Axel fühlte sich wieder auf die Seite gesetzt und ging hinaus; nun waren die beiden abermals allein. Sie waren gleichaltrig, waren zusammen in die Schule gegangen, hatten miteinander gespielt, umhergetollt und sich geküßt; jetzt frischten sie mit unendlicher Überlegenheit die Kindheitserinnerungen auf, und Barbro spielte sich ordentlich auf, das war nicht zu verkennen. Natürlich war Eleseus nicht zu vergleichen mit den großen Kontoristen in Bergen, die Kneifer und goldene Uhren hatten, aber hier auf dem Ödland war er unleugbar ein richtiger Herr. Und nun holte sie ihre Photographie von Bergen herbei und zeigte sie ihm: so habe sie damals ausgesehen, und wie jetzt! — Was soll dir denn jetzt fehlen? fragte er. — So, du meinst, ich habe nicht verloren? — Verloren? Ich will dir nur ein für allemal sagen, daß du jetzt doppelt so hübsch bist, überhaupt voller geworden, sagte er. Verloren? Nein, das ist klassisch! sagte er. — Aber findest du mein Kleid, das am Hals und im Rücken ausgeschnitten ist, auf dem Bild nicht hübsch? Und dann hatte ich auch, wie du siehst, eine silberne Kette, die habe ich von einem der Kontoristen, bei denen ich war, geschenkt bekommen. Aber dann habe ich sie verloren; das heißt nicht geradezu verloren, sondern ich brauchte Geld, als ich heimreiste. — Eleseus fragte: Kann ich nicht die Photographie bekommen? — Sie bekommen? Und was bekomme ich dafür? Oh, Eleseus wußte recht gut, was er am liebsten geantwortet hätte, aber er wagte es nicht zu sagen. Ich werde mich photographieren lassen, wenn ich wieder in der Stadt bin, dann bekommst du meine auch, sagte er dagegen. Sie aber nahm das Bild wieder an sich und sagte: Nein, ich habe nur noch die eine. — Da wurde es düster in seinem jungen Herzen, und er streckte die Hand nach dem Bild aus. — Ja, ja, dann gib mir gleich etwas dafür! sagte sie lachend. Oh, da griff er zu und küßte sie herzlich ab.

Nun wurde es ungezwungener; Eleseus entfaltete sich, er wurde großartig. Sie liebäugelten und lachten und scherzten. Als du nach meiner Hand gefaßt hast, war das so weich wie ein Samtpfötchen, sagte er. — Ja, ja, nun fährst du bald wieder in die Stadt, und dann kommst du wohl nie mehr hierher, sagte Barbro. — Hältst du mich für so schlecht? versetzte Eleseus. — Hast du niemand dort, der dich zurückhält? — Nein. Unter uns gesagt, ich bin nicht verlobt, sagte er. — Doch, das bist du gewiß. — Nein, es ist tatsächlich wahr, was ich sage.

Sie scherzten und liebäugelten lange miteinander, Eleseus war ganz verliebt. Ich werde dir schreiben, sagte er, darf ich das? — Ja, antwortete sie. — Ja, denn ich will nicht kleinlich sein und es nicht ohne Erlaubnis tun! Doch plötzlich wurde er eifersüchtig und fragte: Es heißt, du seiest mit Axel hier verlobt. Ist es so? — Mit ihm, dem Axel! sagte sie so verächtlich, daß es ihn tröstete. Er wird sich brennen! sagte sie. Dann bereute sie ihre Worte, und sie fügte hinzu: Der Axel ist schon recht. Und er hält eine Zeitung für mich und macht mir sehr oft Geschenke, ich kann nichts anderes sagen. — Gott bewahre mich, er kann in seiner Art ein höchst vorzüglicher und unvergleichlicher Mann sein, gab Eleseus zu, aber das ist nun einmal nicht der Kernpunkt.

Aber bei dem Gedanken an Axel mußte sich Barbro wohl etwas beunruhigt fühlen, sie stand auf und sagte zu Eleseus: Nein, jetzt mußt du gehen, ich muß in den Stall.

Am nächsten Sonntag ging Eleseus bedeutend später als sonst hinunter, und er hatte den Brief selbst mitgenommen. Das war ein Brief. Das Entzücken und Kopfzerbrechen einer ganzen Woche hatten ihn zustande gebracht, ihn ausgedacht! An Fräulein Barbro Bredesen, zwei- bis dreimal habe ich nun das für mich so unaussprechliche Glück gehabt, dich wiederzusehen ...

Wenn er nun so spät am Abend ankam, mußte wohl Barbro im Stall fertig sein, ja, sie war vielleicht eben zu Bett gegangen. Doch das schadete nichts, es paßte im Gegenteil gerade gut.

Barbro war jedoch auf und saß in der Gamme. Aber jetzt sah es plötzlich aus, als wolle sie gar nicht mehr zärtlich sein, nein, durchaus nicht. Eleseus bekam den Eindruck, daß Axel wohl hinter ihr her gewesen sein und sie ermahnt haben mußte. — Bitte, hier ist der Brief, den ich dir versprochen habe. — Danke! sagte sie, indem sie den Brief öffnete und ihn ohne ersichtliche Freude las. — Ich hätte wohl ebensogut schreiben können wie du! sagte sie. — Er war enttäuscht, was hatte sie nur? Und wo war Axel? Fort. Er war dieser törichten Sonntagsbesuche vielleicht überdrüssig und wollte nicht dabeisein; aber er konnte ja auch eine notwendige Besorgung gehabt haben, so daß er gestern ins Dorf hinuntergegangen war. Fort war er jedenfalls.

Warum sitzt du denn an einem so schönen Abend in der dumpfen Gamme? Komm mit heraus! sagte Eleseus. — Ich warte auf Axel, antwortete sie. — Auf Axel? Kannst du nicht ohne den Axel sein? — Doch, aber soll er etwa nichts zu essen haben, wenn er kommt?