Komm jetzt her, damit wir fertig werden! rief der Hüttenbesitzer.
Darauf gingen alle miteinander in den Neubau, und Isaks viertausend wurden aufgezählt. Geißler bekam eine Urkunde; er steckte sie nachlässig in die Tasche, als hätte sie gar keinen Wert. Heb sie wohl auf, sagten die andern zu ihm, und deiner Frau wird das Bankbuch in einigen Tagen zugestellt werden, sagten sie. — Geißler runzelte die Stirne und erwiderte: Es ist gut!
Aber sie waren noch nicht fertig mit Geißler. Nicht als ob er den Mund aufgetan hätte, um etwas für sich zu verlangen, aber da stand er nun, und sie sahen, wie er dastand; vielleicht hatte er sich auch selbst einen kleinen Teil des Geldes ausbedungen. Als der Hüttenbesitzer ihm ein Banknotenbündel reichte, nickte Geißler nur und sagte wieder, es sei gut. Und nun trinken wir noch ein Glas mit Geißler, sagte der Hüttenbesitzer.
Sie tranken, dann waren sie fertig und verabschiedeten sich von Geißler.
In diesem Augenblick kam Brede Olsen einher. Was wollte der nun? Brede hatte natürlich die dröhnenden Schüsse am gestrigen Tage gehört und verstanden, daß droben im Gebirge etwas vor sich ging. Jetzt kam er und wollte auch Gebirgsstrecken verkaufen. Er ging an Geißler vorbei, wendete sich an die Herren und sagte: er habe einige merkwürdige Gesteinsarten entdeckt, ganz wunderbare, die einen seien rot wie Blut, andere hell wie Silber; er kenne jeden Winkel da droben und könne rasch mit den Herren hinaufgehen, er wisse mehrere lange Metalladern — was das wohl für eine Art Metall sein könne? — Hast du Proben bei dir? fragte der Bergbaukundige. — Ja. Aber ob sie nicht ebensogut auf den Berg hinaufgehen könnten? Es sei nicht weit, Proben, jawohl! Viele Säcke voll, viele Kisten voll, er habe sie zwar nicht bei sich, aber daheim in seinem Hause; er könne rasch hinlaufen und sie holen. Aber er könne in kürzerer Zeit von den Bergen droben holen, wenn die Herren warten wollten. Die Herren jedoch schüttelten den Kopf und ritten davon.
Brede sah ihnen gekränkt nach. Wenn die Hoffnung einen Augenblick in ihm aufgetaucht war, dann erlosch sie jetzt wieder; er arbeitete unter der Ungunst des Schicksals, nichts wollte ihm glücken. Nur gut, daß er einen leichten Sinn hatte, um das Leben trotzdem ertragen zu können. Er sah den Reitern nach und sagte schließlich: Na, viel Glück auf die Reise!
Aber jetzt zeigte er sich wieder unterwürfig gegen Geißler, seinen früheren Lensmann, er duzte ihn nicht mehr, sondern verbeugte sich und sagte Ihr. Geißler hatte unter irgendeinem Vorwand seine Brieftasche herausgezogen und ließ sehen, wie sie von Banknoten strotzte. — Könnt Ihr mir nicht helfen, Lensmann! sagte Brede. — Geh heim und grabe dein Moor um! sagte Geißler und half ihm nicht im geringsten. — Ich hätte gut eine ganze Traglast voll Steine mitbringen können, aber wäre es denn nicht viel besser gewesen, die Herren hätten die Berge selbst angesehen, da sie nun doch einmal hier waren? — Geißler tat, als höre er nicht, was Brede sagte, sondern fragte Isak: Weißt du nicht, was ich mit dem Dokument gemacht habe? Es war äußerst wichtig, viele tausend Kronen wert. Ach, da ist es, mitten zwischen den Banknoten. — Was waren denn das für Leute, haben sie nur einen Ausflug zu Pferde gemacht? fragte Brede.
Geißler war wohl vorher in großer Spannung gewesen, jetzt fiel er merklich ab. Aber er hatte doch noch Lust und Leben genug, um noch allerlei auszurichten. Sivert sollte mit ihm hinauf auf den Berg, Geißler hatte ein großes Papier bei sich, da zeichnete er die Grenze auf der Südseite des Wassers deutlich darauf ein. — Was er wohl für einen Gedanken dabei hatte! Als er ein paar Stunden später wieder auf den Hof zurückkam, war Brede noch da, aber Geißler beantwortete keine einzige von seinen Fragen, sondern war müde und winkte ihm nur mit der Hand ab.
Er schlief ununterbrochen bis zum nächsten Morgen, da stand er mit der Sonne auf und war wieder ganz frisch. Sellanraa! sagte er, als er auf dem Hofplatz stand und weit umherschaute.