Oh, Klein-Sivert konnte ihm leicht das versprechen, was der Oheim hinterlassen würde!
Die Brüder scherzten darüber, Sivert war nicht niedergeschlagen, im Gegenteil, vielleicht hätte er sich schließlich mehr gegrämt, wenn er wirklich fünftausend Taler verschleudert hätte. Er wußte wohl, daß er aus reiner Berechnung nach dem Oheim genannt worden war, er hatte also auch nichts von ihm verdient. Jetzt zwang er Eleseus die Erbschaft förmlich auf: Ja, gewiß mußt du sie annehmen, komm, wir wollen es schriftlich machen! sagte er. Ich gönne es dir, wenn du reich wirst. Verschmäh es nicht!
Sie hatten viel Spaß miteinander. Sivert war in der Tat der, der Eleseus am meisten half, das Leben daheim auszuhalten, vieles wäre ohne Sivert schwerer für Eleseus gewesen.
Jetzt war übrigens Eleseus wieder tüchtig verdorben worden, die drei Wochen Müßiggang jenseits des Gebirges waren nicht vom Guten für ihn gewesen; er war da auch in die Kirche gegangen und hatte sich gut herausgeputzt, ja, er war auch mit jungen Mädchen zusammengetroffen. Daheim auf Sellanraa gab es keine. Jensine, die Magd, war nicht zu rechnen, sie war nur ein Arbeitstier, sie paßte besser für Sivert. — Ich möchte wohl wissen, wie die Barbro von Breidablick geworden ist, seit sie erwachsen ist, sagte er. — Geh hinunter zu Axel Ström und sieh sie dir an, entgegnete Sivert.
An einem Sonntag machte sich Eleseus auf den Weg. Jawohl, er war auswärts gewesen und hatte Mut und Lustigkeit wiedergefunden, hatte Blut geleckt, in Axels Gamme lebte er wieder auf. Barbro selbst war keineswegs zu verachten, jedenfalls war sie die einzige hier in der Gegend; sie spielte Gitarre und war witzig, außerdem roch sie nicht nach Rainfarn, sondern nach echten Sachen, nach Haarwasser. Seinerseits gab Eleseus zu verstehen, daß er nur in den Ferien daheim sei, das Büro werde ihn bald zurückberufen. Immerhin sei es angenehm, wieder einmal daheim zu sein, wieder in der alten Heimat, und er habe jetzt droben die Kammer für sich allein zum Bewohnen. Aber es sei eben doch nicht die Stadt!
Nein, das weiß Gott, daß das Ödland nicht die Stadt ist! stimmte Barbro bei.
Axel selbst kam diesen beiden Stadtkindern gegenüber nicht recht zur Geltung. Er langweilte sich und ging hinaus auf seine Felder. Nun hatten die beiden freie Hand, und Eleseus war großartig. Er erzählte, er sei im Nachbardorfe gewesen und habe dort einen Oheim begraben, auch vergaß er nicht zu sagen, daß er am Sarge eine Rede gehalten hatte.
Als er ging, sagte er zu Barbro, sie solle ihn ein Stück Wegs begleiten. Aber nein, danke! — Ist es Sitte und Brauch in der Stadt, daß die Damen die Herren heimbegleiten? fragte sie. — Da wurde Eleseus wahrhaftig rot und verstand, daß er sie beleidigt hatte.
Trotzdem ging er am nächsten Sonntag wieder aufs Nachbargut, und da trug er den Spazierstock in der Hand. Die beiden unterhielten sich wieder wie das letztemal, und Axel wurde wieder übersehen: Dein Vater hat jetzt einen großen Hof, er hat sehr viel gebaut, sagte er. — O ja, und er hat auch das Geld zum Bauen. Vater kann alles, was er will! antwortete Eleseus und prahlte drauflos; für uns andere arme Schlucker ist es nicht so leicht. — Wieso? — Na, habt ihr es nicht gehört? Jetzt eben sind einige schwedische Millionäre bei ihm gewesen und haben ihm einen Kupferberg abgekauft. — Was du da sagst? Und hat er viel Geld dafür bekommen? — Kolossal viel. Ja, ja, ich will nicht prahlen, aber es waren jedenfalls viele Tausend. Aber was ich sagen wollte: Bauen, sagtest du? Ich sehe, du hast Zimmerholz draußen liegen, wann willst du selbst bauen? — Niemals, warf Barbro ein.
Niemals! Das war nun Vorwitz oder Übertreibung. Axel hatte im letzten Herbst Steine ausgebrochen und sie im Winter hergefahren; jetzt im Sommer hatte er die Mauer samt Keller und allem andern fertiggemacht, er brauchte nur noch das Haus aufzurichten. Er sagte, er hoffe das Haus schon im Herbst unter Dach zu bringen, er habe auch schon daran gedacht, Sivert zu bitten, ihm ein paar Tage zu helfen, was Eleseus dazu meine? — O ja, meinte Eleseus. Aber du kannst mich bekommen, fügte er lächelnd hinzu. — Euch? sagte Axel ehrerbietig und redete ihn plötzlich mit Euch an. Ihr habt Genie für andere Sachen. — Wie das schmeckte, sogar hier im Ödland anerkannt zu werden. Ich fürchte sehr, daß diese meine Hände nicht dazu taugen, sagte Eleseus auch und tat äußerst vornehm. — Laß mich sehen! sagte Barbro, indem sie seine Hand ergiff.