Gegen Morgen erwachte er, aber Inger war nicht da. Ist sie im Stall? dachte er. Dann stand er auf und ging in den Stall. Inger? fragte er. Keine Antwort. Die Kühe drehten die Köpfe und sahen ihn an. Alles war still. Aus alter Gewohnheit zählte er das Vieh, zählte auch das Kleinvieh, das eine Mutterschaf blieb so gern die Nacht über draußen — jetzt war es wieder draußen geblieben. Inger? fragte er wieder. Auch jetzt keine Antwort. Sie ist doch sicher nicht ganz mit hinunter ins Dorf gegangen, dachte er.

Die Sommernacht war hell und warm; Isak blieb eine Weile unter der Haustür sitzen, dann stand er auf und ging in den Wald, um nach dem Mutterschaf zu sehen. Er fand Inger. Inger hier? Ja, Inger und noch einer. Sie saßen im Heidekraut, Inger ließ seine Schildmütze auf ihrem Zeigefinger tanzen, sie sprachen miteinander, Inger war wieder umworben.

Isak ging leise zu ihnen hin. Inger wendete sich um und sah ihn. Da wurde sie weiß wie ein Leintuch, der Kopf sank ihr auf die Brust, sie ließ die Mütze fallen, war vernichtet. — Hm! Weißt du, daß das Mutterschaf wieder fehlt? sagte Isak. Aber das weißt du natürlich nicht, sagte er.

Der junge Telegraphenarbeiter hob seine Mütze auf und verzog sich seitwärts in die Büsche. Ich muß wohl den anderen nachgehen, sagte er. Ja, gute Nacht, sagte er und ging. Niemand erwiderte seinen Gruß.

So, du sitzest hier? sagte Isak. Mußt du hier sitzen?

Er wendete sich heimwärts, und Inger richtete sich auf die Knie auf; sie kam auf die Füße und ging ihm nach. So gingen sie dahin, der Mann voraus, die Frau hinterdrein, Tandem. Sie kamen heim.

Inger hatte wohl indessen Zeit gehabt, sich zu fassen. Und sie faßte sich: Ich wollte gerade nach dem Mutterschaf sehen, sagte sie, denn ich hatte gesehen, daß es nicht da war. Dann kam der Mann, er hat mir beim Suchen geholfen. Wir hatten uns kaum hingesetzt gehabt, als du kamst. Wo willst du jetzt hin?

Ich? Ich muß wohl nach dem Tier sehen.

Nein, jetzt sollst du zu Bett gehen. Und wenn noch jemand suchen soll, so werde ich es tun. Geh du nur zur Ruhe, du kannst sie notwendig brauchen. Im übrigen kann das Schaf auch draußen übernachten, das hat es schon öfters getan.