Die Zeit verging, sie war vergeudet, die beiden kamen sich nicht näher; Barbro war und blieb launisch. Er versuchte ihr wieder vom Nachbardorf zu erzählen und vergaß wieder nicht, daß er eine Rede gehalten hatte: Ich hatte allerdings nicht so besonders viel zu sagen, aber einige waren doch zu Tränen gerührt. — So, sagte sie. — Und an einem Sonntag bin ich in der Kirche gewesen. — Hast du da mit einer angebändelt? — Ob ich mit einer angebändelt habe? Ich war nur dort und habe mich umgesehen. Der Pfarrer predigte nicht besonders nach meiner unmaßgeblichen Meinung, er hatte keinen guten Vortrag.

Die Zeit verging.

Was meinst du wohl, was Axel denken wird, wenn er dich so spät hier antrifft? fragte Barbro plötzlich. — Ach, wenn sie ihm einen Stoß vor die Brust versetzt hätte, hätte er nicht mutloser werden können. Hatte sie denn das letztemal ganz vergessen? War nicht verabredet worden, daß er am heutigen Abend kommen sollte? Er war schwer gekränkt und murmelte: Ich kann ja wieder gehen! — Darüber schien sie sich nicht zu entsetzen. — Was habe ich dir getan? fragte er mit bebenden Lippen. Es schien ihm sehr tief zu gehen, er war in großer Not. — Mir getan? Ach, du hast mir nichts getan. — Aber was ist denn mit dir heute abend? — Mit mir? Hahaha! Aber im übrigen kann ich mich nicht darüber wundern, wenn Axel böse wird. — Ich werde gehen, wiederholte Eleseus. Aber sie erschrak wieder nicht darüber, sie machte sich nichts aus ihm, und es war ihr einerlei, daß er da vor ihr saß und mit seinen Gefühlen kämpfte. Oh, sie war eine Canaille!

Nun begann der Ärger in ihm aufzukochen. Zuerst äußerte er ihn in feiner Weise: sie sei wahrlich keine vorteilhafte Repräsentantin des weiblichen Geschlechtes. Und als das nichts half — oh, er hätte lieber schweigen und ertragen sollen, sie wurde nur immer schlimmer. Aber er wurde auch nicht besser, sondern sagte: Wenn ich gewußt hätte, wie du bist, wäre ich heute abend gar nicht heruntergekommen. — Und was dann? versetzte sie. Dann hättest du deinen Stock, den du da in der Hand hältst, nicht spazierengetragen. — Oh, Barbro war in Bergen gewesen, sie konnte spotten, sie hatte auch ordentliche Spazierstöcke gesehen, deshalb konnte sie jetzt so unverschämt fragen, was das für ein geflickter Regenschirmstock sei, mit dem er anstolziert komme? — Er ertrug es. Dann möchtest du wohl auch deine Photographie wiederhaben? fragte er. — Wenn das nicht wirkte, dann wirkte nichts mehr. Ein Geschenk zurücknehmen, das war das Äußerste, was man sich im Ödland denken konnte! Was machst du dir denn daraus? antwortete sie ausweichend. — Gut, erklärte er keck, ich werde sie dir sofort zurückschicken. Gib mir nun auch meinen Brief wieder.

Damit stand er auf.

Jawohl, sie gab ihm den Brief, aber da traten ihr auch die Tränen in die Augen, und ihre Laune schlug plötzlich um. Das Dienstmädchen war gerührt, der Freund verließ sie, leb' wohl zum letztenmal! Du brauchst nicht zu gehen, sagte sie, ich mache mir nichts daraus, was Axel glaubt. — Aber jetzt wollte er seinen Vorteil ausnützen, und so verabschiedete er sich. Denn wenn eine Dame so ist wie du, dann absentiere ich mich, sagte er.

Langsam wanderte er von der Gamme weg heimwärts, er pfiff und schwang seinen Stock und tat ganz unbekümmert. Bah! Eine kleine Weile nachher kam Barbro auch heraus und rief ihm ein paarmal nach. Jawohl, er blieb stehen, das tat er, aber er war ein beleidigter Löwe. Sie setzte sich ins Heidekraut und schien ihr Benehmen zu bereuen, sie zerrte an einem Heidekrautbüschel, und allmählich wurde er wieder vernünftiger, ja, er bat sie sogar noch um einen Kuß, zum letzten Abschied, sagte er. — Nein, das wollte sie nicht. — So sei doch so reizend wie das letztemal! sagte er. Er schwänzelte von allen Seiten um sie herum und ging immer rascher und rascher, um womöglich eine Gelegenheit zu erwischen. Aber sie wollte nicht reizend sein, sie erhob sich, und da stand sie. Da nickte er nur und ging.

Als er außer Sehweite war, trat plötzlich Axel hinter einigen Büschen hervor. Barbro fuhr zusammen und fragte: Wie ist denn das, kommst du von oben herunter? — Nein, ich komme von unten herauf, antwortete er, aber ich habe euch beide hier heraufgehen sehen. — Ach so, wirklich! Ja, davon wirst du fett werden! rief sie auf einmal rasend, sie war auch jetzt ebenso schlechter Laune wie vorher! Was brauchst du da herumzuschnüffeln? Was geht es dich an? — Axel war auch nicht gerade freundlich. — So, er ist also heute auch wieder hier gewesen? — Und wenn auch? Was willst du von ihm? — Was ich von ihm will? Nein, was willst du von ihm? Du solltest dich schämen! — Mich schämen? Sollen wir darüber schweigen, oder sollen wir darüber reden? fragte Barbro nach einer alten Redensart. Ich will nicht wie ein altes Steinbild in deiner Gamme sitzen, daß du es weißt. Warum ich mich schämen sollte? Wenn du eine andere Haushälterin nehmen willst, dann gehe ich meiner Wege. Du brauchst nur deinen Mund zu halten, wenn es nicht schändlich ist, dich überhaupt darum zu bitten. Da hast du meine Antwort. Jetzt werde ich auf der Stelle hineingehen, dir dein Essen anrichten und Kaffee kochen, dann kann ich nachher tun, was ich will.

Unter fortwährendem Zanken ging sie hinein.