Ja, aber im Grunde genommen war es nun nicht Brede Olsen, der verkaufte, sondern die Bank und der Kaufmann waren es, die Breidablick zu Geld machten, aber um den Schein zu wahren, sollte es in Bredes Namen geschehen. Auf diese Weise glaubte er der Schande zu entgehen. Und Brede war auch gar nicht so sehr niedergedrückt, als Isak mit ihm zusammentraf, er tröstete sich damit, daß er ja immer noch Inspektor über die Telegraphenlinie sei; das sei eine sichere Einnahme, und mit der Zeit werde er sich schon wieder zu seiner alten Stellung im Dorfe, zum allgemeinen Helfer und Begleiter des Lensmanns, emporarbeiten.
Natürlich war Brede auch gerührt gewesen. Das gehörte dazu: es sei ja so eine Sache, sich von der Stelle, die er liebgewonnen und wo er so viele Jahre lang gelebt und geschafft und gearbeitet habe, zu trennen. Aber der gute Brede ließ sich nie dauernd unterkriegen, das war seine gute Seite, das Anziehende an ihm. Er hatte einmal die Eingebung bekommen, Ödland urbar zu machen, dieser Versuch war nicht glücklich ausgefallen; aber auf dieselbe lustige Weise hatte er auch in anderen Fragen gehandelt, und da war es ihm besser gelungen. Ja, wer konnte wissen, ob er nicht mit seinen Gesteinsproben noch einmal gewaltige Geschäfte machte! Und jedenfalls war da Barbro, die er auf Maaneland untergebracht hatte! Sie komme ja nie wieder von Axel Ström weg, das dürfe man wohl sagen, es sei jedermann offenkundig!
Nein, solange er seine Gesundheit habe und für sich und die Seinen schaffen könne, stehe es nicht schlecht, sagte Brede Olsen. Und gerade jetzt seien alle seine Kinder allmählich erwachsen, sie zögen fort und sorgten für sich selbst, sagte er. Helge sei schon bei der Heringsfischerei, und Katrine komme zu Doktors in Dienst. Dann hätten sie nur zwei kleinere Kinder daheim — allerdings komme bald noch ein drittes dazu, aber ...
Isak brachte aus dem Dorf eine Neuigkeit mit: Die Frau des Lensmannes hatte ein Kleines bekommen. — Inger fragte plötzlich lebhaft: Einen Jungen oder ein Mädchen? — Das habe ich nicht gehört, antwortete Isak.
Also die Frau des Lensmannes hatte ein Kind bekommen, sie, die immer im Frauenverein gegen die überhandnehmenden Geburten bei den Armen geeifert hatte. Man solle der Frau das Stimmrecht geben und ihr Einfluß auf ihr eigenes Schicksal einräumen, hatte sie gesagt. Jetzt war sie gefangen. Ja, sagte die Frau Pastor, sie hat ihren Einfluß wohl angewendet, hahaha, und doch ist sie ihrem Schicksal nicht entgangen! Dieses witzige Wort über Frau Heyerdahl ging im ganzen Dorf herum und wurde von sehr vielen verstanden; auch Inger verstand es vielleicht, nur Isak verstand nichts.
Isak verstand zu arbeiten, verstand seine Hantierung zu betreiben. Er war jetzt ein reicher Mann mit einem großen Hof, aber von dem vielen baren Geld, das ihm der Zufall in den Schoß geworfen hatte, machte er nur einen schlechten Gebrauch: er hob es auf. Das Ödland rettete ihn. Hätte Isak im Dorf gewohnt, dann hätte vielleicht die große Welt auch etwas auf ihn eingewirkt; dort war so viel Schönes, so vornehme Verhältnisse, er würde Unnötiges gekauft haben und wäre am Werktag in einem roten Hemd gegangen. Hier im Ödland war er gegen alle Verschwendung geschützt, er lebte in reiner Luft, wusch sich am Sonntagmorgen und badete, wenn er droben am Gebirgssee war. Die tausend Taler — jawohl, ein Geschenk vom Himmel, jeden Heller davon zum Aufbewahren! Wozu sonst? Isak konnte seine gewöhnlichen Ausgaben mit Leichtigkeit durch den Verkauf seiner Erträgnisse von dem Viehbestand und den Feldern bestreiten.
Eleseus wußte ja besser Bescheid, er hatte dem Vater geraten, sein Geld auf der Bank anzulegen. Es war auch wohl möglich, daß dies das verständigste gewesen wäre, aber jedenfalls war es aufgeschoben worden, wurde vielleicht nie getan. Nicht, weil Isak immer den Rat des Sohnes überhört hätte, Eleseus war wahrlich nicht so schlimm, das hatte Isak in der letzten Zeit herausgefunden. Jetzt in der Heuernte hatte er es mit dem Mähen versucht — nein, ein Meister wurde er darin nicht, und er mußte sich in Siverts Nähe halten und sich von ihm jedesmal die Sense wetzen lassen, aber Eleseus hatte lange Arme und konnte das Heu wie ein ganzer Mann zusammenraffen. Jetzt waren er und Sivert und Leopoldine und Jensine drüben auf der Wiese und setzten das erste Heu auf Heinzen, und Eleseus schonte sich da auch nicht, sondern arbeitete mit dem Rechen, bis er Blasen bekam und mit verbundenen Händen gehen mußte. Seit mehreren Wochen schon hatte er keinen rechten Appetit gehabt, war aber deshalb doch nicht arbeitsscheu geworden. Über den Jungen mußte etwas Neues gekommen sein, es sah aus, als sei ein gewisses Mißgeschick in einer gewissen Liebesangelegenheit oder etwas anderes in dieser Richtung, ein großer Schmerz oder eine Enttäuschung, vom Guten für ihn gewesen. Seht, jetzt hat er sogar seinen letzten von der Stadt mitgebrachten Tabak aufgeraucht, und das hätte vielleicht unter anderen Umständen einen Kontoristen dazu bringen können, die Türe zuzuschlagen oder sich über dies und jenes scharf auszusprechen; aber nein, Eleseus wurde dadurch nur ein gesetzter Bursche, fester in der Haltung, ja, wahrlich ein Mann.
Auf was verfiel aber dann der Spaßvogel Sivert, um ihn zu reizen?
An diesem Tag knieten beide Brüder auf Steinen im Fluß und tranken, und Sivert war so unvorsichtig, Eleseus anzubieten, ihm ein besonders gutes Moos zu Tabak zu trocknen — oder vielleicht willst du es roh rauchen? sagte er. — Ich werde dir Tabak geben, versetzte Eleseus, indem er den Arm ausstreckte und den Bruder bis an die Schultern ins Wasser tauchte. Ha, da bekam er's! Sivert lief noch lange mit einem nassen Kopf umher.