Auf dem Heimweg in seines Vaters Gesellschaft mußte Eleseus seinen Überzieher offen tragen, den Spazierstock aber verbarg er in seinem Ärmel. Es ging alles gut, bis sie im Boot übers Wasser fuhren; da stieß Isak aus Versehen an den Rock, und ein Krach ließ sich hören. — Was war das? fragte Isak. — O nichts, antwortete Eleseus.

Aber der zerbrochene Stock wurde nicht weggeworfen; als sie heimkamen, suchte Eleseus nach einem passenden Ring um die Bruchstelle. — Können wir ihn nicht speideln? fragte Sivert, der große Spaßvogel. Sieh hier, wenn wir auf beiden Seiten einen guten Holzspan legen und mit Pechdraht umwickeln ...? — Ja, ich werde dich mit Pechdraht umwickeln! erwiderte Eleseus. — Hahaha! Ach so, du willst wohl lieber ein rotes Strumpfband herumwickeln? — Hahaha! lachte auch Eleseus, aber dann ging er zu seiner Mutter hinein, und bei ihr bekam er einen alten Fingerhut, von dem er den oberen Teil abfeilte, wodurch er dann einen sehr schönen Ring für den Spazierstock bekam. Oh, Eleseus war gar nicht so ungeschickt mit seinen langen Fingern.

Die Brüder trieben immer noch ihren Spaß miteinander. Bekomme ich das, was der Oheim Sivert hinterlassen hat? fragte Eleseus. — Ob du es bekommst? Wieviel ist es? versetzte Sivert. — Hahaha! Du willst zuerst wissen, wieviel es ist, du Geizhals! — Ja, du kannst es gern haben, sagte Sivert. — Es wird zwischen fünf- und zehntausend sein. — Talern? rief Sivert; er konnte die Frage nicht zurückhalten. — Eleseus rechnete ja nicht nach Talern, aber jetzt paßte es ihm, er nickte und ließ Sivert bis zum nächsten Tag in diesem Glauben.

Dann kam Eleseus wieder auf die Sache zurück. Reut dich wohl dein Geschenk von gestern? fragte er. — Du Dummkopf, versetzte Sivert; allerdings, aber fünftausend Taler waren nun einmal fünftausend Taler und keine Kleinigkeit; wenn der Bruder nicht ein Geizhals oder ein schlechter Kerl war, dann teilte er mit ihm. — Nun will ich dir etwas sagen, erklärte endlich Eleseus, ich glaube nicht, daß ich von der Erbschaft fett werde. — Sivert sah ihn überrascht an: So, nicht? — Nein, nicht besonders und nicht par excellence fett.

Eleseus hatte ja gelernt, sich in Rechnungen auszukennen; der Schrein des Oheims, der berühmte Flaschenkasten, war vor ihm geöffnet worden, und er hatte alle Papiere und Summen durchgehen und Kassensturz halten müssen. Oheim Sivert hatte seinen Neffen nicht zu Landarbeit oder zum Flicken des Fischnetzes verwendet, sondern ihn in eine fürchterliche Unordnung von Zahlen und Rechnungen hineinversetzt. Wenn ein Steuerzahler vor zehn Jahren mit einer Ziege oder einer Kiste getrocknetem Kohlfisch bezahlt hatte, dann stand weder die Ziege noch der Kohlfisch da, sondern der alte Sivert holte den Mann aus seinem Gedächtnis hervor und sagte: Er hat bezahlt. — Nun, dann streichen wir diesen Posten, sagte Eleseus.

Hier war Eleseus der rechte Mann, er war freundlich und munterte den Kranken damit auf, daß er sagte, es stehe alles gut; die beiden hatten sich gut zusammen eingelebt, ja, ab und zu hatten sie sogar ihren Spaß miteinander. Eleseus war ja wohl in dem einen oder andern töricht, aber das war der alte Sivert auch; sie hatten geradezu hochtrabende Dokumente abgefaßt, nicht nur zum Vorteil von Klein-Sivert, sondern auch fürs Dorf, die Gemeinde, der der Alte dreißig Jahre gedient hatte. — Herrliche Tage waren es! — Ich hätte wahrlich niemand Besseren bekommen können als dich, Eleseus! sagte Oheim Sivert. Er schickte jemand fort und ließ mitten im Sommer ein geschlachtetes Schaf kaufen, die Fische wurden ihm frisch aus dem Meer gebracht, und Eleseus wurde befohlen, aus dem Schrein zu bezahlen; sie lebten recht gut miteinander.

Sie ließen Oline kommen, und sie hätten niemand Besseren haben können, um an einem Festmahl teilzunehmen, auch war niemand besser dazu geschaffen als sie, von des alten Siverts letzten Tagen großen Ruhm zu verbreiten. Und die Befriedigung war gegenseitig. Ich meine, wir sollten Oline auch mit einer kleinen Erbschaft bedenken, sagte der Oheim, sie ist jetzt Witwe und hat es recht knapp. Es bleibt trotzdem noch genug für Klein-Sivert. — Es kostete Eleseus nur ein paar Federstriche mir geübter Hand, einen Nachtrag zu dem letzten Willen, und dann war auch Oline unter die Erben eingereiht. — Ich werde für dich sorgen, sagte der alte Sivert zu ihr; falls ich nicht wieder gesund werden sollte und nicht mehr auf der Erde leben werde, will ich, daß du nicht Hunger leiden mußt, sagte er. — Oline rief, sie sei sprachlos; aber das war sie gar nicht, sie war gerührt und weinte und dankte; niemand hätte solche Verbindung zwischen einer irdischen Gabe und zum Beispiel „der großen himmlischen Wiedervergeltung im Jenseits” finden können wie Oline. Nein, sprachlos war sie nicht.

Aber Eleseus? Waren ihm vielleicht im Anfang die Verhältnisse des Oheims günstig und zufriedenstellend vorgekommen, so mußte er sich doch später die Sache neu überlegen und mit der Wahrheit herausrücken. Er versuchte es mit einem schwachen Einwand: Die Kasse ist ja nicht so ganz in Ordnung, sagte er. — Jawohl, aber da ist ja alles, was ich sonst hinterlasse. — Ja, und dann hast du wohl auch noch da und dort Geld auf der Bank? fragte Eleseus, denn so ging das Gerücht. — Na, antwortete der Alte, das kann nun sein, wie es will. Aber das Großnetz, der Hof und die Häuser und das Vieh, und weiße Kühe und rote Kühe! Ich glaube, du faselst, mein guter Eleseus!

Eleseus wußte nicht, wieviel das Großnetz wert sein konnte; aber das Vieh hatte er jedenfalls gesehen: es bestand aus einer Kuh. Sie war weiß und rot. Oheim Sivert redete vielleicht irre. Und Eleseus verstand auch des Alten Rechnungen nicht alle; sie waren in einem großen Durcheinander, der reine Wirrwarr, besonders seit dem Jahr, in dem der Münzfuß von Talern in Kronen übergegangen war. Der Bezirkskassierer hatte oft die kleinen Kronen für volle Taler gerechnet. Kein Wunder, daß er sich für reich hielt! Aber Eleseus fürchtete, wenn erst einmal alles geordnet sein würde, werde nicht viel übrigbleiben, vielleicht nichts, ja, vielleicht werde es nicht einmal hinreichen.