Er lief wieder ins Haus hinein, es quietschte in seinen Stiefeln, so naß waren sie. Er stellte Isak bei den Holzrinnen an; er müsse viele Rinnen machen, und sie müßten da und dort, wo der Boden nicht durch einen Graben aufgerissen werden dürfe, gelegt werden. Isak versuchte einzuwenden, daß das Wasser vielleicht nicht bis dahin dringen würde, es sei ein sehr weiter Weg, der trockene Boden werde es aufsaugen, ehe es bis an die versengten Stellen gelange. Geißler erklärte, ja, es werde wohl eine Weile dauern, die Erde werde zuerst tüchtig aufschlucken, aber dann werde die Feuchtigkeit weitergehen. — Morgen um diese Zeit werden Acker und Wiese wieder grün sein! — So, sagte Isak und nagelte aus Leibeskräften Rinnen zusammen.

Geißler ging zu Sivert zurück. So ist's recht, sagte er, mach nur so weiter, ich habe gleich gesehen, daß du ein Prachtkerl bist! Die Linie muß nach diesen Pflöcken laufen. Triffst du auf große Steine oder Felsblöcke, so weich aus, aber bleib in der gleichen Höhe. Verstehst du, in derselben Höhe!

Wieder ging's zurück zu Isak. Jetzt hast du eine Rinne fertig, aber wir brauchen sechs. Spute dich, Isak, morgen wird alles grün sein, und deine Ernte ist gerettet!

Geißler setzte sich auf den Hügel, legte beide Hände auf die Knie und war entzückt; er plauderte, blitzschnell kamen ihm die Gedanken. Hast du Pech, hast du Werg? Das ist ausgezeichnet, alles hast du. Denn im Anfang werden ja die Rinnen lecken, dann aber ziehen sie an und werden so dicht wie Flaschen. Du sagst, du habest Werg und Pech vom Bootbauen, nun, wo ist das Boot? Droben im Gebirgssee? Das will ich mir auch ansehen.

Oh, der Geißler versprach so viel! Er war ein flüchtiger Herr und war noch unruhiger geworden als früher, alles mußte bei ihm sozusagen im Sprung geschehen. Aber dann ging es auch im Sturm. Er war nicht ohne Überlegenheit. Natürlich war er zu Übertreibungen geneigt. Acker und Wiese konnten unmöglich über Nacht grün werden; aber Geißler war rasch im Erfassen und Beschließen; wenn die Ernte auf Sellanraa gerettet wurde, war es wirklich diesem merkwürdigen Mann zu verdanken.

Wie viele Rinnen hast du jetzt? Das ist zu wenig. Je mehr Holzrinnen du hast, desto glatter läuft das Wasser. Wenn du zehn bis zwölf zehn Ellen lange Rinnen zusammennagelst, so fährst du gut dabei. Was sagst du, du habest zwölf Ellen lange Bretter? Dann nimm sie, es bezahlt sich bis zum Herbst.

Danach hatte Geißler wieder keine Ruhe mehr. Er stand auf und lief abermals zu Sivert hinüber. Großartig, Sivert, jetzt geht's gut! Dein Vater hämmert die Rinnen zusammen und dichtet sie, wir bekommen mehr, als ich mir zuerst dachte; geh jetzt und hole die Rinnen, wir wollen anfangen!

Den ganzen Nachmittag herrschte ein großes Gehetze, das war die tollste Arbeit, die Sivert je mitgemacht hatte, ein ihm ganz unbekanntes Tempo. Sie gönnten sich keine Zeit, zum Essen hineinzugehen. Aber jetzt lief das Wasser! Da und dort mußten sie tiefer graben, da und dort mußte eine Rinne gehoben oder tiefer gelegt werden, aber das Wasser lief! Bis zum späten Abend gingen die drei Männer umher, verbesserten und förderten ihre Arbeit und waren ernsthaft davon erfüllt; und als die Flüssigkeit anfing, über die ausgetrockneten Stellen hinzurieseln, blitzte ein heller Freudenstrahl in den Herzen der Hofbewohner auf.

Ich habe meine Uhr vergessen, wieviel Uhr ist es denn? fragte Geißler. Ja, grün, morgen um diese Zeit! sagte er.

Sogar in der Nacht stand Sivert auf und sah nach der Wasserleitung. Er begegnete seinem Vater, der zu demselben Zweck draußen war. Ach Gott, welche Spannung und welches Ereignis im Ödland!