Ich glaube, Eleseus wächst sich allmählich zu einem tüchtigen Kerl heraus, dachte der Vater, wenn er den Sohn bei der Arbeit sah. — Hm. Ob der Eleseus nun für ganz daheimbleiben will? fragte er Inger. — Sie sagte ebenso sonderbar vorsichtig: Das könnte ich nicht sagen. Nein, das will er nicht. — So, hast du mit ihm darüber gesprochen? — Ach nein. Doch, ich habe nur ein ganz klein wenig gesagt. Aber ich errate es. — Ich möchte wissen, wie es wäre, wenn er einen eigenen Hof hätte? — Wieso? — Ob er ihn bebauen würde? — Nein. — So, hast du mit ihm darüber geredet? — Darüber geredet? Siehst du nicht, wie verändert er ist? Ich kenne ihn gar nicht mehr. — Du brauchst ihn nicht schlecht zu machen, sagte Isak unparteiisch. Ich sehe nichts anderes, als daß er draußen ein gutes Tagewerk vollbringt. — So, ja, ja, antwortete Inger schüchtern. — Ich weiß nicht, was du gegen den Jungen hast! rief Isak erzürnt. Er leistet mit jedem Tag bessere Arbeit, kannst du mehr erwarten? — Inger murmelte: Er ist nicht mehr, wie er war. Du solltest mit ihm wegen der Westen sprechen. — Wegen der Westen? Wieso? — Er sagt, daß er im Sommer in der Stadt weiße Westen getragen habe. — Isak dachte darüber nach und begriff nichts. Aber kann er denn nicht eine weiße Weste bekommen? fragte er. Isak war verwirrt, das Ganze war natürlich nur ein Weibergeschwätz, er meinte, der Junge sei mit der weißen Weste im Recht und begriff überdies nicht, was das bedeuten sollte, er wollte also rasch darüber weggehen. Nun, was würdest du dazu sagen, wenn er Bredes Ansiedlung zum Heraufarbeiten bekäme? — Wer? fragte Inger. — Eleseus. — Breidablick? fragte Inger. Tu das ja nicht.

Die Sache war nämlich die, daß sie den Plan schon mit Eleseus durchgesprochen hatte, sie kannte ihn wohl von Sivert, der den Mund nicht hatte halten können. Und im übrigen — warum hätte Sivert über den Plan schweigen sollen, den der Vater sicher nur deshalb verraten hatte, damit er durchgesprochen würde? Es war nicht das erstemal, daß er Sivert auf diese Weise zum Vermittler machte. Na, aber was hatte Eleseus geantwortet? Wie früher, wie in seinen Briefen aus der Stadt: Nein, ich will das, was ich gelernt habe, nicht wegwerfen und wieder der reine Garnichts sein! Das hatte er geantwortet. Ja, dann war ja die Mutter mit ihren guten Gründen herausgerückt, aber Eleseus hatte für alles nur abschlägige Antworten gehabt und gesagt, er habe andere Pläne für sein Leben. Das junge Herz hat seine unerforschlichen Gründe; nach dem, was geschehen war, fand er es vielleicht auch unmöglich, der Nachbar von Barbro zu werden. Das konnte niemand wissen. Er hatte der Mutter gegenüber nur obenhin Auskunft gegeben und gesagt, er könne in der Stadt eine bessere Stelle bekommen, als er jetzt habe; er könne auch Schreiber beim Landrichter oder Landrat werden; man müsse hinaufkommen, in einigen Jahren werde er vielleicht Lensmann oder Leuchtturmwächter, oder er komme aufs Zollamt. Es gebe so viele Möglichkeiten für den, der etwas gelernt habe.

Woher es nun auch kam, aber jedenfalls wurde die Mutter bekehrt, wurde mitgerissen, und sie war ja selbst so wenig sicher, die Welt konnte sie gar leicht wieder in ihre Schlingen ziehen. Im Winter hatte sie sogar in einem gewissen ausgezeichneten Andachtsbuch gelesen, das sie bei ihrem Weggang in der Anstalt in Drontheim bekommen hatte; aber jetzt? Ob denn Eleseus wirklich Lensmann werden könne? — Jawohl, antwortete Eleseus. Was ist denn der Lensmann Heyerdahl anderes als ein früherer Schreiber auf einer Amtsstube?

Große Aussichten! Die Mutter wollte Eleseus geradezu abraten, sein Leben zu ändern und sich wegzuwerfen. Was sollte ein solcher Mann im Ödland?

