Nun ging's an die Tiere. Sie standen heute im Stall, um in der Nähe zu sein. Was sollte Brede mit Tieren, wenn er kein Weideland mehr dafür hatte! Kühe hatte er gar nicht, er hatte seine Landwirtschaft mit zwei Geißen begonnen, jetzt hatte er vier. Außerdem hatte er sechs Schafe. Ein Pferd besaß er nicht.
Isak kaufte ein gewisses Schaf mit flachen Ohren. Als Bredes Kinder dieses Schaf aus dem Stall herausführten, bot er sofort darauf; das erregte Aufmerksamkeit; Isak von Sellanraa war ja ein reicher und angesehener Mann, der brauchte doch nicht noch mehr Schafe, als er schon hatte. Bredes Frau hält einen Augenblick mit ihrem Kaffeeverkauf inne und sagt: Zu diesem Schaf kann man dir nur zureden, Isak; es ist zwar alt, aber es wirft jedes Jahr zwei oder drei Lämmer. — Ja, das weiß ich, erwidert Isak und sieht sie voll an. Ich kenne das Schaf.
Er macht sich mit Axel Ström zusammen auf den Heimweg und führt sein Schaf am Strick. Axel ist schweigsam, und irgend etwas scheint ihn zu wurmen, was es nun auch sein mag. Aber er hat doch eigentlich keine äußere Ursache, niedergeschlagen zu sein, denkt Isak. Seine Wirtschaft ist in gutem Stande, er hat das meiste Futter schon hereingebracht, und er ist eben dabei, sein Wohnhaus aufzurichten. Es geht bei Axel Ström, wie es gehen soll, ein wenig langsam, aber sicher. Jetzt hat er sich auch ein Pferd angeschafft.
Du hast Bredes Hof gekauft, sagt Isak. Willst du ihn bewirtschaften? — Nein, ich will ihn nicht bewirtschaften. Ich habe ihn für einen andern gekauft. — So. — Was meinst du, habe ich zuviel bezahlt? — O nein. Er hat gute Moore, wenn sie entwässert werden. — Ich habe den Hof für meinen Bruder in Helgeland gekauft. — So. — Aber ich habe so halb und halb daran gedacht, mit ihm zu tauschen. — Du willst mit ihm tauschen? — Wenn Barbro lieber da unten wohnen möchte.
Schweigend gehen sie ein gutes Stück. Dann sagt Axel: Man ist sehr hinter mir her, ich soll den Telegraphen übernehmen. — Den Telegraphen? So. Ja, ich habe gehört, der Brede habe ihn aufgekündigt. — So, antwortet Axel lächelnd; das ist nicht ganz genau so gewesen, ihm, dem Brede, ist aufgekündigt worden. — Ja, ja, sagte Isak und versuchte Brede ein wenig zu entschuldigen; der Telegraph nimmt viel Zeit weg. — Sie haben ihm zu Neujahr gekündigt, wenn er sich nicht bessere. — So. — Meinst du nicht, ich könnte den Posten übernehmen? — Isak dachte lange nach und antwortete dann: Ja, ja, das bringt Geld. — Sie wollen mir mehr geben. — Wieviel? — Das Doppelte. — Das Doppelte? Ja, dann meine ich, du könntest es dir überlegen. — Aber die Strecke ist etwas länger geworden. Nein, ich weiß doch nicht, was ich tun soll; es läßt sich jedoch jetzt weniger aus dem Wald herausschlagen als zu deiner Zeit, und ich muß mir noch mehr Geräte anschaffen, ich habe jetzt zu wenig. An bar Geld fehlt es immer, und mein Viehstand ist nicht so groß, daß ich davon verkaufen könnte. Ich meine, ich sollte es einmal ein Jahr mit dem Telegraphen versuchen ... Keinem der beiden fiel es ein, daß Brede sich bessern und seinen Posten behalten könnte.
Als sie nach Maaneland kamen, ist auch Oline auf ihrem Heimweg dort angelangt, ja, Oline ist merkwürdig, sie kriecht fett und rund daher wie eine Raupe und ist doch über siebzig Jahre, aber sie kommt weiter. Sie sitzt in der Gamme und trinkt Kaffee, aber als sie die Männer gewahr wird, läßt sie alles liegen und stehen und kommt heraus. Guten Tag, Axel, zurück von der Versteigerung? fragt sie. Du hast doch nichts dagegen, daß ich Barbro einen Besuch mache? Und du baust ein Wohnhaus und wirst ein immer größerer Herr? Du hast ein Schaf gekauft, Isak? — Ja, erwidert Isak, kommt es dir nicht bekannt vor? — Ob es mir bekannt vorkommt? Nein. — Es hat aber doch diese flachen Ohren, sieh nur. — Flache Ohren, wieso denn? Und wenn auch? Ja, was ich sagen wollte: Wer hat denn Bredes Hof gekauft? Eben habe ich zu der Barbro gesagt, wer wohl ihr Nachbar werden würde, habe ich gesagt. Die arme Barbro sitzt nur da und weint, wie nicht anders zu erwarten ist. Aber der Allmächtige hat ihr eine zweite Heimat hier auf Maaneland beschert. Flache Ohren? Ich habe in meinem Leben schon viele Schafe mit flachen Ohren gesehen. Und das ist wahr, Isak, diese Maschine, die du hast, ist fast mehr als meine alten Augen fassen können. Und was sie gekostet hat, danach will ich lieber gar nicht fragen, so hoch kann ich gar nicht zählen. Wenn du sie gesehen hast, Axel, dann weißt du, was ich meine, es war mir, als sähe ich Elias in seinem feurigen Wagen; Gott verzeih mir die Sünde ...
Als das Heu unter Dach war, fing Eleseus an, sich zur Abreise zu rüsten. Er hatte dem Ingenieur geschrieben, er komme jetzt wieder, aber darauf die sonderbare Antwort erhalten, daß die Zeiten schlecht seien, man müsse sich einschränken, der Ingenieur könne den Posten nicht mehr besetzen und müsse von nun an alles selbst schreiben.
Das war doch eine verfluchte Sache! Aber wozu brauchte auch dieser Bezirksingenieur einen Schreiber? Damals, als er den kleinen Jungen Eleseus von seinem Elternhaus wegnahm, wollte er sich wohl nur als großer Mann in der Gegend zeigen, und wenn er ihn bis über die Konfirmation genährt und gekleidet hatte, so hatte er auch ein wenig Hilfe auf dem Büro dafür gehabt. Jetzt war der Junge erwachsen, nun war es eine andere Sache.
Aber, schrieb der Ingenieur, wenn Du zurückkommst, so will ich tun, was ich kann, um Dich auf einem anderen Büro unterzubringen, obgleich es wahrscheinlich schwierig sein wird. Es gibt so überflüssig viele junge Leute hier, die diese Laufbahn einschlagen. Freundliche Grüße.