All das Geld, das ich bekommen habe, soll denn das mir gehören? fragte Isak.
Was du sagst! erwiderte Geißler. Verstehst du denn nicht, daß du mehr hättest haben sollen? Und eigentlich hättest du sie nach unserem Kontrakt von mir haben sollen, aber wie du gesehen hast, ließ sich das nicht machen. Wieviel hast du bekommen? Nach alter Rechnung nur tausend Taler. Ich denke eben darüber nach, daß du noch ein Pferd für den Hof haben mußt. — Ja. — Ich weiß dir ein Pferd. Der jetzige Gerichtsbote bei Lensmann Heyerdahl läßt seinen Hof verfallen, das Herumreisen und die Leute auspfänden ist ihm unterhaltender. Er hat schon einen Teil seines Viehstandes verkauft, jetzt will er auch seinen Gaul los sein. — Ich werde mit ihm reden, sagte Isak.
Geißler deutete mit der Hand weit herum und sagte: Alles gehört dem Markgrafen! Du hast Haus und Vieh und wohlbestellte Felder, niemand kann dich aushungern.
Nein, antwortete Isak, wir haben alles, was Gott geschaffen hat.
Geißler lief noch eine Weile auf dem Hof umher, dann ging er plötzlich zu Inger hinein. Kannst du wohl auch heute etwas Mundvorrat entbehren? fragte er. Wieder ein paar Waffeln, aber ohne Butter und Käse darauf; sie sind allein schon nahrhaft und fett genug. Nein, tu, wie ich sage, ich will nicht noch mehr tragen.
Geißler ging wieder hinaus. Er hatte wohl allerlei Gedanken im Kopf. Im Neubau setzte er sich an den Tisch und begann zu schreiben. Er hatte sich die Sache schon vorher ausgedacht, deshalb brauchte er nicht viel Zeit dazu. Es sei eine Eingabe an den Staat, sagte er überlegen zu Isak. An das Ministerium des Innern, sagte er. Ich habe für so vieles zu sorgen!
Als er seinen Mundvorrat bekommen hatte und sich verabschiedete, war es, als falle ihm plötzlich noch etwas ein. Ja, richtig, als ich das letztemal fortging, vergaß ich gewiß — ich hatte einen Schein aus meiner Brieftasche genommen, hatte ihn dann aber in meine Westentasche gesteckt. Da habe ich ihn nachher gefunden. Ich habe so vielerlei Geschäfte. Damit steckte er Inger etwas in die Hand und ging.
Ja, dann ging Geißler, und er schien ganz getrosten Mutes zu sein. Er war durchaus nicht herunter und starb auch noch lange nicht, kam auch wieder nach Sellanraa, und erst viele Jahre später starb er. Die Hofleute vermißten ihn aber sehr, als er nun gegangen war; Isak hatte ihn wegen Breidablick um Rat fragen wollen, war aber nicht dazu gekommen. Geißler hätte ihm wohl auch abgeraten, den Hof zu kaufen — für einen Kontoristen wie Eleseus Ödland zu kaufen!
18
Oheim Sivert war doch am Sterben. Eleseus war ungefähr drei Wochen bei dem Alten gewesen, da war er tot. Eleseus bestellte das Begräbnis und war recht tüchtig in dieser Richtung, er holte da und dort in den Häusern einige Fuchsiastöcke, entlehnte eine Flagge und hing sie auf Halbmast, kaufte schwarzen Flor beim Kaufmann zu heruntergelassenen Vorhängen. Isak und Inger wurden benachrichtigt und kamen zum Begräbnis. Eleseus war der eigentliche Wirt und verstand sich sehr wohl auf die Aufwartung für die Eingeladenen, ja, nachdem am Sarg noch gesungen worden war, sprach Eleseus sogar einige passende Worte, worüber seine Mutter vor lauter Stolz und Rührung ihr Taschentuch gebrauchen mußte. Alles ging ausgezeichnet.