Aber warum gab sich Eleseus jetzt so viele Mühe und schaffte so fleißig auf den Feldern der Heimat? Gott mochte es wissen, er hatte vielleicht eine Absicht dabei! Etwas Bauernehrgeiz hatte er wohl auch, er wollte nicht zurückstehen. Außerdem schadete es nicht, wenn er an dem Tag, an dem er die Heimat wieder verließ, mit dem Vater gut Freund war. Um die Wahrheit zu sagen, so hatte er verschiedene kleine Schulden in der Stadt, es wäre gut, wenn er diese bereinigen könnte. Das würde großen neuen Kredit bedeuten. Und hier handelte es sich nicht nur um einen Hundertkronenschein, sondern um etwas, das etwas war.

Eleseus war nicht dumm, oh, weit entfernt, er war sogar auf seine Art schlau. Er hatte den Vater wohl heimkommen sehen und wußte, daß er in diesem Augenblick drinnen am Fenster saß und herüberschaute. Wenn sich da nun Eleseus besondere Mühe bei der Arbeit gab, gereichte ihm das vielleicht gerade jetzt zum Vorteil, und es geschah ja niemand ein Unrecht dadurch.

Eleseus hatte etwas Verfeinertes an sich, was es nun auch sein mochte, aber zugleich auch etwas Verpfuschtes wie etwas Zerstörtes, er war nicht böse, aber ein wenig verstockt. Hatte ihm in den verflossenen Jahren eine starke Hand über sich gefehlt? Was konnte die Mutter jetzt für ihn tun? Einzig und allein ihm helfen. Sie konnte sich von den großen Zukunftsaussichten des Sohnes blenden lassen und ihm beim Vater die Stange halten. Das konnte sie.

Aber Isak wurde schließlich ärgerlich über ihre abweisende Haltung, seiner Meinung nach war der Plan mit Breidablick gar nicht so übel. Heute auf dem Heimweg hatte er sogar der Versuchung nachgegeben und das Pferd angehalten, um sich in aller Eile einen sachkundigen Überblick über die vernachlässigte Ansiedlung zu verschaffen: unter arbeitsamen Händen konnte etwas daraus werden. — Warum soll ich es nicht wagen? fragte er Inger jetzt. Ich habe so viel Herz für Eleseus übrig, daß ich ihm dazu verhelfen will. — Ach, wenn du ein Herz für ihn hast, so nenne Breidablick vor ihm nicht mehr, versetzte sie. — So. — Nein, denn er hat viel größere Gedanken als wir.

Isak ist ja selbst seiner Sache nicht ganz sicher, er kann also nicht so recht gewichtig reden, aber es ärgert ihn, daß er mit diesem Plan herausgerückt ist und so unvorsichtig offen geredet hat, deshalb will er ihn nur ungern aufgeben. Er soll tun, was er will, erklärte Isak plötzlich. Und er sagt es mit lauter, drohender Stimme zum Besten für Inger, falls sie zufällig nicht gut hören sollte. Ja, sieh mich nur an, aber ich sage jetzt nichts mehr. Das Schulhaus ist dort, und es ist auf dem halben Wege vom Dorfe hierher, und alles miteinander, was sind denn das für große Gedanken, die er hat? Mit einem Sohne wie er könnte ich leicht verhungern, ist das etwa besser? Aber nun frage ich, wie es kommt, daß mein eigenes Fleisch und Blut ungehorsam gegen — mein eigenes Fleisch und Blut sein kann? — Isak schwieg. Er begriff wohl, je mehr er redete, desto schlimmer wurde es. Er wollte jetzt erst einmal die Sonntagskleider ausziehen, in denen er im Dorfe gewesen war; aber nein, er änderte diesen Entschluß wieder und wollte so bleiben, wie er war — was er wohl damit wollte? Du mußt versuchen, es mit Eleseus ins reine zu bringen, sagte er dann. — Inger antwortete: Es wäre am besten, du würdest es ihm selbst sagen. Mir folgt er nicht! — Jawohl, Isak ist das Haupt für alle, das wollte er meinen. Eleseus sollte es nur versuchen, sich zu mucksen! Aber ob es nun war, weil er eine Niederlage befürchtete — Isak weicht jetzt aus und sagt: Ja, das könnte ich tun, ich könnte es ihm selbst sagen. Aber da ich so vieles andere zu besorgen habe, so muß ich jetzt an anderes denken. — So? fragt Inger verwundert.