Nein, Axel und Barbro waren nicht immer einig. Sie war nun schon zwei Jahre bei ihm, aber es hatte immer ab und zu Streit gegeben, hauptsächlich weil Barbro wieder fort wollte. Er drang in sie, wollte, sie solle für immer dableiben, sich ganz bei ihm niederlassen und seine Gamme und sein Leben mit ihm teilen, er wußte, wie schlimm es wäre, wenn er wieder ohne Hilfe sein müßte — sie hatte ihm auch schon mehrere Male versprochen, seinen Antrag anzunehmen, ja, in liebevollen Stunden konnte sie sich gar nichts anderes denken als dazubleiben. Aber sobald sich ein Streit entspann, drohte sie mit dem Fortgehen, und wenn sie auch nichts anderes sagte als: sie wolle in die Stadt und ihre Zähne herrichten lassen, sie fielen ihr sonst aus. Fortgehen, fortgehen! Er mußte sie irgendwie an den Ort fesseln können.

Fesseln? Es klang, als höhne sie einer jeden Fessel.

So, du willst auch jetzt fortgehen? sagte er. — Und wenn dem so wäre? versetzte sie. — Kannst du denn reisen? — Kann ich nicht? Du meinst, ich sei in Not, weil es dem Winter zugeht, aber ich kann in Bergen jederzeit eine Stelle bekommen. — Da sagte Axel sehr ruhig: Das kannst du jedenfalls vorderhand nicht! Du sollst doch ein Kind bekommen? — Ein Kind? Nein, von was für einem Kind redest du da? — Axel starrte sie an. War Barbro verrückt geworden?

Etwas anderes war, daß Axel selbst vielleicht etwas zu wenig nachsichtig war: seit er nun diesen Anspruch auf sie hatte, war er mit etwas zu großer Sicherheit aufgetreten; das war unklug, er brauchte ihr ja nicht sooft zu widersprechen und sie zu reizen; es wäre nicht notwendig gewesen, ihr im Frühjahr geradezu zu befehlen, die Kartoffeln zu legen, er hätte sie zur Not allein legen können. Wenn sie erst verheiratet wären, würde schon die Zeit kommen, wo er sich zum Herrn aufwerfen konnte, aber bis dahin mußte er seinen Verstand gebrauchen und nachgeben.

Aber das Schmähliche war eben die Sache mit diesem Kontoristen, dem Eleseus, der mit glatten Redensarten und einem Spazierstock einhergeschlendert kam. War nun das ein Benehmen für ein verlobtes Mädchen in ihrem Zustand? War so etwas überhaupt zu begreifen? Bis jetzt war Axel ohne Nebenbuhler hier gewesen. Ja, so änderte sich die Lage!

Hier sind neue Zeitungen für dich, sagte Axel. Und hier ist eine Kleinigkeit, die ich für dich gekauft habe. Du kannst nun sehen, ob es dir gefällt. — Sie war kalt. Obgleich alle beide kochend heißen Kaffee tranken, antwortete sie eiskalt: Ich wette, es ist ein goldener Ring, den du mir schon seit über einem Jahr versprochen hast.

Da hatte sie sich jedenfalls vergaloppiert, denn es war tatsächlich der Ring. Ein goldener Ring war es allerdings nicht, und einen solchen hatte er ihr auch nie versprochen, daran erinnerte sie sich jetzt: aber es war ein silberner Ring mit zwei vergoldeten Händen darauf, also ein echter karatgestempelter. Aber ach, der unglückselige Aufenthalt in Bergen! Barbro hatte dort richtige Verlobungsringe gesehen, man sollte ihr nur nichts weismachen wollen! — Diesen Ring kannst du selbst behalten, sagte sie. — Was fehlt denn daran? — Was daran fehlt? Nichts fehlt daran, antwortete sie. Damit stand sie auf und begann den Tisch abzuräumen. — Du kannst ja diesen vorläufig haben, später wird sich dann vielleicht auch noch ein anderer finden, sagte Axel. — Darauf erwiderte Barbro nichts.

Übrigens war Barbro an dem Abend recht schlecht. War nicht ein neuer silberner Ring dankenswert? Dieser vornehme Kontorist hatte ihr wohl den Kopf verdreht. Axel konnte sich nicht enthalten zu sagen, was dieser Eleseus immer hier zu suchen habe. Was will er von dir? — Von mir? — Ja, sieht denn der Mensch nicht, wie es um dich bestellt ist? Sieht er dich denn nicht an? — Barbro stellte sich vor Axel hin und sagte: So, du meinst wohl, du habest mich nun an dich gebunden, aber du sollst sehen, daß das erlogen ist. — So, sagte Axel. — Ja, und du sollst sehen, daß ich auch von hier fortgehe. — Darauf verzog Axel nur den Mund zu einem leichten Lächeln, aber er tat es nicht einmal offen und in die Augen fallend, denn er wollte sie nicht reizen. Dann sagte er beruhigend wie zu einem Kinde: Nun sei einmal artig, Barbro. Du weißt ja, du und ich!

Und natürlich, spät in der Nacht endete es damit, daß Barbro wieder freundlich wurde und sogar mit dem silbernen Ring am Finger einschlief.

Oh, es würde wohl alles wieder gut werden!