale Kaffee einschenkte. Guten Abend! sagte Brede ebenso freundlich.

Isak merkte wohl, daß Brede bei dem Abschiedsfest der Telegraphenarbeiter mit dabei gewesen war; er sah übernächtigt aus, aber das tat nichts, er war fröhlich und freundlich. Natürlich tat er ein wenig groß: Eigentlich habe er keine Zeit zu dieser Telegraphenarbeit, denn er habe ja seinen Hof, aber er habe nicht nein sagen können, der Ingenieur sei so sehr in ihn gedrungen. Und dann habe es ja auch dazu geführt, daß Brede nun die Inspektorstelle über die Linie übernehmen müsse. Es sei nicht wegen der Bezahlung, sagte Brede, er könnte im Dorf drunten viel mehr verdienen, aber er habe nicht ungefällig sein wollen. Nun habe man ihm eine kleine glänzende Maschine an der Wand angebracht, die sei ganz unterhaltend, fast ein Telegraph selbst.

Isak konnte mit dem besten Willen über diesen Prahlhans und Faulpelz nicht böse sein, dafür fühlte er sich zu erleichtert, als er an diesem Abend anstatt eines Fremden seinen Nachbar in seinem Hause vorfand. Isak hatte das Gleichgewicht des Bauern, dessen einfache Gefühle, dessen Handfestigkeit, dessen Langsamkeit; er stimmte Brede zu und nickte zu seiner Oberflächlichkeit. Hast du nicht noch eine Schale Kaffee für Brede? fragte er Inger. Und Inger schenkte ein.

Übrigens erzählte Inger, der Ingenieur sei ein ganz ausgezeichnet freundlicher Herr. Er habe sich die Zeichnungen und das Geschriebene der Kinder angesehen und habe dann gesagt, er wolle Eleseus zu sich nehmen. — Zu sich nehmen? fragte Isak. — Ja, mit in die Stadt. Er solle für ihn schreiben, solle Schreiber auf seinem Büro werden, so sehr hätten ihm Eleseus' Zeichnungen und das Geschriebene gefallen. — So, sagte Isak. — Ja, was meinst du dazu? Er will ihn auch dort konfirmieren lassen. Das sind doch schöne Aussichten, nicht wahr? — Das meine ich auch, sagte Brede. Und soweit kenne ich den Ingenieur, wenn der schon so etwas sagt, dann meint er es auch. — Wir haben hier auf der Ansiedlung keinen Eleseus, den wir entbehren könnten, sagte Isak.

Nach diesen Worten wurde es eine Weile ganz still und unbehaglich in der Stube. Natürlich war Isak nicht der Mann, mit dem sich reden ließ. — Wenn nun aber der Junge selbst vorwärtskommen will, und wenn er das Genie hat, etwas Rechtes zu werden! sagte Inger schließlich. — Wieder Stille. Doch nun sagte Brede lächelnd: Wenn doch der Ingenieur eines von meinen Kindern nehmen wollte! Ich habe genug Kinder. Aber das älteste ist die Barbro, und das ist ein Mädchen. — Ja, ja, die Barbro ist recht und gut, sagte Inger, um höflich zu sein. — O ja, daran fehlt es nicht, stimmte Brede bei, die Barbro ist ein tüchtiges Mädchen, sie kommt jetzt zum Lensmann in Dienst. — Zum Lensmann? — Ja, ich habe es durchaus versprechen müssen. Die Frau Lensmann hat mir gar keine Ruhe gelassen.

Es war jetzt schon gegen Morgen, und Brede rüstete sich zum Aufbruch. — Ich habe noch meine Mütze und meine Eßkiste in eurer Scheune stehen, sagte er. Wenn nicht etwa die Burschen alles miteinander mitgenommen haben, fügte er scherzhaft hinzu.