Ja, um von Raubtieren aufgefressen zu werden, sagte Isak und ging.

Nein, du darfst nicht! rief sie und holte ihn ein. Du brauchst Schlaf, ich will gehen.

Isak ließ sich überreden. Aber er wollte auch nichts davon hören, daß Inger noch nach dem Schaf suchen sollte, und so gingen beide hinein.

Inger sah sofort nach den Kindern. Sie ging in die Kammer, trat an das Bett und tat, als sei sie aus den erlaubtesten Gründen draußen gewesen, ja, sie war nicht ganz frei davon, mit Isak ein wenig zu liebäugeln, wie wenn sie von ihm noch eine ganz andere Zuneigung erwartete, als ihr an dem ganzen Abend entgegengebracht worden war — denn jetzt hatte er ja eine volle Erklärung, meinte sie. Aber nein, danke! Isak war nicht so leicht herumzubringen, er hätte es am liebsten gesehen, wenn sie so recht betrübt gewesen wäre und nicht gewußt hätte, was sie vor Reue tun sollte. Das hätte er am liebsten gesehen. Was war denn das, daß sie im Wald draußen etwas zusammengesunken war, das ärmliche bißchen Schrecken, als er sie im Wald entdeckt hatte — was half das, wenn es so schnell wieder verflog!

Am nächsten Tag, der doch ein Sonntag war, zeigte sich Isak noch durchaus nicht versöhnt, er wanderte draußen umher, sah nach seinem Sägewerk und seiner Mühle und betrachtete seine Felder, teils mit den Kindern, teils allein. Als Inger sich einmal anzuschließen versuchte, ging Isak gleich seines Wegs und sagte: Ich muß an den Fluß hinauf und nach etwas sehen. Irgend etwas nagte offenbar an ihm, aber er trug es in der Stille und donnerte nicht los. Oh, Isak war ein Großer, zum Beispiel Israel, dem das gelobte Land wohl verheißen war, der jedoch darum betrogen worden war, aber dennoch gläubig blieb.

Am Montag war die Stimmung bedeutend leichter, und als die Tage vergingen, begann der ärgerliche Eindruck von jener Nacht sich allmählich zu verwischen. Die Zeit macht gar vieles wieder gut, mit Spucke und Lappen, mit Schlaf und Essen heilt sie alle Wunden. Isak war nicht zum schlimmsten dabei gefahren, er hatte nicht einmal Gewißheit, ob ihm Unrecht angetan worden war, außerdem hatte er an vieles andre zu denken, denn jetzt fing die Ernte an. Und schließlich war ja die Telegraphenlinie bald fertig, dann würde es wohl wieder ruhig auf dem Hof werden. Eine breite helle Straße zog sich nun durch den Laubwald hin, in ihrer Mitte standen die Stangen mit Drähten bis ganz hinauf aufs Gebirge.

Am nächsten Samstag, an dem die letzte Lohnauszahlung stattfand, richtete es Isak so ein, daß er von zu Hause abwesend war; er wollte es selbst so. Er ging mit Butter und Käse ins Dorf hinunter und kam erst in der Nacht zum Montag wieder zurück. Die Arbeiter hatten da alle miteinander die Scheune verlassen, beinahe alle, der letzte Mann schwankte mit einem Sack auf dem Rücken eben zum Hof hinaus, beinahe der letzte Mann. Daß es doch noch nicht ganz sicher war, erriet Isak an einer Eßkiste, die noch in der Scheune stand; wo der Eigentümer war, wußte er nicht, wollte es auch nicht wissen, aber eine Schildmütze lag als anstößiger Beweis auf der Eßkiste.

Isak schleuderte die Eßkiste auf den Hofplatz hinaus, und die Mütze flog hinterdrein, dann schloß er die Scheune ab, ging in den Stall und guckte durchs Fenster hinaus. Mag die Kiste da stehen und die Mütze da liegen bleiben, dachte er wohl; es ist mir einerlei, wem sie gehören, es ist eine schlechte Kiste, und ich verachte sie, dachte er wohl. Aber wenn er jetzt seine Eßkiste holen will, dann wird Isak hinausgehen und ihn ein wenig am Arm nehmen, daß er blau und grün wird. Und wo der Weg zum Hof hinausgeht, das soll er auch erfahren!

Damit verließ Isak das Fenster im Pferdestall und ging zu den Kühen hinein und sah von dort aus zum Fenster hinaus und fand keine Ruhe. Die Kiste war mit einem Strick zusammengeschnürt, der jämmerliche Kerl hatte nicht einmal ein Schloß daran; der Strick war aufgegangen — hatte Isak wohl die Kiste zu fest angepackt? Woher es auch kommen mochte, aber Isak war nicht mehr so ganz sicher, ob er auch recht gehandelt habe. Bei seinem Gang durchs Dorf hatte er nach seinem neuen Reolpflug gefragt, einem besonders starken zum Umroden von Ödland, den er bestellt hatte; oh, eine ausgezeichnete Maschine, eine Gottesgabe, ja, und diese war eben angekommen! Da war es ihm gewesen, als komme Segen mit ihr in sein Haus. Die höhere Macht, die die Schritte der Menschen lenkt, war vielleicht jetzt nahe und sah ihm zu, ob er den Segen verdiene oder nicht; Isak war immer mit den höheren Mächten beschäftigt, ja, in einer Herbstnacht hatte er im Walde draußen Gott mit eigenen Augen gesehen; das war vor allem ein merkwürdiger Anblick gewesen.